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Studien hinterfragen Binsenweisheit

Macht Salz wirklich durstig?

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Versuche an Mäusen zeigten dann, dass die Substanz Harnstoff (Urea) daran beteiligt sein könnte. Mit Hilfe von Harnstoff entsorgen Muskeln und Leber Stickstoff. In der Niere der Mäuse sammelte sich Harnstoff, dort wirkte es der Wasser-bindenden Kraft von Natrium und Chlorid entgegen. Doch die Synthese von Harnstoff kostet viel Energie. Mäuse, denen salzigere Nahrung verabreicht wurde, hatten größeren Hunger, tranken aber nicht mehr. Auch die menschlichen „Kosmonauten“, die salziges Essen bekamen, klagten über Hunger.

Harnstoff – Mehr als bloßer Abfall

Die neuen Erkenntnisse lassen die Rolle des Harnstoffs in neuem Licht erscheinen. „Harnstoff ist nicht nur ein Abfallprodukt, wie wir bisher angenommen hatten“, sagt Prof. Friedrich C. Luft, von der Charité und dem MDC. „Stattdessen erweist er sich als ein sehr wichtiger Osmolyt – das ist eine Verbindung, die Wasser an sich bindet und so hilft, es zu transportieren. Harnstoff hält das Wasser im Körper, wenn wir Salz ausscheiden. So wird das Wasser zurückgehalten, das sonst durch das Salz in den Urin hineingetragen würde. “

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Die Wasserhomöostase, also das Gleichgewicht von Wasser im Körper, ist für eine Reise zum Mars mindestens so wichtig wie das Leben hier auf der Erde. „Wir müssen diesen Vorgang als eine gemeinsame Anstrengung der Leber, der Muskeln und der Nieren sehen“, sagt Jens Titze. „In der Studie haben wir den Einfluss auf den Blutdruck und andere Aspekte des Herz-Kreislauf-Systems nicht direkt untersucht. Ihre Funktionen sind aber eng mit der Wasserhomöostase und dem Energiestoffwechsel verbunden.“

Anmerkung: Dieses Projekt wurde vor allem durch die Anstrengungen der DLR-Forschung unter Weltraumbedingungen getragen. Natalia Rakova, Dominik N. Müller und Friedrich C. Luft sind Forscherinnen und Forscher des MDC. Korrespondenzautor und Studienleiter ist Jens Titze vom Universitätsklinikum Erlangen-Nürnberg und der Vanderbilt University, an der Friedrich C. Luft eine außerordentliche Professur hält.

Originalpublikationen:

[1] Natalia Rakova, Kento Kitada, Kathrin Lerchl, Anke Dahlmann, Anna Birukov, Steffen Daub, Christoph Kopp, Tetyana Pedchenko, Yahua Zhang, Luis Beck, Bernd Johannes, Adriana Marton, Dominik N. Müller, Manfred Rauh, Friedrich C. Luft, and Jens Titze (2017): Increased salt consumption induces body water conservation and decreases fluid intake. The Journal of Clinical Investigation. doi:10.1172/JCI88530

[2] Kento Kitada, Steffen Daub, Yahua Zhang, Janet D. Klein,Daisuke Nakano, Tetyana Pedchenko, Louise Lantier, Lauren M. LaRocque, Adriana Marton, Patrick Neubert, Agnes Schröder, Natalia Rakova, Jonathan Jantsch, Anna E. Dikalova, Sergey I. Dikalov, David G. Harrison, Dominik N. Müller, Akira Nishiyama, Manfred Rauh, Raymond C. Harris, Friedrich C. Luft, David H. Wassermann, Jeff M. Sands, and Jens Titze (2017): High salt intake reprioritizes osmolyte and energy metabolism for body fluid conservation. The Journal of Clinical Investigation. doi:10.1172/JCI88532

* V. Glaßer: Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft, 13125 Berlin

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