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Moleküle auf Oberflächen Ultrareine Oberflächen für molekülspektroskopische Präzision

Quelle: Pressemitteilung Max-Planck-Institut für die Physik des Lichts 3 min Lesedauer

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Die Analyse von Molekülen auf einer Oberfläche ist besonders schwierig. Denn typischerweise sorgen Verschmutzungen für einen verrauschten Hintergrund. Nun haben Forscher eine Methode entwickelt, hochreine Oberflächen zu generieren und Moleküle dort mit bisher unerreichter spektroskopischer Präzision zu untersuchen. Dies bietet neue Möglichkeiten, um Wechselwirkungen zwischen Molekül und Oberfläche zu analysieren.

Künstlerische Darstellung eines optisch angeregten Moleküls auf der Oberfläche eines Kristalls.(Bild:  Alexey Shkarin)
Künstlerische Darstellung eines optisch angeregten Moleküls auf der Oberfläche eines Kristalls.
(Bild: Alexey Shkarin)

Viele optische Quantentechnologien basieren auf Objekten im Nanometerbereich wie Atome oder Moleküle, die stark mit Licht interagieren. Diese Quantenemitter werden zur Erzeugung einzelner Photonen, zur Speicherung von Quanteninformation und zur Verteilung von Verschränkungen genutzt – alles Prozesse, die in der Quantenkommunikation und im Quantencomputing Anwendung finden.

Um diese Emitter einzeln untersuchen zu können, müssen Forscher sie über einen langen Zeitraum an einem Ort halten. Dazu werden sie in der Regel entweder im Vakuum einfangen oder in ein Volumenmaterial eingebettet. Quantenemitter, die auf einer Oberfläche liegen, würden neue Möglichkeiten eröffnen, ihre Funktionen zu manipulieren, indem man sie beispielsweise mit einer atomar scharfen Spitze „berührt“. Solche Spitzen werden unter anderem in der Rastertunnelmikroskopie (STM) und der Rasterkraftmikroskopie (AFM) verwendet.

Bislang war es Wissenschaftlern jedoch nicht gelungen, an Oberflächen gebundene Atome und Moleküle auf eine Weise zu kontrollieren, die ihre quantenoptischen Eigenschaften bewahrt. Der Grund dafür ist einfach beschrieben, aber schwer zu lösen: Oberflächen nehmen leicht Verunreinigungen aus der Umgebung auf, wodurch ein höchst instabile und „verrauschte“ Messhintergrund entsteht. Dieser beeinträchtigt die Eigenschaften der Quantenemitter. Forscher der Abteilung Nanooptik am Max-Planck-Institut für die Physik des Lichts (MPL) haben nun einen Weg gefunden, diese Hürde zu überwinden.

Oberflächenreinigung nahe am absoluten Nullpunkt

Um eine saubere Oberfläche zu erhalten, entwickelte die Gruppe unter der Leitung von Prof. Vahid Sandoghdar, Direktor am MPL und Leiter der Abteilung Nanooptik, einen neuen Ansatz. Die Wissenschaftler nutzten die Tatsache, dass ein organischer Kristall bei Raumtemperatur langsam verdampft. Indem sie einen kleinen Kristall in einen Kryostaten unter Vakuum gelegt hatten, lösten sich die obersten Kristallschichten auf natürliche Weise und nahmen die Verunreinigungen mit. Anschließend wurde der Kristall auf nur wenige Grad Kelvin über dem absoluten Nullpunkt abgekühlt und eine weitere Sublimation gestoppt. Dann verdampften die Forscher Oberflächenmoleküle bei diesen niedrigen Temperaturen mit einem mikrofabrizierten Ofen.

Das Bild zeigt die Vorrichtung mit einem Mikroofen, mit dem Moleküle auf die saubere Oberfläche eines organischen Kristalls im Kryostaten aufgebracht werden können.(Bild:  MPL, Elisabeth Offial)
Das Bild zeigt die Vorrichtung mit einem Mikroofen, mit dem Moleküle auf die saubere Oberfläche eines organischen Kristalls im Kryostaten aufgebracht werden können.
(Bild: MPL, Elisabeth Offial)

„Die Qualität von Quantenemittern lässt sich anhand ihrer Kohärenzzeit bewerten“, sagt Dr. Alexey Shkarin vom MPL. „Diese gibt an, wie lange die Emitter ihre Quanteneigenschaften beibehalten.“ Diese Zeit kann niemals länger sein als die so genannte Fourier-Grenze. Sie wird durch die Zeit bestimmt, die der Emitter benötigt, um seine Energie an seine Umgebung abzugeben.

In verrauschten Umgebungen kann sich die Kohärenzzeit jedoch um das Hundert- oder Tausendfache verkürzen. Durch das Aufbringen ihrer Moleküle auf eine saubere Oberfläche eines Kristalls mit geeigneter Molekülstruktur stellten die Wissenschaftler fest, dass ihre Moleküle durchweg die Fourier-Grenze erreichten – ein Hinweis für eine ruhige und stabil Umgebung. Damit wurde diese grundlegende Grenze erstmals auf einer Oberfläche erreicht.

Kombination mit AFM und STM geplant

In weiteren detaillierten Untersuchungen entschlüsselt die Gruppe verschiedene Wege, wie die Oberfläche das Verhalten der adsorbierten Moleküle beeinflusst: Sie richtet die Moleküle in einer bestimmten Ausrichtung aus, verschiebt ihre Energien und könnte sogar ihre Form oder die Art und Weise, wie die Moleküle schwingen, beeinflussen. „Unsere zukünftige Arbeit wird sich darauf konzentrieren, diese Methode mit AFM und STM zu kombinieren, um eine lokale Kontrolle im Nanometerbereich über einzelne Quantenemitter zu erlangen“, sagt Gruppenleiter Sandoghdar. „Solche Untersuchungen werden einen beispiellosen Einblick in die Eigenschaften von Oberflächen liefern und neue Wege für die Gestaltung von Quantenzuständen der Materie eröffnen.“

Originalpublikation: Masoud Mirzaei et al.: Nano–electron volt Fourier-limited transition of a single surface-adsorbed molecule, Science 392,1384-1389(2026); DOI: 10.1126/science.aeg5014

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