Wie lange dauert ein Chemiestudium? Reicht der Master als Abschluss aus? Wo führt der Weg nach der Promotion üblicherweise hin? Und wie entwickelt sich die Zahl der Studienanfänger im Fach Chemie? Die aktuelle GDCh-Statistik zeigt Trends und Auffälligkeiten.
Die GDCh bringt jährlich eine Statistik zum Chemiestudium heraus (Symbolbild).
Das vorige Jahr haben anscheinend viele Studierende in Deutschland genutzt, um ihre finalen Prüfungen abzuschließen, die durch die Corona-Beschränkungen z. T. verschoben wurden. Zumindest zeigt sich in den Absolventenzahlen 2021 ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Das ergibt die jährliche Statistik für Chemiestudiengänge der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), die seit 1952 jährlich erhoben wird. Die Anzahl an Bachelor- und Masterabschlüssen in der Chemie kommt damit wieder näher an das Vor-Corona-Niveau heran – die Promotionen lagen 2021 sogar bereits leicht über dem Wert von 2019. Das „Einknicken“ aus 2020, wie in der Grafik unten zu erkennen, ist damit womöglich nur ein einmaliges Phänomen gewesen.
Insgesamt entschieden sich im Jahr 2021 8.233 Personen für einen Chemiestudiengang in den Universitätsstudiengängen Chemie, Biochemie und Lebensmittelchemie sowie an den Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW). Im Vorjahr 2020 waren es noch 9.384 Personen.
Die folgenden Grafiken zeigen einige Trends und Highlights aus den Daten der GDCh-Statistik für den Universitätsstudiengang Chemie. Die ausführlichen Ergebnisse zu den Bereichen Biochemie, Lebensmittelchemie und HAW sind in der Statistik der Chemiestudiengänge 2021 der GDCh einzusehen.
Ergänzendes zum Thema
Bologna-Reform und das Auslaufen des Diplomstudiums
Die Bachelorabschlüsse haben sich seit 2016 Jahren auf ein einigermaßen konstantes Niveau eingependelt. Davor waren die Zahlen über viele Jahre gestiegen, da erst seit 2002 die Bachelor- und Mastergänge mit der Bologna-Reform eingeführt worden sind. Bis heute sind noch vereinzelt Diplomstudenten an den Universitäten „unterwegs“. So wurden 2020 noch vier Vordiplom- und neun Diplomabsolventen gemeldet.
Ein Grund für die Studienreform war seinerzeit, den Studierenden mit dem Bachelor einen anerkannten Zwischenabschluss und damit einen schnelleren Start in das Berufsleben zu ermöglichen. Zumindest im Bereich Chemie hat dies aber nicht den gewünschten Erfolg gebracht, da hier nahezu alle Bachelorabsolventen direkt den Master anschließen.
Der Anfang vom Ende? Weiter sinkende Erstsemester-Zahlen
Während die Studienabschlüsse sich wieder positiv entwickelt haben, setzt sich bei den Neueinsteigern der Abwärtstrend der vorigen Jahre fort. Seit 2017 beginnen Jahr für Jahr weniger Studenten mit dem Chemiestudium. Hatten sich 2017 noch über 7.100 Erstis in der Chemie eingefunden, lag deren Zahl im Vorjahr nur noch bei gut 5.100. Zwar gehen auch die Zahlen der Studienanfänger generell deutschlandweit leicht zurück – von 509.000 im Wintersemester 2019/20 auf 490.000 im WS 2020/21 – doch dieser Rückgang ist relativ gesehen mit 4 % deutlich kleiner als der Rückgang bei den Anfängerzahlen im Chemiestudium. Dort gab es im vorigen Jahr einen Rückgang von 10 %.
Insgesamt waren 2021 rund 16.500 Studierende im Bachelor Chemie eingeschrieben. Erstaunlich ist auf den ersten Blick, dass die meisten Studenten nicht in Semester 1+2 sind, sondern in Semester 5 oder höher – obwohl doch typischerweise gerade in den ersten Semestern die Abbrecherquote besonders hoch ist und weniger Studenten in den höheren Semestern „übrig bleiben“ müssten. Hier mag sich allerdings auswirken, dass viele Studenten mehr als die sechs Regelsemester für den Bachelor brauchen, weshalb der Teil „Semester 5 oder höher“ in der Grafik unten entsprechend groß ist. In den kommenden Jahren wird sich zeigen, inwieweit hier ein Corona-Effekt mit hineinspielt (verlängerte Studienzeit aufgrund von verlegten Prüfungen).
Chemie ist für alle interessant
Bei der Geschlechter-Parität ist das Chemiestudium auf einem guten Weg. Der Anteil an weiblichen Studenten im Bachelor Chemie liegt bei 42 %, bei den Studienanfängern allein liegt der Frauenanteil mit 47 % sogar auf einem neuen Höchstwert. Seit zehn Jahren steigt er nahezu kontinuierlich immer weiter an und könnte schon bald die tatsächliche Geschlechterverteilung in der Gesellschaft widerspiegeln. Chemie ist also längst kein Männerstudium mehr.
