Das Chemiestudium in Zahlen: Warum gibt es gerade weniger Studienanfänger? Wie lange dauert ein Studium tatsächlich? Und was sind die Wege nach dem erfolgreichen Abschluss? Die aktuelle GDCh-Statistik hat alle Antworten parat.
Die GDCh bringt jährlich eine Statistik zum Chemiestudium heraus. Dieser Beitrag fasst die wichtigsten Kennzahlen grafisch zusammen (Symbolbild).
Ein Tiefpunkt für das Studienfach Chemie? Im Jahr 2025 begannen „nur“ 7.788 Personen ein Chemiestudium. In Ohren derer, die Chemie schon in der Schule nicht ausstehen konnten, klingt das vielleicht nach unglaublich vielen Studienanfängern. Tatsächlich ist es aber ein merklicher Rückgang von 2,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (2024: 8.004 Studienanfänger) und das erste Mal seit 2003, dass die Marke von 8.000 Studienanfängern unterschritten ist.
Diese Zahl umfasst Neueinschreibungen in die Studiengänge Chemie/Wirtschaftschemie mit dem größten Teil an Anfängern (5.041) sowie Biochemie und Life Sciences (1.540), Hochschulen für Angewandte Wissenschaften/HAW (924) und Lebensmittelchemie/LM-Chemie (283).
Im Folgenden werfen wir einen detaillierten Blick auf die Ergebnisse der aktuellen Statistik der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) für das Jahr 2025. Dabei werden wir uns allerdings auf den Bereich der reinen Chemie/Wirtschaftschemie-Studiengänge konzentrieren. Die Ergebnisse zu den Bereichen Biochemie, Lebensmittelchemie und HAW sind auf der GDCh-Webseite einzusehen.
Insgesamt starteten 2025 deutschlandweit 5.041 Studienanfänger im Bereich Chemie/Wirtschaftschemie, rund 2,5 Prozent weniger als im Vorjahr. Dies könnte man leicht mit der aktuell schwierigen Situation auf dem Arbeitsmarkt in Verbindung bringen (mehr dazu weiter unten im Abschnitt „Mit Doktortitel, ohne Arbeitsplatz“). Doch in diesem Fall ist der Rückgang vor allem demografisch bedingt, wie die GDCh mitteilt: Laut Statistischem Bundesamt und Bayerischem Landesamt für Statistik sei die Zahl der Studienberechtigten 2025 deutlich gesunken, weil in Bayern durch die Umstellung von G8 auf G9 ein nahezu „leerer“ Abiturjahrgang entstand. Dadurch habe es in Bayern fast 50 Prozent weniger Studienberechtigte gegeben, was sich in der Gesamtzahl der neuen Chemiestudenten in Deutschland niederschlägt.
Auch wenn der derzeitige Rückgang an neuen Chemiestudenten als unabhängig vom Arbeitsmarkt eingeordnet wird, könnte sich die angespannte Situation in den folgenden Jahren auf die Erstsemester-Zahlen auswirken. Historisch hatte ein schwieriger Arbeitsmarkt, etwa in der ersten Hälfte der 1990er-Jahre, sinkende Studienanfängerzahlen zur Folge. Dies gilt es in den kommenden Erhebungen zu verfolgen.
Studierendenzahlen aktuell
Die Gesamtzahl an Chemiestudierenden (also alle eingeschriebenen Bachelor-, Master- und Promotionsstudierenden zusammen) ist zum fünften Jahr in Folge gesunken, auf nun 31.040 Immatrikulierte. Allein im Bachelor Chemie/Wirtschaftschemie waren 2025 über 14.000 Studierende eingeschrieben.
Der größte Teil der Bachelorstudenten befindet sich in Semester 5 oder höher (s. Grafik unten). Intuitiv würde man wohl die meisten Studenten in den Semestern 1+2 erwarten, da gerade zu Beginn die Abbruchquote besonders hoch ist und weniger Studierende in den höheren Semestern „übrig bleiben“ müssten. Doch viele der Eingeschrieben benötigen insgesamt länger als die sechs Regelsemester für den Bachelor, weshalb der Teil „Semester 5 oder höher“ in der Grafik unten entsprechend groß ist. Die zu erwartenden Studiendauern werden später im Beitrag diskutiert.
