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LP-Interview: Malariabekämpfung

Licht, Sauerstoff und Abfall im Kampf gegen Malaria

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LABORPRAXIS: Welche Vorteile bieten sich durch Ihre Forschungsergebnisse, und was bedeutet dies für die Entwicklungsländer?Prof. Seeberger: Mithilfe des neuen Synthesesystems können nun Wirkstoffe aus einem Pflanzenabfallprodukt, mithilfe von Licht und Sauerstoff hergestellt werden. Daneben ist es möglich, den Reaktor auch mit Artemisinin zu füttern. Damit können nun wesentlich größere Anteile des einjährigen Beifußes eingesetzt werden und aus der gleichen Menge Pflanzenmasse kann wesentlich mehr Wirkstoff hergestellt werden. Das wiederum heißt für die Bauern, dass sie besser entlohnt werden können und damit der Anreiz um Anbau von Beifuss erhöht wird. Der völlig kontinuierliche Synthese- und Aufreinigungsprozess für einen Wirkstoff verwendet relativ einfache Aufbauten, die sich auch für die Herstellung großer Mengen an Wirkstoffen eignet. Unser Prozess ermöglicht es Entwicklungsländern, die bisher nur die Pflanzen angebaut haben, einen größeren Teil der Wertschöpfungskette im Land zu behalten. Das Ziel ist es, die Basis für eine komplette Medikamentenproduktion in diesen Ländern zu schaffen.

LABORPRAXIS: Welche Ziele haben Sie sich gesetzt?

Prof. Seeberger: Ich möchte den Preis für die wichtigsten Malaria-Medikamente deutlich senken, indem wir erst einmal genug Medizin für alle Betroffenen herstellen. Sinkende Preise und genügend Angebot wird dann gefälschte oder schlechte Produkte vom Markt verdrängen und dazu beitragen, sehr viele Menschenleben zu retten. Indem wir die gesamte Produktion oder aber zumindest große Teile in Entwicklungs- und Schwellenländer verlegen tragen wir zur wirtschaftlichen Teilhabe und weiteren Entwicklung dieser Regionen bei. Die Herstellung von Malaria-Medikamenten ist aber nur ein Beispiel für das immense Potenzial der kontinuierlichen Flusschemie für die Medikamentenherstellung. Ich werde diese Technologie auch für die Herstellung anderer wichtiger Medikamente einsetzen, um Kosten zu reduzieren und Zugang zu verbessern.

Vielen Dank für das Gespräch Herr Prof. Seeberger.

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