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Chemische Forschung

Forschungsaufwendungen steigen auf Rekordwert

08.08.2008 | Redakteur: Marc Platthaus

„Forschung ist die Umwandlung von Geld in Wissen, Innovation ist die Umwandlung von Wissen in Geld.“ Dr. Alfred Oberholz, Vorsitzender des Ausschusses Forschung, Wissenschaft und Bildung im VCI und Mitglied des Vorstandes bei Evonik Industries.
„Forschung ist die Umwandlung von Geld in Wissen, Innovation ist die Umwandlung von Wissen in Geld.“ Dr. Alfred Oberholz, Vorsitzender des Ausschusses Forschung, Wissenschaft und Bildung im VCI und Mitglied des Vorstandes bei Evonik Industries.

Mit den bisher höchsten Investitionen in Forschung und Entwicklung (FuE) rechnet die deutsche chemische Industrie für 2008: Die Branche wird in diesem Jahr etwa 9,68 Milliarden Euro hierfür aufwenden. Dies sagte Dr. Alfred Oberholz, Vorsitzender des Ausschusses Forschung, Wissenschaft und Bildung im VCI, am 6. August anlässlich einer Pressekonferenz in Frankfurt.

Frankfurt a.M. – Die gute Konjunktur der chemischen Industrie der letzten Jahre macht sich in dauerhaft hohen Forschungsaufwendungen positiv bemerkbar. Seit 1995 haben sich die Ausgaben der Chemie für Forschung und Entwicklung um durchschnittlich knapp fünf Prozent jährlich erhöht. Auch im internationalen Vergleich schneidet Deutschlands Chemieindustrie gut ab. In kaum einem anderen Land investiert die Chemie vergleichbar hohe Summen in die unternehmensinterne Forschung. Nach den USA und Japan belegt Deutschland im Ländervergleich den dritten Platz. Und Dr. Gerd Romanowski, Leiter Wissenschaft, Technik und Umwelt im VCI, hob die Internationalität der chemischen Unternehmen in Deutschland hervor: „Neben den zehn Milliarden Euro in Deutschland investieren die deutschen Chemieunternehmen nochmals zusätzlich etwa fünf Milliarden Euro in FuE-Entwicklung in Auslandsprojekten.“

„Die positive Entwicklung wirkte sich auch auf die Beschäftigung aus“, so Oberholz. Die Zahl der Forscher ist erstmals seit Jahren wieder deutlich gestiegen. Arbeiteten 2005 noch etwa 39 800 Beschäftigte in den Laboren, waren es ein Jahr später 41 400. Somit befand sich etwa jeder zehnte Chemiearbeitsplatz in einer Forschungs- und Entwicklungsabteilung. Fast jede zweite Stelle, die in FuE in deutschen Unternehmen geschaffen wurde, entstand zuletzt in einem deutschen Chemieunternehmen. Doch Oberholz sieht noch weiteren Bedarf, vor allem Chemieingenieure werden von den Unternehmen derzeit gesucht. „Chemiker sind derzeit genug auf dem Markt, auch dank unserer intensiven Förderung von Chemieunterricht und Chemiestudium in den letzten Jahren. Ingenieure für Chemieberufe fehlen aber im Moment“, kommentiert Oberholz die Arbeitsplatzsituation.

Chemische Forschung als Schlüssel zur Energieproblematik

Nach den Worten von Oberholz ist chemische Forschung der Schlüssel, um Ressourcen und Energie zu sparen, das Klima zu schützen und gleichzeitig die Lebensqualität der Menschen zu verbessern. Ohne Entwicklungen aus der Chemie ist das Erzeugen und Bereitstellen von Energie für Haushalt, Gewerbe und Industrie, für Transport und Verkehr undenkbar. Der hohe Ölpreis macht Innovationen aus der Chemie noch notwendiger. Hier betonte Oberholz nochmals den Unterschied zwischen Forschung und Innovation: „Forschung ist die Umwandlung von Geld in Wissen, Innovation ist die Umwandlung von Wissen in Geld.“ So können neuartige Antriebe in der Automobilindustrie nur mithilfe neuer Materialien durchgeführt werden.

Steuerliche Vergünstigungen sollen chemische Forschung fördern

Doch chemische Forschung muss aus Sicht des VCI steuerlich begünstigt werden, wie es bereits in vielen anderen europäischen Ländern praktiziert wird. Oberholz stellte dazu das Zehn-Prozent-Modell des VCI zur steuerlichen Forschungsförderung vor. Dies sei notwendig, damit die Branche ihre Innovationsstärke noch weiter ausbauen und so ihre Wettbewerbsfähigkeit erhöhen könne. So sollen die Unternehmen zusätzlich zu den als Betriebsausgaben steuerlich geltend gemachten FuE-Aufwendungen weitere zehn Prozent ihrer Forschungsausgaben von der Steuerschuld abziehen können – unabhängig davon, ob Forschung im eigenen Unternehmen oder im Auftrag bei Dritten ausgeführt wird. Bei Verlusten sollen die Finanzbehörden eine Steuergutschrift auszahlen. Das Modell habe den Vorteil, dass die Steuerschuld sinke und das Unternehmen entlastet werde. „Das macht unsere Unternehmen wettbewerbsfähiger, sichert technischen Fortschritt und Arbeitsplätze am Standort Deutschland“, betonte Oberholz.

Darüber hinaus forderte Oberholz von der Politik mehr Investitionen in die Bildung, um das Bildungsniveau in Deutschland zu verbessern. Er kritisierte, dass Deutschland bezogen auf das Bruttoinlandsprodukt 13 Milliarden Euro weniger für Bildung ausgebe als noch 1995. Hier müsse man dringend aufholen. Gleichzeitig verwies er darauf, dass die deutsche chemische Industrie seit 2001 rund 13,6 Millionen Euro über ihre „Schulpartnerschaft Chemie“ in den Schulunterricht investiert habe – beispielsweise für Informationsmaterialien, Partnerschaften zwischen Schulen und Universitäten sowie Stipendien für Lehramtsstudenten. „Mit dieser Initiative des Fonds der Chemischen Industrie wollen wir vor allem den experimentellen Chemieunterricht fördern und Begeisterung bei den Schülern für diese Naturwissenschaft wecken“, so Oberholz.

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