Was an den Studierendenzahlen der ersten beiden Semester deutlich wird, ist der Trend zu mehr weiblichen Chemiestudenten. Klassisch ist das Chemiestudium noch immer eher männlich geprägt, wie die Verteilung der „älteren Semester“ in der Grafik oben zeigt. Über alle Bachelorstudierenden hinweg beträgt der Frauenanteil im Jahr 2025 immerhin 45,4 Prozent, rund ein Prozent höher als im Vorjahr. Zum zweiten Mal sind in der GDCh-Auswertung auch diverse Studierende erfasst.
Immer internationaler: Höchster Ausländeranteil unter Promovierenden
Laut Auswertung der GDCh ist ein bemerkenswerter Trend bei der Zahl der internationalen Studierenden zu erkennen. Während früher ausländische Studierende vorwiegend nur für ihre Promotion nach Deutschland kamen, entscheiden sie sich heute vermehrt dafür, bereits ihren Bachelor- oder Masterabschluss hierzulande zu erwerben: 28 Prozent der Bacherlorabschlüsse in Chemie und 22 Prozent der Masterabsolventen stammen aus dem Ausland. Bei den erfolgreich Promovierten waren es sogar 28 Prozent – mit insgesamt 500 Abschlüssen so viele wie noch nie. Der internationale Anteil unter den aktuell Promovierenden hat sich seit dem Jahr 2000 von 13 auf 30 Prozent mehr als verdoppelt.
Stand: 08.12.2025
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Im langfristigen Mittel pendele sich der Anteil ausländischer Doktoranden und damit auch der Anteil der abgelegten Promotionen bei rund 20 % ein, heißt es in einer Pressemeldung der GDCh.
Studiendauer: fast 11 Jahre bis zur Promotion
Es ist eine bekannte Floskel: das Klischee des „ewigen Studenten“. Auch so manches Chemiestudium erstreckt sich mittlerweile gefühlt ewig – auch wenn es wohl weniger daran liegt, dass sich die Studenten eine entspannte Zeit an der Uni gönnen wollen, wie es noch in den 1960er und 70er Jahren verbreitet war.
Tatsächlich steigt die Zeit für ein vollständiges Chemiestudium bis zur Promotion seit 2014 ununterbrochen an. Die Studiendauer bewegt sich mittlerweile im Median bei 7 Semestern für Bachelorabschlüsse und 5,6 Semestern für Masterabschlüsse. Zur Erinnerung, laut Regelstudienzeit sind für den Bachelor 6 und für den Master 4 Semester vorgesehen. Eine Promotion beläuft sich auf 8,7 Semester im Median.
Vom Beginn des Chemiestudiums bis zur abgeschlossenen Promotion verbringen Studierende somit 21,4 Semester an der Uni, also rund 10,5 Jahre. Das Studium dauert heute gut ein Jahr länger als noch 2015 – und der Trend der Studiendauer scheint ungebrochen weiter nach oben zu gehen.
Schwundquote: über die Hälfte geht im Bachelor verloren
Naturwissenschaftliche Studienengänge sind dafür bekannt, dass sie hohe Abbruchzahlen aufweisen. So verzeichnet auch der Studiengang Chemie eine hohe Schwundquote im Bachelor: Es gibt deutlich weniger Abschlüsse, als anhand der Erstsemesterzahlen drei Jahre zuvor zu erwarten wäre. Über die vergangenen Jahre hat sich dieser Wert weitgehend eingependelt und lag im Mittel (2011 bis 2025) bei rund 62 Prozent mit einem Höchstwert von 72 Prozent im Jahr 2020 (was sich wohl als Corona-Ausreißer deuten lässt, da in diesem Jahr viele Prüfungen und Abschlüsse aufgeschoben wurden) und einem Tiefstwert von 56 Prozent im Jahr 2015.
Für das aktuelle Berichtsjahr 2025 beträgt die errechnete Schwundquote im Bachelor Chemie 60 Prozent. Das bedeutet, dass lediglich 40 Prozent der Studienanfänger bis zum Bachelorabschluss dabei bleiben.
