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Mehrere Spuren lösen den Fall
In Fernsehkrimis bringt oft die eine, entscheidende Spur den Fall zur Aufklärung. Auch das entspricht nicht den Tatsachen im Berufsalltag von Mark Benecke: „Ich versuche schon meinen Studenten zu vermitteln, dass es in der Forensik eben nicht diese CSI-Magie gibt, wo am Ende ein Untersuchungsgerät ein Ergebnis ausspuckt, das dann den Fall löst“, erzählt der Kriminalbiologe.
„Wir arbeiten teilweise mit solch geringen Spurenmengen, dass sie an der Grenze dessen sind, was man selbst mit dem Mikroskop sehen kann. Ich war in Fällen von mutmaßlichen Sexualdelikten tätig, wo ich keine Spermien sehen konnte, auf dem Ausstrich war aber genügend Material für eine DNA-Analyse vorhanden. Ein weiteres Beispiel ist der Todesfall einer Frau, in dem Benecke die Rekonstruktion der Blutspuren durchführte. Die Dame war nach einem Streit mit ihrem Partner eine Runde um den Block gelaufen und lag anschließend erschlagen vor der Haustür.
„Ob in dem Fall der Partner oder ein Fremder der Täter war, konnte ich nicht beurteilen. Ich habe dem Gericht lediglich dargelegt, in welchem Muster und in welche Richtung das Blut gespritzt ist“, erläutert Benecke. „Die weiteren Schlüsse musste dann der Richter ziehen.“
Verbrechensrate rückläufig
Der Kriminalbiologe beschäftigt sich neben den wissenschaftlichen Untersuchungen auch mit den psychologischen Hintergründen von Verbrechen. Die Benutzung von Kategorien wie „das Böse“ lehnt er strikt ab. „Das Böse konstruieren sich die Menschen selbst“, erklärt Benecke. „Wenn sich alle Leute vernünftig benehmen würden, also einfach mal miteinander reden, würde das schon viel ändern. Im Prinzip ist die Verbrechensrate in Deutschland rückläufig, das ist den meisten gar nicht bewusst.“
Ein anderes Thema seien Psychopathen wie der norwegische Attentäter Anders Behring Breivik, der bei seinem Amoklauf 77 Opfern das Leben nahm, sagt der Kriminalwissenschaftler. „Solche Menschen werden immer Verbrechen begehen. Aus Spurensicht sind Fälle wie dieser aber langweilig. Hier sind die Taten so offensichtlich, dass die Spuren völlig egal sind.“
* *J. Wiesner: Leica Microsystems, 35578 Wetzlar
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