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Studie: Erdnussverzehr beeinflusst Lipidprofil im Blut Gesünderes Körpergewicht und weniger Typ-2-Diabetes durch Erdnüsse?

Quelle: Pressemitteilung Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) 5 min Lesedauer

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Die in Erdnüssen in einzigartiger Zusammensetzung enthaltenen Fettsäuren sind weit mehr als pure Energielieferanten. Forschende haben erstmalig eine molekulare Handschrift von verzehrten Erdnüssen im Lipidprofil des Menschen identifiziert. Die Ergebnisse zeigen, dass der Verzehr von Erdnüssen die Zusammensetzung der Blutfette nachweislich beeinflussen kann und das veränderte Lipidprofil mit einem verringerten Risiko für Typ-2-Diabetes assoziiert ist.

Erdnüsse gehören zu den wenigen Lebensmitteln, die reich an so genannten VLCSFA (Very Long Chain Saturated Fatty Acids) sind und zusammen mit ihrem hohen Gehalt an einfach ungesättigten Fettsäuren ein einzigartiges und unverwechselbares Fettsäureprofil aufweisen.(Bild:  © baibaz – stock.adobe.com)
Erdnüsse gehören zu den wenigen Lebensmitteln, die reich an so genannten VLCSFA (Very Long Chain Saturated Fatty Acids) sind und zusammen mit ihrem hohen Gehalt an einfach ungesättigten Fettsäuren ein einzigartiges und unverwechselbares Fettsäureprofil aufweisen.
(Bild: © baibaz – stock.adobe.com)

Ungesunde Ernährungsgewohnheiten tragen maßgeblich zum weltweiten Anstieg von Adipositas, Herz-Kreislauf-Erkrankungen (HKE) und Typ-2-Diabetes (T2D) bei. Eine entscheidende Rolle für die Stoffwechselgesundheit spielt dabei die Qualität der Nahrungsfette. So kann eine Reduktion gesättigter Fettsäuren bzw. deren Ersatz durch ungesättigte Fettsäuren Blutfettwerte und Entzündungen verbessern und das Erkrankungsrisiko senken. Während sich herkömmliche Blutfettprofile auf Schlüsselmarker wie Cholesterin konzentrieren, bietet die fortgeschrittene Lipidomik einen umfassenden Überblick über die gesamten im Blut zirkulierenden Fette (Lipidom) und deckt spezifische Veränderungen in den Lipidklassen auf.

Erdnüsse haben ein außergewöhnliches Fettsäureprofil

Die Gruppe der gesättigten Fettsäuren ist sehr heterogen. Zu ihr zählen u. a. die mehr als 20 Kohlenstoffatome umfassenden sehr langkettigen gesättigten Fettsäuren, sogenannte VLCSFA (Very Long Chain Saturated Fatty Acids). Diese lösen im Vergleich zu den kürzeren gesättigten Fettsäuren andere Stoffwechselreaktionen im Körper aus. Erdnüsse - die botanisch betrachtet zu den Hülsenfrüchten zählen - gehören zu den wenigen Lebensmitteln, die reich an VLCSFA sind und zusammen mit ihrem hohen Gehalt an einfach ungesättigten Fettsäuren ein einzigartiges und unverwechselbares Fettsäureprofil aufweisen.

Bisherige Erkenntnisse aus prospektiven Kohortenstudien zeigen, dass ein erhöhter Erdnussverzehr die Häufigkeit von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und das Sterblichkeitsrisiko reduziert. Die zugrundeliegenden Mechanismen sind bisher jedoch unzureichend erforscht. Insbesondere ist noch unklar, wie sich die durch Erdnüsse ausgelöste Veränderung des Lipidoms auf kardiometabolische Prozesse auswirkt und ob diese Veränderungen einen signifikanten Schutz vor chronischen Erkrankungen bieten.

Integrativer Forschungsansatz gewährleistet Präzision und Aussagekraft

In Zusammenarbeit mit Forschenden der Universität Barcelona haben Dr. Inés Domínguez-López und Prof. Matthias Schulze vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE)  untersucht, wie der Verzehr von Erdnüssen das zirkulierende Lipidprofil im Blut beeinflusst und wie diese Veränderungen das Erkrankungsrisiko für T2D und HKE in Abhängigkeit vom Body Mass Index (BMI) beeinflussen.

Schematische Darstellung der Studie(Bild:  DIfE)
Schematische Darstellung der Studie
(Bild: DIfE)

Dafür kombinierten sie Daten aus zwei unterschiedlichen Quellen. Zunächst nutzten sie Daten der klinischen Interventionsstudie ARISTOTLE, bei der 63 gesunde Erwachsene im Alter von 18 bis 33 Jahren für sechs Monate täglich entweder 25 Gramm in der Schale geröstete Erdnüsse, 32 Gramm Erdnussbutter oder 32 Gramm einer Kontrollbutter mit Erdnussöl konsumierten. Dadurch konnte das Team beobachten, wie sich die Blutfettwerte als Reaktion auf den Verzehr von Erdnüssen veränderten.