Dieser hohe Anteil an Studienabbrechern ist laut GDCh schon zu Zeiten der Diplomstudiengänge in ähnlicher Ausprägung vorgekommen und kein Phänomen durch die Bologna-Reform (Umstellung auf Bachelor- und Master-Studiengänge im Jahr 2002).
Bologna-Reform und das Auslaufen des Diplomstudiums
Die Bachelorabschlüsse haben sich seit 2016 Jahren auf ein einigermaßen konstantes Niveau eingependelt. Davor waren die Zahlen über viele Jahre gestiegen, da erst seit 2002 die Bachelor- und Masterstudiengänge mit der Bologna-Reform eingeführt worden sind. Noch lange danach waren vereinzelt Diplomstudenten an den Universitäten „unterwegs“. So wurden 2020 noch vier Vordiplom- und neun Diplomabsolventen gemeldet. Ein Grund für die Studienreform war seinerzeit, den Studierenden mit dem Bachelor einen anerkannten Zwischenabschluss und damit einen schnelleren Start in das Berufsleben zu ermöglichen. Zumindest im Bereich Chemie hat dies aber nicht den gewünschten Erfolg gebracht, da hier nahezu alle Bachelorabsolventen direkt den Master anschließen.
Abschlüsse, die keine sind? Bachelor und Master oft nur Zwischenziele
Es ist ein ungeschriebenes Gesetz in der Chemie: Nach dem Bachelor folgt der Master. 97,8 Prozent der 1.127 Bachelorabsolventen 2025 blieben an der Uni eingeschrieben und schlossen ein Masterstudium an. Nur 2,2 Prozent der Studierenden starteten direkt nach dem Bachelor ins Berufsleben.
Auch auf der nächsthöheren Stufe sieht es ähnlich aus: 78 Prozent der 2.033 Masterabsolventen im Jahr 2025 schlossen direkt eine Promotion an. Der Weg in den Beruf wird hier immerhin schon von 14,5 Prozent der Absolventen eingeschlagen. 5,8 Prozent der erfassten Masterabsolventen sind stellensuchend – ein leichter Anstieg zum Vorjahr, wo es noch 4 Prozent waren.
Mit Doktortitel, ohne Arbeitsplatz
Der Großteil der Studierenden, die nicht vor dem Bachelorabschluss das Handtuch werfen, bleibt bis zum Doktortitel am Ball – bzw. an der Laborbank. Im Jahr 2025 schlossen schließlich 1.799 Doktoranden ihr Chemiestudium (endgültig) ab und haben erfolgreich die Promotion bestanden. (Wie erfolgreich die Promotionen waren, dazu weiter unten mehr beim Thema Benotung.) Was ist nun der nächste Schritt nach den typischerweise zehn bis elf Jahren Studium?
Die meisten Promovierten finden einen Job in der chemischen Industrie oder der übrigen Wirtschaft. Allerdings zeigt sich beim Berufseinstieg für promovierte Chemiker in Deutschland 2025 ein Rückgang. Während 2024 noch 54 Prozent und 2023 sogar 57 Prozent den Weg in die pharmazeutische Industrie oder übrige Wirtschaft einschlugen, beläuft sich der Anteil für 2025 nur noch auf rund 48 Prozent.
Zudem ist der Anteil an stellensuchenden Promovierten in den vergangenen Jahren merklich gestiegen ist, von 5,4 Prozent im Jahr 2022 auf nun 10,4 Prozent im Jahr 2025 – fast verdoppelt in nur drei Jahren. „Der Berufseinstieg in der Chemie war über viele Jahre verlässlich. Die aktuellen Zahlen deuten auf eine mögliche Eintrübung hin, die wir aufmerksam beobachten“, sagt GDCh-Geschäftsführer Dr. Tom Kinzel. „Sie dürfte auch die angespannte Lage der chemischen Industrie am Standort Deutschland widerspiegeln.“
Einzuordnen seien die Werte allerdings mit Vorsicht, da in der aktuellen Erhebung die Rückmeldequote nochmals geringer war als in den früheren Umfragen: nur noch 39 Prozent der Promotionsabsolventen machten Angaben zu ihrem beruflichen Verbleib. Die Aussagekraft sei dementsprechend begrenzt; die Zahlen zeigten nur eine Tendenz, keinen gesicherten Befund. „Ob es sich um eine vorübergehende Schwankung oder eine längerfristige Entwicklung handelt, werden erst die kommenden Jahre zeigen“, betont Kinzel.
