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Mikroskopieaufnahmen auswerten Strom sparen bei Bildanalyse: Freie Software macht KI-Modelle grüner

Quelle: Pressemitteilung Leibniz-Institut für Analytische Wissenschaften - ISAS 3 min Lesedauer

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Gerade im Bereich der Mikroskopie fallen schnell gewaltige Datenmengen an. Diese lassen sich dank Unterstützung von Künstlicher Intelligenz heute gut verarbeiten. Doch der Rechenaufwand und damit der Zeit- und Stromverbrauch bleiben hoch. Eine neu entwickelte Kompressionssoftware soll nun helfen, die Datenmenge und damit den Strombedarf zu reduzieren. Die Software ist kostenfrei verfügbar.

Eine neue Open-Source-Software soll KI-Modelle für die Mikroskopie energieeffizienter machen (Symbolbild).(Bild:  KI-generiert, ideogram)
Eine neue Open-Source-Software soll KI-Modelle für die Mikroskopie energieeffizienter machen (Symbolbild).
(Bild: KI-generiert, ideogram)

Moderne Mikroskopieverfahren produzieren eine Vielzahl hochauflösender Bilder – einzelne Datensätze können tausende davon umfassen. Um die Datenmengen zuverlässig analysieren zu können, nutzen Wissenschaftler bereits häufig KI-gestützte Software. Mit immer komplexeren KI-Modellen kann sich die Latenzzeit (Verarbeitungszeit) für Bilder jedoch deutlich erhöhen. Das hat nicht nur Folgen für die Wartezeit auf das Mikroskopiebild. „Eine hohe Netzwerklatenz, beispielsweise bei besonders großen Bildern, führt zu einer höheren Rechenleistung und schließlich zu einem gesteigerten Energieverbrauch“, sagt Dr. Jianxu Chen, Leiter der Nachwuchsgruppe Ambiom – Analysis of Microscopic Bio-Medical Images am Leibniz-Institut für Analytische Wissenschaften (ISAS).

Gemeinsam mit Forschern der Universität Peking haben er und sein Team eine kostenfreie Kompressionssoftware „EfficientBioAI“ für Bioimaging-KI-Modelle entwickelt und die Ergebnisse ihrer Programmierarbeit in einer Studie publiziert.

Unnötigen Ballast aus bestehenden Systemen entfernen

Um hohe Latenzen bei der Bildanalyse zu vermeiden, insbesondere bei Geräten mit begrenzter Rechenleistung, kommen komplexe Algorithmen zum Einsatz, um die KI-Modelle zu komprimieren. Das heißt, die Algorithmen reduzieren die Menge der Berechnungen in den Modellen, während diese eine vergleichbare Vorhersagegenauigkeit beibehalten.

„Modellkomprimierung ist eine Technik, die bei der digitalen Bildverarbeitung, der so genannten Computer Vision, und der KI weit verbreitet ist, um Modelle leichter und grüner zu machen“, erklärt Chen. Dabei werden verschiedene Strategien kombiniert, um den Speicherverbrauch zu reduzieren, die Modellinferenz, also den „Denkprozess“ des Modells zu beschleunigen – und somit Energie zu sparen. Zum Einsatz kommt beispielsweise Pruning, das überflüssige Knoten aus dem neuronalen Netzwerk entfernt. „In der Bioimaging-Gemeinschaft sind diese Techniken häufig unbekannt. Daher wollten wir eine gebrauchsfertige und einfache Lösung entwickeln, um sie auf gängige KI-Tools beim Bioimaging anzuwenden“, sagt Yu Zhou, Erstautor der Publikation und Doktorand bei Ambiom.

Über EfficientBioAI

EfficientBioAI ist eine gebrauchsfertige und frei zugängliche Kompressionssoftware für KI-Modelle im Bioimaging. Die „plug-and-play“-Toolbox ist zwar für den Standardgebrauch einfach gehalten, bietet aber anpassbare Funktionen. Dazu gehören etwa adaptierbare Kompressionsstufen sowie Umschalten zwischen Hauptprozessor (Central Processing Unit, CPU) und Grafikprozessor (Graphics Processing Unit, GPU).

Die Forschenden in Dortmund und Peking entwickeln die Toolbox ständig weiter. Sie arbeiten bereits daran, die Software neben Linux (Ubuntu 20.04, Debian 10) und Windows 10 auch für MacOS verfügbar zu machen. Aktuell liegt der Fokus der Toolbox darauf, die Inferenzeffizienz bei vortrainierten Modellen zu verbessern, anstatt die Effizienz während der Trainingsphase zu steigern.