Wie lange dauert ein Chemiestudium?
Bis sich die Zahlen auch in höheren Semestern oder gar den höheren Abschlüssen durchsetzen werden, dauert es allerdings naturgemäß noch einige Jahre länger. Denn das Chemiestudium gehört wohl zu den Studiengängen mit der längsten Dauer bis zum Abschluss. Zwar sind auch hier Regelstudienzeiten von sechs Semestern für den Bachelor bzw. vier Semestern für den Master vorgesehen, doch die wenigsten schaffen es in dieser Zeit. Im Mittel dauert das Studium vom Beginn des Bachelors bis zum Masterabschluss zwölf Semester, also sechs Jahre.
Wie geht es nach dem Master weiter?
Üblicherweise ist mit dem Master aber noch nicht Schluss. Während er nahezu obligatorisch ist (99 % der Studenten machen nach dem Bachelor direkt mit dem Master weiter), stellt auch die Promotion in der Chemie weiterhin den Standard-Karriereweg dar. Immerhin 85 % der Masterabsolventen schließen eine Doktorarbeit an. Im langjährigen Mittel liegt der Anteil mit 90 % sogar noch höher, hat sich aber in den vergangenen Jahren offenbar auf rund 85 % eingependelt.
Wer auf die Promotion verzichtet, beginnt i. d. R. mit dem Berufseinstieg (11 %). Nur ein kleiner Anteil von rund 3 % gibt an, auf Jobsuche zu sein. Der Wert der „echten“ Stellensuchenden dürfte laut GDCh allerdings wie in jedem Jahr etwas geringer sein. Aufgrund des Stichtags der Erhebung am 31.12. werden Absolventen, die im Januar oder Februar ihre neue Stelle antreten, nämlich noch als stellensuchend erfasst.
Stand: 08.12.2025
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Wohin geht es nach der Promotion?
Wer die im Schnitt vier Jahre dauernde Promotion dann geschafft hat, findet sich vor der Frage: Wohin nun? Für den Großteil der ehemaligen Doktoranden ist die Antwort klar: Etwa die Hälfte der Promotionsabsolventen geht in die Wirtschaft. Der zweitgrößte Teil schließt einen befristeten Postdoc-Vertrag an (21 %), um z. B. die Forschung aus der Doktorarbeit weiter zu führen, oder geht zunächst ins Ausland (13 %). Eine unbefristete Forschungsstelle an einer Hochschule oder einem Forschungsinstitut haben lediglich 4 % der Absolventen – es bleiben langfristig also nur wenige Absolventen länger der Forschung erhalten. Schlechtere Bezahlung im Vergleich zur Wirtschaft mag hier ein Grund sein, sicher aber auch die immer noch übliche Praxis im Universitätssektor, Stellen nur befristet auszuschreiben, Stichwort #ichbinhanna.
Positiv hervorzuheben ist der gesunkene Anteil an Stellensuchenden: Waren es in der Umfrage für 2020 noch 10 %, geben im aktuellen Berichtsjahr nur noch 7 % der Promovierten an, auf Jobsuche zu sein. Damit nähert sich der Anteil der allgemeinen Arbeitslosenquote in Deutschland von 5,7 %
Wie gut ist meine Abschlussnote im Vergleich zu anderen Chemiestudenten?
Dass sich die Studierenden im Laufe des Chemiestudiums verbessern, deuten die Noten der verschiedenen Abschlüsse an. So werden Bachelorarbeiten noch überwiegend mit „gut“ bewertet und die Bewertung „mit Auszeichnung“ ist eine seltene Ausnahme. Masterarbeiten in der Chemie erhalten schon eher die Note „sehr gut“ oder besser. Und bei der Promotion schließen sogar 20 % „mit Auszeichnung“ ab, während nur noch 9 % mit „gut“ ihr Studium endgültig abschließen.
Allerdings schwanken die Benotungen abhängig von der Universität z. T. erheblich. So ist beispielsweise die LMU München eine der Universitäten mit den besten Promovierenden – oder den wohlwollendsten Prüfern: Fast die Hälfte der Promotionen erhielt dort 2021 die Bewertung „mit Auszeichnung“, 52 % wurden mit „sehr gut“ und nur 4 % mit „gut“ bewertet.
Im Gegensatz dazu erhielten an der Universität Duisburg-Essen nur 19 % der Absolventen eine Promotion „mit Auszeichnung“, 67 % „sehr gut“ und 15 % „gut“. Ob diese unterschiedlichen Ergebnisse auf die Leistung der Studierenden oder auf die Strenge der Bewertung zurückzuführen ist, lässt sich aus den Daten allerdings nicht schließen.