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Ressourcenschutz und Nachhaltigkeit Forschung rettet Plastikmüll aus medizinischen Laboren

Quelle: Pressemitteilung DBU 3 min Lesedauer

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Recycling im medizinischen Labor? Das geht! Ein Forschungsprojekt hat gezeigt, dass sich Kunststoffabfälle aus medizinischen Laboren dekontaminieren und direkt zu neuen Petrischalen verarbeiten lassen. Über 40 Zyklen hinweg waren die recycelten Materialien hygienisch unbedenklich und zeigten keine Zytotoxizität.

Der Gesundheitssektor verursacht allein in Deutschland pro Jahr fast fünf Millionen Tonnen Abfall, darunter laut Schätzungen 25 Prozent Kunststoffmüll. Aus diesem Müll hygienisch unbedenkliches Rezyklat herzustellen ist das Ziel eines von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt geförderten Projekts des Schweriner Prüflabors Hyg Cen.(Bild:  Yehor Milohrodskyi)
Der Gesundheitssektor verursacht allein in Deutschland pro Jahr fast fünf Millionen Tonnen Abfall, darunter laut Schätzungen 25 Prozent Kunststoffmüll. Aus diesem Müll hygienisch unbedenkliches Rezyklat herzustellen ist das Ziel eines von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt geförderten Projekts des Schweriner Prüflabors Hyg Cen.
(Bild: Yehor Milohrodskyi)

Mehr Klima-, Umwelt- und Ressourcenschutz im Einsatz gegen den menschengemachten Klimawandel. Diese Motivation steht bei der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) im Vordergrund, wenn es um die Förderung neuer Projekte geht. Ein solches Projekt aus Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern hat die DBU mit rund 338.000 Euro unterstützt. Darin geht es um den besseren Erhalt von Rohstoffen im Gesundheitssektor. Das beteiligte Konsortium will Kreislaufwirtschaft im medizinischen Labor erreichen – damit aus bisherigem Abfall hygienisch unbedenkliches Rezyklat wird, also recycelter Kunststoff.

Zum Konsortium gehören aus Mecklenburg-Vorpommern das Schweriner Prüflabor Hyg Cen GmbH zur Qualitätssicherung für Medizinprodukte und Desinfektion sowie das Wismarer Institut für Polymer- und Produktionstechnologien, außerdem aus Sachsen der Chemnitzer Betrieb für Sondermaschinen- und Anlagenbau, die Ermafa Environmental Technologies GmbH. „Der Mittelstand bringt mit geballter Expertise und Hightech-Forschung Klima- und Ressourcenschutz voran“, sagt DBU-Generalsekretär Alexander Bonde. Das „Zusammenspiel von Wirtschaft und Wissenschaft“ sei vorbildlich.

Wiederverwertung von wertvollem Rohstoff durch Kreislaufwirtschaft

Projektleiterin und Diplom-Umweltwissenschaftlerin Johanna Köhnlein, bei Hyg Cen wissenschaftliche Koordinatorin für Forschung und Entwicklung, definiert den Kern des Projekts so: „Wir haben untersucht, ob sich hochwertige Kunststoffabfälle aus medizinischen Laboren sicher dekontaminieren und möglichst hochwertig in den Kreislauf zurückführen lassen.“

Die Herausforderung: Es geht um infektiöse Kunststoffabfälle, die vor allem in medizinischen und mikrobiologischen Laboren sowie anderen Gesundheitseinrichtungen vorkommen – und bislang üblicherweise nach einer so genannten Inaktivierung größtenteils thermisch entsorgt werden. Damit wird wertvoller, meistens erdölbasierter Rohstoff unwiederbringlich vernichtet, obwohl er durch Kreislaufwirtschaft wiederzuverwerten ist und dadurch Ressourcen und Energie eingespart werden können.

Stofflichen Wiederverwertung ist umsetzbar

Das DBU-geförderte Projekt hat nun die Umsetzbarkeit eines Recyclingansatzes für Kunststoffabfall aus dem medizinischen Labor belegt. „Ziel war es, die sortenreinen Kunststoffe wegen ihrer hohen Ausgangsqualität im Idealfall vollständig oder anteilig wieder für gleichwertige Produkte einzusetzen – idealerweise von der Petrischale zur Petrischale“, erläutert Köhnlein.

