Suchen

Gefahrstofflagerung Laborsicherheit: Wie unterscheiden sich aktive und passive Lagerung?

| Redakteur: Dipl.-Chem. Marc Platthaus

Für die aktive und passive Lagerung von Chemikalien gelten teils stark unterschiedliche Anforderungen an Technik und Dokumentation. Wann spricht man von aktiv, wann von passiv? Lesen Sie in diesem Beitrag und im Interview mit dem Laborsicherheitsexperten Christian Völk, worauf es bei der sicheren Gefahrstofflagerung ankommt.

Firmen zum Thema

Abb. 1: Kanistertausch mit speziellem Transportwagen – hier von einer HPLC-Anlage – ist ein sicherheisrelevanter Schritt beim Umgang mit Lösemitteln.
Abb. 1: Kanistertausch mit speziellem Transportwagen – hier von einer HPLC-Anlage – ist ein sicherheisrelevanter Schritt beim Umgang mit Lösemitteln.
(Bild: Düperthal)

Dichlormethan aus einem Kanister in eine kleinere Vorratsflasche abfüllen – ein Vorgang, der so oder so ähnliche tausende Male in Laboratorien in der ganzen Welt durchgeführt wird. Doch worauf muss der Labormitarbeiter achten, wenn er diesen Vorgang sicherheitstechnisch sauber ausführen möchte?

Wichtig hierbei ist, den Unterschied zwischen aktiver und passiver Lagerung zu kennen. Laut dem Explosionsschutzportal der BG RCI, Punkt 2.6 sind bei der passiven Lagerung „[... ] die [...] Behälter dicht verschlossen und dürfen während des Aufbewahrens im Lager weder befüllt noch entleert noch zu sonstigen Zwecken geöffnet werden.“

Bildergalerie

Betrachtet man diese Vorschrift genauer, dann wird schnell klar, dass passive Lagerung von brennbaren Flüssigkeiten in Labors eher die Ausnahme als die Regel ist. Aus diesem Grund sollte sich der Anwender auch mit den Vorschriften der aktiven Lagerung von brennbaren Flüssigkeiten und Gefahrstoffen vertraut machen: Sobald aktiv gelagert wird, sind neben der TRGS (Technische Regeln für Gefahrstoffe) 526 und TRGS 510 Anlage 3 noch zusätzliche Anforderungen aus den Richtlinien TRGS 509, TRBS 2153 und DIN EN 60079-10 in den entsprechenden Gefährdungsbeurteilungen (nach TRGS 400) und den dazu gehörenden und Explosionsschutzdokumenten zu berücksichtigen.

Maßnahmen für die aktive Lagerung

Bei der aktiven Lagerung müssen Sicherheitsschränke zwingend an eine technische Lüftung angeschlossen und überwacht werden. Hierdurch wird gewährleistet, dass eine Ex-Atmosphäre und Zündgefahren vermieden werden. Um dies baulich umzusetzen bieten die Sicherheitsschränke von Düperthal eine mehrfach wirksame Lüftung:

  • Objektabsaugung,
  • Schrankinnenraumlüftung und
  • bei Untertischschränken zusätzlich eine Bodenabsaugung.

Ergänzendes zum Thema
Interview: Tipps für die richtige Gefahrstofflagerung

LABORPRAXIS: Herr Völk, aktive oder passive Lagerung – wird dieses Thema aus Ihrer Sicht ausreichend betrachtet?

Christian Völk: Der aktiven Lagerung in Verbindung mit Sicherheitsschränken wurde über Jahre keine besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Es wurde zwar in der Praxis – speziell bei der Entsorgung – in einem nicht unerheblichen Maße aktiv gelagert, rechtlich aber immer in einer Art Grauzone. Vielen Anwendern und Betreibern war unter Umständen gar nicht bewusst, dass sobald ab- und umgefüllt wird oder ein Gebinde nicht verschlossen ist, dies bereits aktive Lagerung ist. Entsprechend wurden nicht immer die optimalen technischen Maßnahmen ergriffen und in der Gefährdungsbeurteilung berücksichtigt. Seit Düperthal als erster Hersteller Schranklinien bzw. zertifizierte Systemlösungen speziell für die aktive Lagerung vorgestellt hat, merken wir, dass das Interesse stetig zunimmt.

