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Betriebliche Gesundheitsprävention Macht die moderne Arbeitswelt krank?

| Autor / Redakteur: Bernhard Kuntz / Dipl.-Medienwirt (FH) Matthias Back

Die Zahl der Berufstätigen mit psychischen Problemen steigt. Doch warum? Aufgrund des erhöhten Arbeitsdrucks in vielen Unternehmen? Darüber gehen die Meinungen auseinander. Arbeitgebervertreter betonen: Die Ursachen liegen meist auch im privaten und persönlichen Bereich.

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Burn-out ist meist nicht nur berufsbedingt.
Burn-out ist meist nicht nur berufsbedingt.
(Bild: vege - Fotolia.com)

Die Zahl der Berufstätigen mit psychischen Belastungen oder gar Erkrankungen steigt; ebenso der Zahl der Burn-out-Fälle. Knapp 100.000 kommen laut AOK-Angaben Jahr für Jahr hinzu. Solche Nachrichten kann man seit Jahren in den Medien hören und lesen. Und regelmäßig streiten Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertreter darüber, warum zum Beispiel die Krankheitstage aufgrund eines Burn-Out-Syndroms in acht Jahren auf das 18-fache gestiegen sind.

Der erhöhte Arbeitsdruck und die gestiegene Arbeitsbelastung in den Betrieben sind schuld, betonen in der Regel die Arbeitnehmervertreter unisono. Und die Vertreter der Arbeitgeber? Sie verkünden meist wie Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt, die Berufstätigkeit sei nie die alleinige Ursache für das Entstehen psychischer Erkrankungen. Und es schade der Sache, wenn die Debatte über psychische Gesundheit „mit verzerrten Darstellungen und unberechtigten Vorwürfen“ geführt werde. Die psychischen Störungen hätten nicht zugenommen, sie würden nur häufiger diagnostiziert.

Der job-bedingte Stress ist gestiegen

Wer hat Recht? Was ist die reale Ursache dafür, dass mehr Arbeitnehmer über ihre psychische Belastung klagen? Die veränderte Arbeitswelt spielt hierbei durchaus eine Rolle. Davon ist Stefan Bald, Geschäftsführer der Unternehmensberatung Dr. Kraus & Partner, Bruchsal, überzeugt: „In den meisten Betrieben geht es heute hektischer als früher zu.“ Zudem seien viele Beschäftigungsverhältnisse fragiler geworden. Angefangen bei den gering Qualifizierten, die heute vielfach nur noch Minijobs und Jobs bei Zeitarbeitsfirmen finden. Bis hin zu den Hochqualifizierten, die in den ersten Berufsjahren oft nur Zeitverträge erhalten. Auch diese veränderten Rahmenbedingungen erhöhten die psychische Belastung vieler Arbeitnehmer. Das blendeten viele Arbeitgeber gerne aus.

Doch hierin die alleinige Ursache für die gestiegene Belastung zu sehen, „das greift zu kurz“, betont Bald. „Unser gesamtes Leben hat sich in den zurückliegenden Jahrzehnten verändert.“ So werde heute von den Menschen zum Beispiel insgesamt erwartet, mehr Eigenverantwortung zu zeigen und „private Vorsorge“ zu betreiben. Wir sollen für unser Alter vorsorgen. Wir sollen uns weiterbilden. Wir sollen auf unsere Gesundheit achten. Und, und, und .... Auch das trägt dazu bei, dass die Belastung steigt. Noch entscheidender ist für Bald aber folgender Punkt: „Die Sozialstrukturen in unserer Gesellschaft haben sich gewandelt.“

Unterstützungssystem fehlt zunehmend

Noch vor wenigen Jahrzehnten waren in Deutschland Familien mit drei, vier Kindern gang und gäbe. Und wenn der Nachwuchs erwachsen war und selbst eine Familie gründete? Dann geschah dies meist in einer relativen Nähe zum Elternhaus. „Entsprechend groß war das familiäre Unterstützungssystem, aber auch der über Jahrzehnte gewachsene Freundeskreis, auf den man sich im Bedarfsfall stützen konnte“, betont Bald.

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