Kreislaufwirtschaft im Gesundheitssektor: Aus Kunststoffabfall entsteht Rezyklat (Bild). Ein Forschungsprojekt hat dieses auf chemische und physikalische Eigenschaften analysiert und so Qualität und Potenzial für die stoffliche Wiederverwertung untersucht.(Bild:  Nico Laufer)
Kreislaufwirtschaft im Gesundheitssektor: Aus Kunststoffabfall entsteht Rezyklat (Bild). Ein Forschungsprojekt hat dieses auf chemische und physikalische Eigenschaften analysiert und so Qualität und Potenzial für die stoffliche Wiederverwertung untersucht.
(Bild: Nico Laufer)

Einen wichtigen Beitrag leistete in dem Zusammenhang die Firma Ermafa aus Chemnitz: Dort wurden die Kunststoffabfälle vor der Dekontamination in einer Autoklavenkammer zerkleinert.

Im Zuge des Projekts seien laut Köhnlein „zerkleinerte und dekontaminierte Polystyrol-Abfälle aus unserem Labor“ von einem Spritzgussunternehmen zu neuen Petrischalen verarbeitet worden, die „vollständig aus dem aufbereiteten Material“ bestanden. Dabei sind der Umweltwissenschaftlerin zufolge die rezyklierten Petrischalen „mikrobiologisch unauffällig“ gewesen und „zeigten kein zytotoxisches Potenzial“, wirken also nicht zellschädigend. Hinzu komme, dass das Dekontaminationsverfahren sich unter den geprüften Bedingungen als wirksam erwiesen hat. „In mehr als 40 untersuchten Zyklen waren die eingesetzten Prüfkeime auf den behandelten Kunststoffen nicht mehr nachweisbar“, sagt Köhnlein.

Das Resümee der Forschungsleiterin: Das Projekt, dessen Laufzeit in wenigen Wochen endet, hat die Machbarkeit einer stofflichen Wiederverwertung nachgewiesen – immer unter der absoluten Prämisse, dass die recycelten Produkte höchsten hygienischen Anforderungen genügen.

Recycelt und trotzdem hygienisch sicher?

Laut Köhnlein „gehören hygienische Sicherheit und Ressourcenschonung zusammen“. Recycling- und Produktionsprozess seien zusätzlich mit Bioindikatoren sowie einer unabhängigen Temperaturüberwachung kontrolliert worden. „Unter klar definierten und überwachten Bedingungen lassen sich hohe hygienische Anforderungen und eine hochwertige Kreislaufführung miteinander verbinden“, sagt die Expertin. Voraussetzung sei, „dass für den jeweiligen Verwendungszweck alle erforderlichen hygienischen und materialbezogenen Nachweise vorliegen“.

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Die zuständige DBU-Fachreferentin Dr. Melanie Kröger hob hervor, das Projekt habe auch deswegen hohe Relevanz, „weil der Gesundheitssektor zu den größten Müllproduzenten Deutschlands und weltweit zählt“. Das Projektteam habe „innovative Lösungen entwickelt, die Patientensicherheit und Ressourcenschutz vereinen“. DBU-Generalsekretär Bonde betonte die Bedeutung einer umfassenden Kreislaufwirtschaft vom Produktdesign über Müllvermeidung bis hin zum Wiederverwerten, Reparieren und Recyceln: „Circular Economy zahlt auf Ökologie und Ökonomie ein. Das lineare Geschäftsmuster ‚take-make-waste‘, also Abbau, Nutzung und Abfall von Rohstoffen, ist ein Auslaufmodell. Die Zukunft ist zirkulär.“

Fünftgrößter Müllproduzent im Sektorenvergleich

Das Konsortium-Projekt läuft unter dem Dach der DBU-Förderinitiative „CirculAid“ – mit derzeit sieben Projekten im Umfang von rund 1,7 Millionen Euro und für mehr Kreislaufwirtschaft im Gesundheitswesen. Ein Blick in die Statistik zeigt, wie notwendig das ist: Laut Fraunhofer-Institut ISI und Umweltbundesamt (UBA) verbraucht der Sektor allein in Deutschland jedes Jahr mehr als 100 Millionen Tonnen an Rohstoffen, der bundesweit vierte Platz im Sektorenvergleich beim Rohstoffkonsum. Und: Erhebungen zufolge verursachen hierzulande allein Krankenhäuser pro Jahr fast fünf Millionen Tonnen Abfall und sind fünftgrößter Müllproduzent – von Kitteln über Kehlkopfspiegel bis zu Kunststoff. Eine Ursache: Einweg- statt Mehrfachnutzung.