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Betriebliche Gesundheitsprävention

Macht die moderne Arbeitswelt krank?

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Und heute? Heute dominieren im großstädtischen Raum die Singlehaushalte – auch weil die Liebesbeziehungen brüchiger und aus Lebenspartnern vielfach Lebensabschnitt-Begleiter wurden. Und die klassische Vater-Mutter-Kind-Familie? Sie ist in den Ballungsräumen schon eher die Ausnahme als die Regel. An ihre Stelle sind die Alleinerziehenden mit Kindern und die Patchworkfamilien getreten. Und was wurde aus den Verwandten, auf die man im Bedarfsfall zurückgreifen kann? Die existieren vielfach nicht mehr. Oder sie wohnen Hunderte von Kilometern entfernt.

Auch dies erhöht den Druck, unter dem Berufstätige heute stehen. Denn wegen der fehlenden Unterstützungssysteme werden „oft schon Kleinigkeiten zu einem Stress verursachenden Problem“, weiß die Managementberaterin und Coachausbilderin Sabine Prohaska, Wien. Zum Beispiel das Paket, das auf der Post abgeholt werden muss. Oder der angekündigte Besuch eines Handwerkers. Oder der pädagogische Tag im Kinderhort.

Work-Life-Balance-Konzepte greifen oft zu kurz

Auch Bernadette Imkamp, verantwortlich für das Gesundheitsmanagement bei der Bausparkasse Schwäbisch Hall, ist überzeugt: Die veränderte Arbeitswelt ist nur einer von vielen Faktoren, die dazu führen, dass heute mehr Berufstätige unter einer großen psychischen Anspannung stehen. Deshalb greifen aus ihrer Warte auch alle betrieblichen Work-Life-Balance-Konzepte zu kurz, die ihren Blick nur auf die Arbeitswelt richten. Ihr Ausgangspunkt müsse vielmehr sein: Wie leben die Mitarbeiter heute und mit welchen Anforderungen sind sie aufgrund ihrer Lebenssituation konfrontiert?

Dasselbe gilt für die sogenannten Programme zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Auch sie sind gut und wichtig. Doch auch sie greifen laut Aussagen von Joachim Schönberger, Präventionsexperte bei der Personalberatung Conciliat, Stuttgart, „vielfach zu kurz, weil sie den Fokus primär auf Familien oder Alleinerziehende mit Kindern richten“. Dabei stehen Singles oft sogar „noch stärker unter Strom“ als stolze Väter und Mütter – „unter anderem, weil sie mehr Zeit in den Aufbau und in die Pflege eines Freundes- und Bekanntenkreis investieren müssen, der sie emotional trägt“.

Das sieht auch Michael Reichl, Geschäftsführer der Changemanagement-Beratung improve, Neufahrn bei München, so. Auch er ist überzeugt: Viele Berufstätige sind heute sehr verletzbar – auch weil ihnen ein privates Unterstützungssystem fehlt. So lange im Leben alles glatt läuft, ist das zumeist kein Problem. Doch wehe die Liebesbeziehung oder Ehe zerbricht und die Person fällt in ein emotionales Loch. Oder sie erkrankt. Oder der Lebenspartner oder ein Elternteil wird zum Betreuungsfall. Dann geraten viele Berufstätige schnell an ihre Belastungsgrenze. Oder sie stehen, weil sie versuchen, die vielfältigen Anforderungen doch noch unter einen Hut zu bringen, unter einer so großen Anspannung, dass die körperliche und seelische Erschöpfung droht. Kommen dann noch berufliche Sorgen hinzu, wird die persönliche Krise akut.

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