LABORPRAXIS: Dokumentation ist ein wichtiger Teil der Laborsicherheit. Was bedeutet das für die Gefahrstofflagerung?

Völk: Mit Einführung der Betriebssicherheitsverordnung und den folgenden Technischen Richtlinien (TRGS) haben die Betreiber mehr Flexibilität im Umgang mit Gefahrstoffen erhalten. In der Umkehr bedeutet dies aber auch eine höhere Eigenverantwortung, Arbeitsplätze so zu gestalten, dass die Sicherheit der Mitarbeiter gewährleistet wird. Dazu gehört in der Gefährdungsbeurteilung das Konzept zum Schutz der Mitarbeiter genau zu dokumentieren und die Schutzmaßnahmen zu beschreiben. Hier ist es hilfreich, wenn die eingesetzten Arbeitsmittel bereits von unabhängigen Stellen geprüfte und zertifizierte Sicherheitsprodukte sind.

LABORPRAXIS: Wie sind Labormitarbeiter bei der Gefahrstofflagerung auf der sicheren Seite, haben Sie Tipps?

Völk: Wir empfehlen im Labor geprüfte Systemlösungen einzusetzen. Diese sind optimal auf die Prozesse vor Ort abgestimmt und haben viele Eigenschaften, die bei der aktiven Lagerung notwendig sind: Abluftüberwachung, Objekt- und Luftschleierabsaugung, ableitfähige Oberflächen innen wie außen, Erdungsanschlüsse und vieles mehr. Zudem können Systemlösungen als vollständig geprüfte Einheit in der Gefährdungsbeurteilung berücksichtigt werden. Insbesondere die umfangreiche Produkt-Dokumentation inklusive Zertifikaten von unabhängigen Sachverständigen, z.B. TÜV Süd sind hier ein wesentliches Plus. Als Option zur Optimierung der Prozesskette und Dokumentation bieten wir netzwerkfähige Lösungen an. Auf der Analytica München werden wir die neuesten Trends in diesem Bereich und weitere vielfältige neue Lösungen vorstellen.

Die Abluftkontrolle zur Überwachung der Lüftungsfunktion und somit die Einhaltung des festgelegten Explosionsschutzkonzeptes erfolgt über das neue Smart Control mit Touchdisplay. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Füllstandskontrolle der im Schrank befindlichen Behältnisse. Das Smart Control beinhaltet zur Überwachung der Abluft auch eine Füllstandsüberwachung mit Display zur Fehleranzeige und Protokollierung. Sie warnt vor Überfüllung und leistet einen proaktiven Beitrag zum Arbeits- und Umweltschutz. Sind Kanister für die Entsorgung von Lösungsmittelabfällen im Einsatz, so sollten diese aus ableitfähigem Material bestehen und für die Füllstandskontrolle mit Sensoren – Schwimmer oder kapazitiven Sensoren – auszustatten sein. Gerade beim Wechseln (s. Abb. 1) spielen leitfähige Kanister ihre Vorteile aus. Neben Füllstandskontrolle und Absaugung ist die optimale Erdung ein wichtiger Faktor, um die Entzündung von Gefahrstoffen zu vermeiden. Hier sollte der Anwender auf ein durchgängiges Erdungskonzept achten: Ableitfähige Oberflächen innen und außen, die Verbindung aller elektrisch-leitfähigen Metallbauteile sowie Potentialanschluss an Rückwand oder Schrankdecke gehören zu einem solchen Konzept. Diese Ausstattungsmerkmale bietet Düperthal beispielsweise bei den Disposal UTS Ergo line und Disposal Bench line als zertifizierte Systemlösung für Entsorgungsfragen im Umgang mit den unterschiedlichsten Chemikalien.

(ID:43971250)