Suchen

Länderreport Schweden Chemieindustrie auf der skandinavischen Halbinsel

| Autor / Redakteur: Heiko Steinacher, Germany Trade and Invest / Wolfgang Ernhofer

Schweden hat bei bei der heimischen Eishockey-Weltmeisterschaft bis jetzt noch kein Spiel verloren. Fast genauso furios "spielt" die Chemieindustrie im skandinavischen Land seit der Konjunkturkrise und bleibt für die deutsche Chemieindustrie ein wichtiger Handelspartner.

Firmen zum Thema

(Bild: wikimedia commons)

Stockholm – Die Chemiebranche zählt zu Schwedens wichtigsten Industriezweigen. Die ansässigen Hersteller sind global ausgerichtet und innovativ. Der Sektor ist 2009 in den Abwärtssog der weltweiten Konjunkturkrise geraten, erholt sich seit 2010 aber wieder zusehends.

Wichtigstes Segment ist die Pharmaindustrie, gefolgt von der Kunststoff- und der Grundchemikaliensparte. Schwedens Industrie ist auf Chemieimporte angewiesen und Deutschland das wichtigste Lieferland.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 9 Bildern

Marktentwicklung/-bedarf

Der schwedische Chemiemarkt (inklusive Petrochemie und Kunststoffe, HS-Positionen 27-40) hatte 2009 ein geschätztes Volumen von 240 Milliarden bis 245 Milliarden Schwedischen Kronen (skr; rund 22,6 Milliarden bis 23,1 Milliarden Euro; durchschnittlicher Wechselkurs 2009: 1 Euro = 10,6191 skr).

Nach Rückgängen 2008 und 2009 hat sich der Verbrauch chemischer Erzeugnisse laut Angaben der Chemikalieninspektion des Landes im darauffolgenden Jahr wieder erhöht. Bereits veröffentlichte Außenhandelsdaten des Statistikamts für 2010 und 2011 bestätigen eine deutliche Importzunahme in beiden Jahren (2010: +19 Prozent, 2011: +9 Prozent). Deutsche Anbieter sind in allen wichtigen Segmenten des Marktes gut positioniert.

Optimistische Grundeinstellung

Der Konjunkturumfrage des Wirtschaftsinstitutes KI im März 2012 zufolge bewerteten die Chemiefirmen, abgesehen vom Bereich Kunststoffverarbeitung, ihre Geschäftsentwicklung im Schnitt deutlich besser als das verarbeitende Gewerbe insgesamt. In Erwartung steigender Produzentenpreise, vor allem auf dem Inlandsmarkt, sowie wachsender Auftragsbestände blicken die meisten auch positiv in die Zukunft. Etwas verhaltener ist der Optimismus in der Pharmabranche, die sich auf rückläufige Preisentwicklungen einstellt.

Farben und Lacke

Der Bereich Farben und Lacke ist ein kleines Segment innerhalb der schwedischen Chemieindustrie. Dem Fachverband Sveff zufolge betrug das inländische Verkaufsvolumen 2010 rund 4,134 Milliarden skr. Für 2011 lagen zu Redaktionsschluss noch keine Angaben vor, doch soll der Marktwert in etwa stabil geblieben sein. Auch 2012 wird mit einer Stagnation gerechnet.

Die Nachfrage nach umweltschonenden Produkten, speziell wasserbasierten und lösungsmittelarmen Erzeugnissen, sowie nach industriellen Pulverfarben entwickelt sich positiv. Insbesondere bei Farbrohstoffen ist Schweden von Importen abhängig. Deutschland ist neben Norwegen das Hauptlieferland.

Kosmetika und Pharmazeutika

Im Konsumgüterbereich lag der Umsatz mit Kosmetikwaren 2011 nach Angaben des Fachverbands KTF bei gut 14 Milliarden skr (-6,4 Prozent). Zuwächse erzielten nur Produkte der dekorativen Kosmetik (+8,5 Prozent). Im Jahr 2012 soll sich der Markt in etwa behaupten. Circa ein Fünftel des inländischen Verkaufsvolumens wird in Schweden produziert.

Einen hohen Anteil ihres Gesamtumsatzes erwirtschaftet die Chemieindustrie traditionell im Pharmasektor. Der Arzneimittelabsatz wuchs trotz der allgemeinen Wirtschaftskrise 2008 und 2009 um 2,7 Prozent respektive 5,3 Prozent, 2010 nochmals um 2,1 Prozent, stagnierte dann aber im vergangenen Jahr. Die Gesundheitsbehörde rechnet für 2012 mit einer Zunahme der Arzneimittelverkäufe um zwei Prozent.

Basischemikalien

Die Nachfrage nach Basischemikalien ist stark von der lokalen Papier- und Zellstoffindustrie abhängig. Firmen der schwedischen Kernbranche wie SCA, Holmen oder Stora Enso sind weltweit aktiv und ihr Bedarf an Chemikalien dementsprechend hoch. Jedes Jahr benötigt der Sektor einige Millionen Tonnen Chemikalien, vor allem Mineralien wie Kaolin und Kalk beziehungsweise Bleichmittel wie Chlordioxid sowie Sauerstoff basierte Substanzen wie Wasserstoffperoxid und Ozon.

Tabellen, Zahlen und weitere Fakten zur Chemieindustrie in Schweden finden Sie in der Bildergalerie des Artikels.

(ID:33649840)