Kokosöl findet in den letzten Jahren immer häufiger seinen Weg in deutsche Küchen. Doch seine angeblich gesundheitsfördernde Wirkung ist umstritten. Nun haben Wissenschaftler der Universität Bonn herausgefunden, wie das Öl in der Leber verstoffwechselt wird – nämlich komplett anders als Raps- oder Olivenöl. Ihre Ergebnisse könnten auch Konsequenzen für die Behandlung bestimmter Durchfall-Erkrankungen haben.
Kokosöl findet in den letzten Jahren immer häufiger seinen Weg in deutsche Küchen, obwohl seine angeblich gesundheitsfördernde Wirkung umstritten ist. (Symbolbild)
Bonn – Kokosöl unterscheidet sich von Raps- oder Olivenöl durch die Fettsäuren, die in ihm enthalten sind. Fettsäuren bestehen aus aneinander gebundenen Kohlenstoff-Atomen, in der Regel 18 an der Zahl. In Kokosöl sind die meisten dieser Ketten aber deutlich kürzer und enthalten nur 8 bis 12 Kohlenstoff-Atome. In der Leber werden diese mittelkettigen Fettsäuren zum Teil zu Speicherfetten (Triglyceriden) umgewandelt. Wie das genau geschieht, war bislang weitgehend unbekannt.
Aufgabenteilung in der Leber
Die neue Studie von Forschenden der Universität Bonn bringt diesbezüglich nun Licht ins Dunkel: „Es gibt in der Leber zwei Enzyme für die Speicherfettsynthese, DGAT1 und DGAT2“, erklärt Dr. Klaus Wunderling vom LIMES-Institut (das Akronym steht für „Life & Medical Sciences“) der Universität Bonn. „Wir haben nun in Leberzellen von Mäusen gesehen, dass DGAT1 vor allem mittelkettige Fettsäuren verarbeitet und DGAT2 langkettige.“
In ihren Experimenten blockierten die Wissenschaftler DGAT1 mit einem speziellen Hemmstoff. Die Synthese von Speicherfetten aus mittelkettigen Fettsäuren ging in der Folge um 70 Prozent zurück. Die Blockade von DGAT2 führte dagegen zu einer verringerten Verarbeitung langkettiger Fettsäuren. „Die Enzyme scheinen also unterschiedliche Kettenlängen zu bevorzugen“, folgert Prof. Dr. Christoph Thiele vom LIMES-Institut, der die Studie geleitet hat und auch Mitglied im Exzellenzcluster Immunosensation ist.
Überraschende Nebenwirkung eines vielversprechenden Medikaments
Fetttröpfchen in einer Zelle.
(Bild: (c) Johanna Spandl / Universität Bonn)
Ob Fettsäuren in der Leber überhaupt zum Aufbau von Speicherfett verwandt werden, hängt vom aktuellen Energiebedarf ab. Wenn der Körper gerade viel Energie benötigt, wird die so genannte Beta-Oxidation angeworfen – die Fettsäuren werden gewissermaßen direkt „verbrannt“. Medizinisch ist dieser Stoffwechselweg von großem Interesse. Bei einer Diabetes-Erkrankung etwa wäre es womöglich nützlich, die Beta-Oxidation zu drosseln. Denn dann muss der Körper seinen Energiebedarf stattdessen aus Glucose decken – der Blutzuckerspiegel sinkt, mit positiven Konsequenzen für die Erkrankung.
Schon vor rund 40 Jahren haben Pharmaforscher daher einen entsprechenden Hemmstoff entwickelt, das Etomoxir. Er bindet an Enzyme für die Beta-Oxidation und bringt sie so zum Stillstand. Allerdings stellte sich schnell heraus, dass Etomoxir massive Nebenwirkungen hat.
Die Bonner Forscher sind nun auf einen möglichen Grund dafür gestoßen: Sie haben mit Etomoxir die Verbrennung mittelkettiger Fettsäuren in Mäusen gehemmt, in der Erwartung, damit die Produktion von Speicherfett anzukurbeln. „Stattdessen ging auch die Fettsynthese deutlich zurück, allerdings lediglich von Speicherfetten mit mittelkettigen Fettsäuren“, erklärt Wunderling. „Wir vermuten daher, dass Etomoxir auch das DGAT1-Enzym ausschaltet.“ Bei der Entwicklung neuer Hemmstoffe für die Beta-Oxidation müsse man künftig auf derartige Effekte achten.
Enzym verantwortlich für Verdauungsbeschwerden?
Interessant ist zudem ein Befund, den österreichische und niederländische Wissenschaftler vor einigen Jahren veröffentlicht haben: Sie hatten Patienten untersucht, die unter chronischen Durchfallerkrankungen leiden. Bei 20 von ihnen fanden sie Veränderungen im DGAT1-Gen, das dadurch funktionslos wurde.
„Wir möchten nun herausfinden, ob die gestörte Verarbeitung mittelkettiger Fettsäuren für die Verdauungsbeschwerden verantwortlich ist“, sagt Wunderling. Das DGAT1-Enzym ist nämlich nicht nur in der Leber, sondern auch im Darm aktiv. Vielleicht verursacht seine Störung daher Durchfälle, wenn die Betroffenen mittelkettige Fettsäuren zu sich nehmen. Wunderling: „In diesem Fall könnte man ihnen eventuell einfach helfen – durch eine entsprechende Diät.“
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel Communications Group GmbH & Co. KG, Max-Planckstr. 7-9, 97082 Würzburg einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.
* J. Seiler: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, 53115 Bonn