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Studien hinterfragen Binsenweisheit Macht Salz wirklich durstig?

Autor / Redakteur: Vera Glaßer* / Dr. Ilka Ottleben

Von salzigem Essen muss man mehr trinken? – diese Binsenweisheit ist nun widerlegt. Zwei neue Studien zeigen genau das Gegenteil. Als „Kosmonauten“ auf einer simulierten Mission zum Mars mehr Salz zu essen bekamen, erzeugten sie daraufhin mehr Wasser im Körper, tranken sie weniger und benötigten mehr Energie.

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Eine Prise Salz gegen den Durst – Forscher haben die Binsenweisheit, dass man von salzigem Essen mehr trinken muss nun widerlegt.
Eine Prise Salz gegen den Durst – Forscher haben die Binsenweisheit, dass man von salzigem Essen mehr trinken muss nun widerlegt.
(Bild: gemeinfrei)

Berlin – Wie Salz im Essen das Trinkverhalten beeinflusst, wurde nie in einer Langzeitstudie überprüft. Bekannt war bisher lediglich, dass mehr Salz in der Nahrung die Produktion von Urin stimuliert. Diese zusätzliche Flüssigkeit stammt aus Getränken – so die These. Weit gefehlt! sagt nun ein Forschungsteam vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), dem Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC), der Vanderbilt University und weiteren internationalen Kolleginnen und Kollegen. Sie überprüften die alte Weisheit während einer simulierten Marsmission.

Perfekte experimentelle Bedingungen

Salz hat natürlich nichts direkt mit dem Mars zu tun. Wollten Menschen zum Roten Planeten reisen, wäre zwar jeder Tropfen Trinkwasser kostbar und eine Prise Salz im Essen dürfte die Mission nicht gefährden. Wirklich interessant war die Simulation aber für die Forscherinnen und Forscher, weil sie so Ernährung, Wasser- und Salzaufnahme streng kontrollieren und messen konnten.

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Dr. Natalia Rakova und ihr Team von der Charité und dem MDC führte zwei unabhängige Studien an zehn männliche Freiwilligen durch. Die Probanden waren über einen Zeitraum von entweder 105 oder 205 Tagen in einer Raumschiff-Attrappe eingeschlossen. Alle Teilnehmer hatten absolut identische Speisepläne. Im Laufe der Wochen veränderte das Forschungsteam dann stufenweise den Salzgehalt in der Nahrung.

Salziges Essen, weniger Flüssigkeitsaufnahme, höherer Energiebedarf

Das Experiment bestätigt: Kurzfristig verstärkt Salz den Durst. Mehr Salz im Essen führt auch zu einer höheren Salzkonzentration im Harn und einer höheren Gesamtmenge Urin – das war nicht überraschend. Doch die größere Menge Flüssigkeit stammte nicht aus Getränken. Die Probanden tranken sogar insgesamt weniger, wenn sie mehr Salz zu sich nahmen. Das Salz löste in den Nieren einen Wasserspar-Mechanismus aus.

Bisher galt, dass die Natrium- und Chlorid-Ionen, aus denen Salz besteht, an Wassermoleküle binden und diese in den Harn ziehen. Stattdessen zeigten die neuen Ergebnisse, dass das Salz im Harn bleibt, während das Wasser in die Niere und Körper zurücktransportiert wird. Das überraschte das Team um Jens Titze, Professor an der Universität Erlangen-Nürnberg und am Vanderbilt University Medical Center. „Was könnte die Kraft sein, die das Wasser zurück in den Körper treibt“, fragte er sich.

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