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Im fünften und letzten Teil des Interviews weißt Dr. Hans-Albert Beul darauf hin, dass die Gefahrstofflösung nur so gut sein kann wie die Datenbasis die ihr zugrunde liegt.
PROCESS: Sie liefern ja auch den sogenannten „Content“, also Daten für Stoffe, wo bekommen Sie die Daten her?
Beul: Einen Teil der Daten entnehmen wir öffentlichen bzw. öffentlich zugänglichen Quellen, wie der Anhang VI der CLP-Verordnung (auch EU-GHS-Verordnung genannt), in dem ca. 4.500 Stoffe aufgeführt sind, daneben haben wir den Code of Practice der EFFA (European Flavour & Fragrances Association) mit ca. 1.600 organischen Grundstoffen sowie vielen weiteren Einträgen für Extrakte und Destillate pflanzlicher Herkunft hinzugenommen. Weitere Daten wie die Arbeitsplatzgrenzwerte für diverse Regionen sammeln wir aus unterschiedlichen Quellen. Die Daten werden jeweils in internen Datenbanken der Prosisoft gepflegt. Exportprogramme dienen dazu, die Datenpakete kundenspezifisch zu erstellen und für den Import in die Kundensysteme aufzubereiten. Wir arbeiten auch mit Unternehmen zusammen, die ebenfalls Daten liefern können. Eines sage ich auch ganz offen: Wir können nicht alles, was an Daten existiert, vorrätig haben, können aber unseren Interessenten und Kunden zusichern, dass wir aufgrund unserer Kontakte alles beschaffen können. Ein Problem besteht allerdings auf europäischer Ebene darin, dass die Chemikalienbehörde ECHA dank REACH- und CLP-Verordnung fleißig Daten, die zumindest teilweise für die Öffentlichkeit bestimmt sind, sammelt, diese aber nicht in geeigneter Form (d.h. in Form von Tabellen) publiziert. Wir haben dies – wie andere Softwarehersteller auch – gegenüber Vertretern der ECHA schon angesprochen. Ich will nicht direkt sagen ‚Kein Echo von der ECHA‘, bislang gibt es aber noch keine konkreten Termine, zum Beispiel für das sogenannte C & L Inventory. In diesem Verzeichnis sollen die Kennzeichnungsdaten für alle in Europa gehandelten Grundstoffe veröffentlicht werden – die bei der Behörde im Prinzip schon seit Dezember 2010 lagern. Für nicht gelistete Grundstoffe beispielsweise, die jeder Kunden noch benötigt, ist es für die unsere Kunden einfacher an die Daten für ihre Stoffe heranzukommen, da der Lieferant diese eigentlich liefern und gegebenenfalls auf Nachfrage auch weitere Auskunft geben muss. Wir können aber unseren Kunden dabei helfen, Datenbestände, die außerhalb von NAV existieren, (zum Beispiel über Rohstoffe beziehungsweise Grundstoffe, die nicht Bestandteil offizieller Listen sind) schnell ins GSM zu übertragen.
PROCESS: Abschließend einige Fragen zu Ihrem Unternehmen: Wer ist Prosisoft?
Beul: Prosisoft wurde im Jahr 2004 von Gerhard Walter und mir gegründet. Wir hatten uns Anfang der 90er Jahr bei einer großen deutschen Unternehmensberatung kennengelernt. Unter anderem haben wir dort ein großes Projekt im Bereich Gefahrstoffmanagement zusammen vorangetrieben, und haben mit Adabas/Natural ein System für ein großes weltweit operierendes Unternehmen implementiert. Ich habe in einem anderen Unternehmen Ende der 90er Jahre ein Gefahrstoffmanagementsystem unter Microsoft Access entwickelt. Herr Walter und ich hatten immer wieder mal spontan Kontakt. Als Herr Walter, der als Berater bei einigen Unternehmen tätig war, Kontakt mit Microsoft Dynamics NAV bekam, prüften wir, inwieweit die Umsetzung unserer konzeptionellen Vorstellungen unter NAV möglich wäre. Nach Erstellung eines Realisierungskonzepts haben wir uns mit Tectura geeinigt, gemeinsam ein Modul für Microsoft Dynamics NAV zu entwickeln. In einem Kooperationsvertrag wurden die Modalitäten der Zusammenarbeit festgehalten. Prosisoft beschäftigt weitere sieben festangestellte Mitarbeiter, Chemiker und Informatiker, die einerseits für die inhaltlichen Fragen entsprechende Kompetenzen besitzen, zum anderen die Konzepte technisch umsetzen. Sehr großen Wert legen wir bei Prosisoft auf die Feststellung, dass wir uns bei der Entwicklung an den jeweiligen branchenspezifischen Geschäftsabläufen orientieren, da unser wichtigstes Ziel, die Unterstützung der Geschäftsprozessen, die vom Gefahrstoffmanagement betroffen sind, erreichen wollen.
PROCESS: Wie konkret unterstützen Sie ihre Kunden bei Anwendung ihrer Systeme?
Beul: Zu Beginn eines Projekts, eigentlich schon in der Akquise-Phase, versuchen wir möglichst viele der Anforderungen des Kunden abzuklären. Vom Standard abweichende Anforderungen werden in Anforderungsdokumentationen, dann in Spezifikationen festgehalten und nach Abstimmung mit dem Kunden umgesetzt. Installationen erfolgen i.d.R. sehr rasch immer in der Reihenfolge:
- Lieferung der Objekte (Merge wird meist von den Unternehmen selbst oder von einem Navision-Partner durchgeführt)
- Import der Datenstrukturen und Regelwerke (RIM-Import) durch uns
- Übernahme der Daten mittels Dataports durch uns
Die beiden letzten Aufgaben einschließlich der Konfiguration des Systems erfolgt in Absprache mit der DV des Kunden meist via Remotezugriff. Sowohl in der Anfangsphase, als auch im Folgenden sind wir eigentlich in ständigem Kontakt mit unseren Kunden. Das Thema Gefahrstoffmanagement ist ein sehr dynamisches. Ständige Gesetzesänderungen und -erweiterungen erfordern eine permanente daten- und softwareseitige Anpassung. Aufgrund der hohen Parametrisierung unseres Systems, kommen wir jedoch mit wenig Neuprogrammierung aus.
PROCESS: Durch die hohe Integration ihres Systems kommen Sie doch sicherlich auch mit zahlreichen Funktionen in anderen Bereichen in Berührung?
Beul: Ja, das ist so. Das hat auch dazu geführt, dass wir auch die Prozesse etwas abseits vom eigentlichen Gefahrstoffmanagement recht gut verstehen, zwar nicht gerade die Finanzbuchhaltung, aber alle die, die sich im Rahmen Produktion, Versand, Entwicklung bewegen. Bei aller Bescheidenheit erwähne ich gerne, dass auch die Entwicklungsmannschaften einiger unserer Kunden in regelmäßigem Kontakt zu unseren Entwicklern stehen und auch mal eines ihrer Probleme/ Anforderungen mit meinen Mitarbeitern besprechen. Lassen sie mich abschließend feststellen, dass unsere wichtigste Maxime ist:
- Intensiver und ständiger Kontakt zu unseren Kunden,
- damit wir frühzeitig neue Anforderungen erkennen,
- um rasch und nachhaltig die Kunden zu bedienen.
PROCESS: Vielen Dank für das Interview.
Mehr zum Thema Sicherheit und Microsft Dynamics NAV erfahren Sie in unserem Webinar „Anforderungen an Gefahrstoffmanagement einfach umsetzen“ oder auf unserem Themenkanal „Ex-Schutz/Sicherheit“.
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