Die ARISTOTLE-Studie

Die ARISTOTLE-Studie ist eine randomisierte kontrollierte Studie, die an der Universität Barcelona durchgeführt wurde. Im Rahmen dieser Studie nahmen 63 gesunde Erwachsene im Alter von 18 bis 33 Jahren über einen Zeitraum von sechs Monaten zusätzlich zu ihrer gewohnten Ernährung entweder in der Schale geröstete Erdnüsse, Erdnussbutter oder eine Kontrollbutter mit Erdnussöl zu sich. Zu Beginn der Studie und nach sechs Monaten wurden Nüchternblutproben sowie Daten zu soziodemografischen Faktoren und Lebensstilfaktoren erhoben.

Danach kombinierten sie diese Ergebnisse mit Ergebnissen der EPIC-Potsdam-Kohorte, eine groß angelegte Langzeitstudie, in der über 27.000 Personen beobachtet wurden. Dabei wurden Proben und Daten von 774 T2D-(Typ-2-Diabetes) und 545 HKE- (Herz-Kreislauf-Erknagung) Neuerkrankungsfällen genutzt.

Die EPIC-Potsdam-Studie

Die EPIC-Potsdam-Studie ist Teil der European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition (EPIC). Zwischen 1994 und 1998 wurden 27.548 Frauen und Männer im Alter von 35 bis 65 Jahren aus der Potsdamer Bevölkerung in die Kohorte aufgenommen. Neben Ernährungs- und Lebensstildaten wurden u.a Blutproben und anthropometrische Messwerte erhoben. Die Teilnehmenden wurden anschließend regelmäßig nach beobachtet.

Erdnussverzehr hinterlässt molekulare Handschrift im Lipidom

Die Analyse der Blutfette nach der Ernährungsintervention durch hochauflösende Massenspektrometrie („Deep Lipidomics“) ergab 51 Fettsäure-Muster innerhalb der einzelnen Lipidklassen. Daraus konnten die Forschenden eine Art spezifischen biologischen Fingerabdruck im Blutfettprofil, der so genannten „Peanut Lipidomic Signature“ (PeLS), ableiten. Der PeLS war durch einen signifikanten Anstieg an VLCSFA, insbesondere von C24:0 und C22:0, gekennzeichnet. „Dabei handelt es sich nicht nur um einen einfachen Anstieg der Fettwerte, sondern um eine komplexe Veränderung des Lipidoms“, erklärt Erstautorin Dr. Inés Domínguez-López. Die VLCSFA werden vorrangig in bestimmte Lipidklassen wie Ceramide eingebaut – ein Prozess, der durch die koordinierte Aktivität spezifischer Enzyme gesteuert wird, die die Fettsäureketten verlängern.

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Durch die Charakterisierung des PeLS haben wir einen potenziellen biologischen Marker entdeckt, der die Qualität von Nahrungsfetten mit Stoffwechselparametern in Verbindung bringt.

Prof. Matthias Schulze, Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE)

Die Rolle des BMI

Um festzustellen, ob die beobachteten Lipidveränderungen mit dem Auftreten von T2D und HKE in Zusammenhang stehen, nutzte das Forscherteam Proben und Daten aus der EPIC-Potsdam-Studie. Dabei stellten sie fest, dass der PeLS mit einem geringeren Risiko für T2D verbunden war, nicht jedoch für HKE. Die DIfE-Forschenden fanden heraus, dass diese T2D-Risikoreduktion weitgehend durch den BMI bedingt ist. Domínguez-López betont: „Das deutet darauf hin, dass die positiven metabolischen Effekte der in Erdnüssen enthaltenen Fette zu einem gesünderen Körpergewicht beitragen oder Stoffwechselprozesse im Zusammenhang mit Adipositas stabilisieren könnten.“

Was ist Lipidomik?

Die Lipidomik (engl.: Lipidomics) ist ein Zweig der Metabolomik. Sie dient der vollständigen Charakterisierung aller Lipide und ihrer Stoffwechselprodukte innerhalb eines Organismus. Für moderne Lipidomik-Analysen werden chromatographische und spektroskopische Methoden kombiniert, um auch sehr ähnliche Lipide voneinander unterscheiden zu können.

Erdnüsse als Bestandteil einer gesunden Ernährung

Die Studienergebnisse unterstützen eine praktische und leicht umsetzbare Ernährungsstrategie, denn im Gegensatz zu vielen teuren „Superfoods“ sind Erdnüsse ein weit verbreitetes und erschwingliches Nahrungsmittel. Die Identifizierung des spezifischen Lipidprofils legt nahe, dass Erdnüsse als Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung eine effektive Strategie zur Vorbeugung von Typ-2-Diabetes und zur Stärkung der metabolischen Gesundheit darstellen können.

Originalpublikation: Domínguez-López, I., Eichelmann, F., Parilli-Moser, I., Hurtado-Barroso; S., Lamuela-Raventós, R. M., Schulze, M. B.: Peanuts-derived plasma lipids and lower risk of type-2 diabetes: Association mediated by body mass index. An intervention and case-cohort study. Am. J. Clin. Nutr. 124 (5), 101527 (2026). 

Weiterführende Publikation: Domínguez-López, I., Eichelmann, F., Prada, M., Schulze, M. B.: Very long-chain saturated fatty acids in plasma lipids: association with cardiometabolic risk influenced by lipid interactions. Cardiovasc. Diabetol. 25(1), 24 (2025).