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Betriebliche Gesundheitsprävention

Macht die moderne Arbeitswelt krank?

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Individuelle Unterstützung ist nötig

Bei fast allen Burnout-Gefährdeten und -Geschädigten betont denn auch Joachim Schönberger „hat die Überlastung auch private oder persönliche Gründe“. Und nennt mehrere Beispiele. Da ist zum Beispiel die Controllerin bei einem Mobilfunkunternehmen, die seit Jahren unter Schlafstörungen leidet – auch weil sie nicht den gewünschten Lebenspartner findet. Oder da ist der Sales-Manager und Vater zweier Kinder, der meist nur am Wochenende zuhause ist, weshalb es auch in seiner Ehe kriselt. Oder da ist die Lehrerin, deren Mutter einen Schlaganfall erlitt und nun einer intensiven Pflege bedarf. Oder da ist der Investmentbanker, der aus Karrieregründen in London arbeitet, sich aber in der Großstadt nicht zuhause fühlt und in seinem Beruf keine Erfüllung findet. Bei all diesen Personen hat die Überforderung auch berufliche Gründe, doch nicht nur.

Diesen Zusammenhang haben viele Unternehmen erkannt. Deshalb bieten sie ihren Mitarbeitern ein immer breiteres Spektrum an Unterstützungsmaßnahmen an, um ihr Leben in Balance zu halten. Und viele machen sich auch gezielt Gedanken darüber, wie sie ihre Mitarbeiter entlasten können – zum Beispiel, wenn ein Elternteil zum Betreuungs- oder gar Pflegefall wird. So existiert beispielsweise bei Schwäbisch Hall eine betriebliche Regelung, dass Mitarbeiter in solchen Situationen eine Auszeit von zwei Jahren und länger nehmen können. Und im Weiterbildungsprogramm stehen neben den bei Großunternehmen üblichen Stressmanagement-Seminaren auch zahlreiche Angebote, die darauf abzielen, die Resilienz, also Widerstandskraft der Mitarbeiter zu stärken – und diese dafür zu sensibilisieren, wann ein „Gefordert-sein“ in ein „Überfordert-sein“’ umschlägt, um einen Burn-out zu vermeiden.

Betriebe entwickeln immer ausgefeiltere Programme

Fakt ist also: Zumindest in den meisten Großunternehmen tut sich etwas. Sie entwickeln stets ausgefeiltere Unterstützungs- und Präventionsprogramme, auch weil sie wissen: In den kommenden Jahren wird es für uns – aufgrund des Fachkräftemangelns – immer schwieriger werden, qualifizierte Arbeitskräfte, die ausfallen, zu ersetzen. Die Nutznießer dieser Unterstützungsmaßnahmen sind denn auch weitgehend die gut und sehr gut qualifizierten Mitarbeiter, die die Unternehmen zu ihren Kernmannschaften zählen.

Anders sieht es bei den gering Qualifizierten aus, die zum Teil zwei, drei Minijobs machen müssen, um sich und ihre Familien über Wasser zu halten. Als Beispiel nennt der Betriebsberater Hans-Jürgen Wittig, Pfungstadt, die Frauen, die spät abends von zuhause weg müssen, um Büros zu putzen oder in Callcentern zu arbeiten, während die Kinder zuhause sind. Oder die bis abends um 10 an den Supermarktkassen sitzen. Um die macht sich, so der ehemalige Gewerkschaftssekretär, in unserer Gesellschaft niemand Gedanken. „Sie müssen schlichtweg funktionieren, denn sie haben weder eine Lobby noch eine Stimme.“ Und in den Artikeln zum Thema Work-Life-Balance auf den Karriereseiten der Illustrierten und Tageszeitungen? Auch dort tauchen sie nicht auf. Denn die haben in der Regel nur die „Young Professionals“ im Blick, die ihre Karriere noch vor sich haben.

* Der Autor ist Inhaber des auf Personal- und Unter-nehmensentwicklungsthemen spezialisierten PR- und Redaktionsbüros Die PRofilBerater, Darmstadt. Email: info@die-profilberater.de

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