English China

Krebspräventionsgipfel Krebsprävention: Das Wissen ist da, die Umsetzung mangelt

Quelle: Pressemitteilung Deutsches Krebsforschungszentrum 4 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Vier von zehn Krebserkrankungen wären durch Prävention vermeidbar – doch das vorhandene Wissen wird nicht konsequent umgesetzt. Auf dem zweiten Krebspräventionsgipfel haben sich Forscher und Entscheider aus der Politik getroffen, um Maßnahmen in die Wege zu leiten.

(v.l.) Stephan-Andreas Casdorff, Prof. Michael Baumann und Prof. Rita Schmutzler beim 2. Nationalen Krebspräventionsgipfel(Bild:  Lena Ganssmann / Tagesspiegel)
(v.l.) Stephan-Andreas Casdorff, Prof. Michael Baumann und Prof. Rita Schmutzler beim 2. Nationalen Krebspräventionsgipfel
(Bild: Lena Ganssmann / Tagesspiegel)

Wie lässt sich die Krebsprävention in Deutschland wirksam stärken? Konkrete Maßnahmen und Ideen liefert der gerade veröffentlichte Ergebnisbericht des 2. Nationalen Krebspräventionsgipfels von Deutscher Krebshilfe und Deutschem Krebsforschungszentrum (DKFZ). Rund 50 Fachleute aus Politik, Wissenschaft, Verwaltung, Gesundheitswesen und Zivilgesellschaft hatten im Juni 2026 am Gipfel teilgenommen und ihre Expertise eingebracht. Die politischen Signale zur Stärkung der Prävention stimmen zuversichtlich.

„Wir wissen heute so viel wie nie zuvor darüber, wie Krebs verhindert werden kann. Aber wir schaffen es noch nicht, dieses Wissen umzusetzen“, sagt Prof. Rita Schmutzler, Präsidentin der Deutschen Krebshilfe. „Die Ergebnisse des Krebspräventionsgipfels zeigen sehr konkret, an welchen Stellen politisches Handeln erforderlich ist. Jetzt müssen die politischen und strukturellen Voraussetzungen geschaffen werden, um dieses Wissen konsequent in die Praxis zu überführen“, ergänzt Prof. Dr. Michael Baumann, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ).

Krebsprävention stärken – Gipfel erarbeitet Maßnahmen

Im Mittelpunkt des zweiten nationalen Krebspräventionsgipfels standen sechs zentrale Handlungsfelder. Die beteiligten Experten empfehlen unter anderem, Prävention politisch ressortübergreifend stärker zu verankern, die Erfahrungen erfolgreicher Modellprojekte bundesweit nutzbar zu machen, Schulen stärker in den Blick zu nehmen, lokale Präventionsstrukturen auszubauen und den volkswirtschaftlichen Nutzen von Prävention systematisch sichtbar zu machen.

Ein starker Hebel sind zudem Maßnahmen, die es den Menschen leichter machen, sich gesundheitsbewusst zu verhalten – die so genannte Verhältnisprävention. Hier sehen viele Fachleute erheblichen politischen Nachholbedarf. Beispielsweise werden Tabak und Alkohol in Deutschland deutlich geringer besteuert als in anderen europäischen Ländern, in denen sich höhere Steuern als Lenkungsmaßnahme bewährt haben.

Priorisierte Maßnahmen des Krebspräventionsgipfels 2026

1. Krebsprävention als Querschnittsaufgabe verankern 
Einführung einer verbindlichen Gesundheitsfolgenabschätzung in allen Gesetzgebungsprozessen sowie Verankerung der Rolle „Berichterstatter:in für Prävention“ in allen parlamentarischen Fraktionen.

2. Austausch, Kooperation & Vernetzung stärken 
Bereitstellung ausreichender Ressourcen für die regionale und bundesweite Vernetzung sowie Nutzung der Erfahrungen aus dem Modell „Gesundheitsregionenplus“ für den bundesweiten Strukturaufbau.

3. Verhältnisprävention gesetzgeberisch fördern 
Verbindlicher Kindergesundheitsschutz durch Werbeverbote für ungesunde Produkte und konsequenter Ausbau steuerlicher Anreize.

4. Lebenswelt Schule systematisch nutzen 
Systematische Einbindung von wissenschaftlich fundierten Präventionskonzepten und Förderung der Gesundheitskompetenz fest in den Lehrplänen sowie im Schulalltag aller Bundesländer.

5. Niederschwelligen & zielgruppengerechten Zugang schaffen 
Zielgruppengerechte und barrierefreie Gestaltung von Präventionsangeboten, um gesundheitliche Ungleichheiten in der Bevölkerung gezielt abzubauen und sozial benachteiligte Gruppen besser zu erreichen.