EfficientBioAI ist bei GitHub verfügbar.

Bis zu 80 Prozent Energieeinsparung

Die Anpassungsfähigkeit von EfficientBioAI wurde anhand mehrerer Anwendungen getestet. Ein Beispiel ist die semantische Segmentierung bei 3D-Aufnahmen. Dabei identifiziert das KI-Model einzelne spezifische Strukturen innerhalb eines dreidimensionalen zellulären Umfelds. Die Abbildung zeigt die Segmentierung von Osteozyten (reife Knochenzellen) in Aufnahmen von Mäuseknochen. Diese wurden mit dem Lichtblatt-Fluoreszenzmikroskop aufgenommen.Die Darstellung zeigt die Originalaufnahme (Spalte 1), die Segmentierung durch das Modell FNet 3D (Spalte 2) aus der MMV_Im2Im Toolbox für die Bild-zu-Bild-Transformation, und die Segmentierung nach der Kompression von FNet 3D durch EfficientBioAI (Spalte 3). Der Vergleich von Spalte 2 und 3 verdeutlicht: Die Kompression beeinflusst keineswegs die Genauigkeit der Segmentierung.(Bild:  ISAS / Prof. Dr. Anika Grüneboom (Bioimaging))
Die Anpassungsfähigkeit von EfficientBioAI wurde anhand mehrerer Anwendungen getestet. Ein Beispiel ist die semantische Segmentierung bei 3D-Aufnahmen. Dabei identifiziert das KI-Model einzelne spezifische Strukturen innerhalb eines dreidimensionalen zellulären Umfelds. Die Abbildung zeigt die Segmentierung von Osteozyten (reife Knochenzellen) in Aufnahmen von Mäuseknochen. Diese wurden mit dem Lichtblatt-Fluoreszenzmikroskop aufgenommen.Die Darstellung zeigt die Originalaufnahme (Spalte 1), die Segmentierung durch das Modell FNet 3D (Spalte 2) aus der MMV_Im2Im Toolbox für die Bild-zu-Bild-Transformation, und die Segmentierung nach der Kompression von FNet 3D durch EfficientBioAI (Spalte 3). Der Vergleich von Spalte 2 und 3 verdeutlicht: Die Kompression beeinflusst keineswegs die Genauigkeit der Segmentierung.
(Bild: ISAS / Prof. Dr. Anika Grüneboom (Bioimaging))

Um ihre neue Toolbox auf die Probe zu stellen, haben die Forschenden um Chen ihre Software an mehreren realen Anwendungen getestet. Bei unterschiedlicher Hardware und verschiedenen Bioimaging-Analyseaufgaben haben die Komprimierungstechniken die Latenzzeit erheblich verringert und den Energieverbrauch zwischen 12,5 bis 80,6 Prozent gesenkt. „Unsere Versuche haben gezeigt, dass EfficientBioAI die Effizienz neuronaler Netzwerke bei Bioimaging-Analysen deutlich erhöhen kann, ohne die Genauigkeit der Modelle einzuschränken“, resümiert Chen.

Die Energieeinsparungen verdeutlicht der Wissenschaftler am Beispiel des allgemein verwendeten CellPose-Modells: Würden eintausend Nutzer die Toolbox nutzen, um das Modell zu komprimieren und auf den Jump-Target-ORF-Datensatz anwenden (etwa eine Million Mikroskopiebilder von Zellen), könnten sie Energie sparen, die etwa den Emissionen einer Autofahrt von 11.750 Kilometern entsprechen.

Weite Verbreitung des Open-Source-Modells gewünscht

Die Autoren legen Wert darauf, EfficientBioAI möglichst vielen Wissenschaftlern in der biomedizinischen Forschung zugänglich zu machen. Forschende können die Software installieren und nahtlos in bereits existierende PyTorch-Bibliotheken integrieren (Open-Source-Programmbibliothek für die Programmiersprache Python). Für einige sehr verbreitete Modelle wie Cellpose, können Forschende die Software nutzen, ohne selbst etwas am Code ändern zu müssen. Für spezifische Änderungswünsche stellt die Gruppe außerdem mehrere Demos und Tutorials zur Verfügung. Mit nur ein paar geänderten Code-Zeilen lässt sich die Toolbox dann auch für angepasste KI-Modelle verwenden.

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Originalpublikation: Zhou, Y., Cao, J., Sonneck, J. et al.: EfficientBioAI: making bioimaging AI models efficient in energy and latency, Nat Methods (2024); DOI: 10.1038/s41592-024-02167-z

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