Abschlussnoten in der Übersicht
Zum Ende blicken wir noch auf das, was wohl oft mehr für das eigene Ego eine Rolle spielt als für den künftigen Arbeitsplatz: die Benotung. Abschlussnoten im Chemiestudium werden besser, je höher der Abschluss ist. So werden Bachelorarbeiten noch überwiegend mit „gut“ bewertet wohingegen die Note „mit Auszeichnung“ eine seltene Ausnahme ist. Bei Masterarbeiten sind die Noten „gut“ und „sehr gut“ schon etwa gleich häufig vertreten, und jede zehnte Masterarbeit wird „mit Auszeichnung“ abgeschlossen. Bei der Promotion schließen sogar 19 Prozent „mit Auszeichnung“ ab, während nur noch 12 Prozent mit „gut“ ihr Studium endgültig beenden. Dieser Trend zeigt, dass sich die Absolventen mit jedem Abschluss besser mit ihrem Thema auskennen und sich mehr dafür einbringen.
Die Unis mit den besten Promotionsnoten
Bleibt noch eine Frage zu beantworten: Welche Uni hat die besten Promotionen hervorgebracht? Ein näherer Blick auf die Benotungen der Abschlüsse zeigt, dass es erhebliche Unterschiede zwischen den Universitäten gibt. Wir haben die Unis mit mindestens 40 abgeschlossenen Promotionen im Jahr 2025 verglichen und die Notenspiegel in der Grafik unten dargestellt.
Die besten Abschlüsse wurden in dieser Auswahl an der LMU München erzielt. Hier erhielten 38 Prozent der Promovierenden den Abschluss „mit Auszeichnung“. Ebenfalls „ausgezeichnete“ Promotionsbenotungen gab es an der Uni Hannover, der TU München sowie an der Uni Gießen mit 29, 28 und 27 Prozent der Abschlüsse.
Den kleinsten Anteil an Promotionen „mit Auszeichnung“ gab es bei den betrachteten Universitäten in Darmstadt: hier erhielten nur 3 von 44 Arbeiten die Bestnote (rund 7 Prozent).
Allzuviel sollte man von diesen Werten allerdings nicht ableiten. Denn der Vergleich zu den Erhebungen der Vorjahre zeigt, dass die Ergebnisse rapide schwanken. So hatte die TU München im Vorjahr mit 36 Prozent „ausgezeichneten“ Promotionen den ersten Platz belegt, während die LMU mit 33 Prozent ausgezeichneten Promotionen auf Platz drei lag. Der diesjährige zweite Platz, die Uni Hannover, war im Ranking 2024 sogar nur auf Platz 11 (mit lediglich 15 Prozent der Promotionen „mit Auszeichnung“)
Am Ende ist jede Promotion ein Zeichen größten Einsatzes für das eigene Fachgebiet und ein Beleg für die Fähigkeit zu eigenständigem, wissenschaftlichem Arbeiten.
Methodisches Vorgehen
Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 28.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie befasst sich u.a. mit aktuellen Entwicklungen an Hochschulen und am Arbeitsmarkt. Seit 1952 erhebt die GDCh jährlich umfangreiche statistische Daten zu den Chemiestudiengängen. Die Statistik vom Jahr 2025 basiert auf den Daten der Studiengänge der Chemie und Wirtschaftschemie, Biochemie und Life Science, Lebensmittelchemie sowie der Chemiestudiengänge der Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW), ehemals Fachhochschulen. Abgefragt wurden die Anfänger- und Studierendenzahlen, die Zahl der bestandenen Abschlussprüfungen sowie die jeweiligen Abschlussnoten und Studiendauer. Zusätzlich machten einige Hochschulen Angaben zum Berufseinstieg ihrer Absolventen nach Studienabschluss oder Promotion. Stichtag der Erhebung ist der 31. Dezember.