6. Gesundheitsökonomische Potenziale der Krebsprävention erkennen 
Entwicklung von Simulationsmodellen und Ausbau der Forschungsförderung sowie Optimierung der Datennutzung zur Evidenzsteigerung des volkswirtschaftlichen Nutzens von Prävention.

Bei der Veranstaltung fand Prof. Hendrik Streeck, Sucht- und Drogenbeauftragter der Bundesregierung deutliche Worte: Tabak verursache allein im Gesundheitswesen Kosten von 30 Milliarden Euro pro Jahr, welche in Form von Steuererhöhungen auf Rauchende umgelegt werden müssten. Gleichzeitig erinnerte er an das Potenzial der Krebsprävention. Vier von zehn Krebserkrankungen könnten durch kluge Prävention verhindert werden – diese Zahl sieht er als Verpflichtung.

Politik signalisiert größere Offenheit für Prävention

Beim Gipfel wurde deutlich, dass Krebsprävention auf wachsendes politisches Interesse stößt. Johannes Wagner, MdB Bündnis90/ Die Grünen kündigte die Gründung eines fraktionsübergreifenden ‚Parlamentskreis Prävention‘ an, um Prävention auf parlamentarischer Ebene zu stärken – was Ende Juni 2026 bereits in die Tat umgesetzt wurde. Kurze Zeit später startete das Bundesgesundheitsministerium eine Präventionsoffensive.

Dies sehen die Veranstalter als wichtige Signale. Zugleich betonen sie, dass die Herausforderungen im Bereich der Krebsprävention nicht durch einzelne Projekte oder Modellvorhaben gelöst werden können. „Jetzt braucht es den politischen Willen, Prävention konsequent und langfristig zu stärken. Wir erwarten, dass die neue Offenheit für das Thema auch unter der neuen Führung im Bundesgesundheitsministerium in konkrete Entscheidungen mündet“, sagt Krebshilfe-Präsidentin Schmutzler.

Eine Investition in Gesundheit und Zukunft

Rund 40 Prozent aller Krebsneuerkrankungen gelten nach wissenschaftlichen Erkenntnissen als vermeidbar. Gleichzeitig stehen die Gesundheitssysteme zunehmend unter finanziellem Druck. „Die Kosten im Gesundheitssystem explodieren – gerade deshalb ist jetzt der richtige Zeitpunkt, die Prävention zu stärken“, betont DKFZ-Vorstandsvorsitzender Baumann. „Wer Prävention fördert, senkt nicht nur das Risiko für Krebs und viele weitere nichtübertragbare Krankheiten, sondern entlastet langfristig auch das Gesundheitswesen und die sozialen Sicherungssysteme. Wir brauchen eine Präventionsdekade, die Präventionskonzepte systematisch wissenschaftlich weiterentwickelt und in die Anwendung überführt.“

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Mit dem Nationalen Krebspräventionsgipfel wollen Deutsche Krebshilfe und DKFZ den Dialog zwischen Wissenschaft und Politik weiter stärken. Die beim Gipfel erarbeiteten Maßnahmen sollen in politische Entscheidungsprozesse auf Bundes- und Länderebene eingebracht werden.

Über den Nationalen Krebspräventionsgipfel

Der nationale Krebspräventionsgipfel wurde 2025 vom DKZF und der Deutschen Krebshilfe initiiert mit dem Ziel, eine langfristige und tragfähige Krebspräventionsstrategie für Deutschland zu entwickeln. Der Gipfel findet einmal jährlich statt, um die Umsetzung und Wirkung der Handlungsempfehlungen unabhängig zu überprüfen, kontinuierlich weiterzuentwickeln und dabei an den jeweils aktuellen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse anzupassen.

Beim zweiten nationalen Krebspräventionsgipfel von Deutscher Krebshilfe und DKFZ am 10. Juni 2026 kamen rund 50 Entscheider aus Politik, Wissenschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft im Tagesspiegel-Verlagshaus in Berlin zusammen und entwickelten die im Vorjahr erarbeiteten Handlungsempfehlungen für die Politik weiter. Best-Practice-Beispiele aus verschiedenen Bereichen des Gesundheitswesens dienten als Grundlage, um übertragbare Erfolgsfaktoren zu identifizieren und daraus konkrete Handlungspfade für Bund und Länder zu entwickeln.

Auf der Seite des nationalen Krebspräventionszentrums finden Sie weitere Informationen sowie die Ergebnisse des zweiten nationalen Krebspräventionsgipfels.