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Marktübersicht Kolbenhubpipetten

Genau pipettieren und mehr

| Autor: Dr. Ilka Ottleben

Abb. 1 Wohl kaum ein anderes Gerät ist heute in Laboren so verbreitet wie die manuelle Kolbenhubpipette.
Abb. 1 Wohl kaum ein anderes Gerät ist heute in Laboren so verbreitet wie die manuelle Kolbenhubpipette. (Bild: Eppendorf)

Genauigkeit, Präzision und Reproduzierbarkeit sind beim Pipettieren alles entscheidend. Doch viele Anwender erwarten heute mehr von ihrer Pipette. Wir haben uns für Sie im Markt für Kolbenhubpiptten umgesehen und präsentieren Ihnen hier Trends und neue Entwicklungen.

Flüssigkeiten mit dem Mund – wahlweise einem Peleausball – und einer Glaspipette pipettieren? Was – vom Ansaugen mit dem Mund einmal abgesehen – in heutigen Laboren allenfalls noch für Flüssigkeitsmengen im Milliliter-Maßstab üblich ist, war noch vor rund 60 Jahren die einzige Möglichkeit, eine flüssige Probe einigermaßen exakt von A nach B zu transferieren. Die Erfindung der Kolbenhubpipette im Jahr 1957 durch Dr. Heinrich Schnitger glich aus Anwendersicht daher einem Segen und ebnete den Weg der Laborwelt aus dem Milliliter- hinein in den Mikrolitermaßstab. Unzählige Anwendungen der molekularbiologischen Forschung oder Labordiagnostik beispielsweise wären ohne diese Möglichkeit, kleinste Flüssigkeitsmengen schnell und exakt zu pipettieren, nicht denkbar gewesen.

Wohl kaum ein anderes Gerät ist daher heute in Laboren so verbreitet wie die manuelle Kolbenhubpipette. Genauigkeit und Präzision zählen dabei natürlich immer noch. Wobei die meisten heute am Markt verfügbaren Systeme in dieser Hinsicht technisch so ausgereift sind, dass hier eher Anwendungsfehler oder schwankende Umgebungsbedingungen im Labor limitierende Faktoren sind. Doch herrscht deswegen Stillstand am Markt für Kolbenhubpipetten? Keineswegs. Anwenderfreundlichkeit, Ergonomie oder Materialeigenschaften sind nur einige der Felder, auf denen sich Hersteller und Entwickler auch heute noch austoben können. Und nicht zuletzt macht natürlich auch die zunehmende Digitalisierung vor Pipetten nicht Halt.

Anwenderfreundlichkeit und Ergonomie sind gefragt

Was für den Büromenschen die Computermaus, kann für den Labormitarbeiter die Pipette sein. Und wie alle gleichförmigen, langwierigen Tätigkeiten, können lange Pipettierserien nachhaltig schmerzhafte Folgen haben: Um dem so genannten Repetitive-Strain-Injury-Syndrom, kurz RSI-Syndrom, vorzubeugen, geht ein Trend bei Pipetten klar in Richtung einer immer stärkeren Gewichtsreduktion gepaart mit speziellen ergonomischen Eigenschaften. Was einfach klingt, ist für die Hersteller mitunter mit einem enormen Forschungs- und Entwicklungsaufwand verbunden. Denn Gewicht lässt sich natürlich nicht beliebig einsparen, insbesondere da die für die Konstruktion einer Pipette verwendeten Materialien nicht nur leicht, sondern gleichzeitig robust, langlebig, mitunter chemikalien- und UV-Licht-beständig oder autoklavierbar sein müssen – um nur einige Eigenschaften zu nennen. Hier gilt es, passende Materialien zu finden und in geeigneter Weise miteinander zu kombinieren. Heute sind Pipetten am Markt erhältlich, die bereits deutlich weniger wiegen als eine Tafel Schokolade.

Viele Hersteller legen bei der Entwicklung ihrer Modelle zudem besonderes Augenmerk auf ergonomische Aspekte. Ob Einknopf- oder Zweiknopfbedienung mit separatem Spitzenabwurf mag hier aus Anwendersicht eher Geschmackssache oder Gewohnheit sein. Doch schon der erforderliche Kraftaufwand beim Bedienen der Knöpfe, die Lage der Bedienknöpfe zueinander, die Lage der Pipette in der Hand oder speziell für Rechts- oder Linkshänder optimierte Modelle können bei langen Pipettierserien wenn auch keine „Wunder“ so doch einiges in Puncto „ermüdungsfreiem Arbeiten“ bewirken. Hersteller, die ihre Pipetten unter ergonomischen Gesichtspunkten entwerfen, stecken oft viel Entwicklungsaufwand in die Anforderung, ihre Modelle stets nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen zu optimieren.

Ein ebenso essenzieller Punkt ist das Aufstecken der Pipettenspitzen. Einerseits kann es aus ökonomischen Gesichtspunkten sinnvoll sein, wenn die meisten gängigen Pipettenspitzen unterschiedlicher Hersteller mit der Pipette kompatibel sind. Andererseits muss gewährleistet sein, dass die Pipettenspitze stets korrekt passt.

Der richtige Sitz der Pipettenspitze und mehr

Das allseits bekannte „Aufhämmern“ der Spitzen ist nicht nur in arbeitsmedizinscher Hinsicht zweifelhaft, sondern kann schlimmstenfalls – wie auch schlecht sitzende Spitzen generell – das Pipettierergebnis negativ beeinflussen. Hersteller wie Eppendorf, Integra oder Thermo Fisher Scientific bieten hier spezielle Konzepte wie einen verfederten Spitzenkonus, die dem entgegen wirken und stets einen optimalen Sitz der Pipettenspitze gewährleisten sollen.

Auch die einfache, unkomplizierte aber genaue Volumeneinstellung, die sich zudem während des Handlings der Pipette nicht versehentlich wieder verstellt, ist ein wichtiger Punkt, der den Laboralltag erheblich erleichtern kann. Gilson beispielsweise bietet hierfür einen speziellen Lock-/Unlock-Mechanismus.

Die Errungenschaften einer fortschreitenden Digitalisierung spielen natürlich insbesondere auf dem Feld der elektronischen Pipetten ihre Vorteile aus. Sie ermöglichen u.a. auch komplexe Pipettieraufgaben schnell, einfach und reproduzierbar auszuführen. Doch auch in einigen manuellen Modellen erhalten mittlerweile elektronische Komponenten Einzug. So bietet z.B. Mettler-Toledo bereits einen integrierten RFID-Chip für eine lückenlose Nachverfolgung von Kalibrierungen.

Hier finden Sie (nach kostenfreier Registrierung) eine tabellarische Herstellerübersicht. Die Unternehmen hatten die Möglichkeit je eine manuelle und eine digitale Pipette vorzustellen. Die Tabelle beruht auf Selbstauskünften der teilnehmenden Unternehmen und erhebt keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit.

* Dr. I. Ottleben Redaktion LABORPRAXIS E-Mail ilka.ottleben@vogel.de

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