Die nächste Grenze fällt. Ein neuer Bericht des Planetary Boundaries Science Lab am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) zeigt, dass mittlerweile sieben der neun kritischen Belastungsgrenzen des Erdsystems überschritten sind. In diesem Jahr ist erstmals der Faktor Ozeanversauerung als kritischer Wert dazugekommen.
Im Gesundheitscheck schneidet die Erde schlecht ab: nur zwei von neun planetaren Belastungsgrenzen sind noch stabil. Bei den übrigen sieben besteht drigender Handlungsbedarf.
(Bild: ideogram.ai / KI-generiert)
Die Erde wirkt unerschütterlich. Doch das Leben darauf basiert auf einem komplexen Zusammenspiel diverser Faktoren. Dieses Gleichgewicht fassen Forscher in Form von neun Planetaren Grenzen des Erdsystems zusammen. Sieben davon sind mittlerweile überschritten, wie ein Team des Planetary Boundaries Science Lab am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) nun gezeigt hat.
„Die Menschheit verlässt ihren sicheren Handlungsraum und erhöht so das Risiko, den Planeten zu destabilisieren“, sagt Johan Rockström, PIK-Direktor und Co-Autor des Berichts. Die sieben überschrittenen Grenzen sind:
Klimawandel
Integrität der Biosphäre
Veränderung der Landnutzung
Veränderung des Süßwasserkreislaufs
Veränderung der biogeochemischen Kreisläufe
Eintrag menschengemachter Substanzen
Ozeanversauerung (neu im Jahr 2025)
Diese sieben Bereiche zeigen dem Forschungsteam zufolge in eine bedenkliche Richtung.
Ozeane im Fokus: siebte planetare Grenze überschritten
Der Planetary Health Check 2025 weist besonders auf eine neue Entwicklung hin: Erstmals gilt auch die planetare Grenze für die Ozeanversauerung offiziell als überschritten. Hauptursache ist die Verbrennung fossiler Energieträger, verstärkt durch Abholzung und Landnutzungswandel. Dadurch verlieren die Meere zunehmend ihre stabilisierende Rolle im Erdsystem.
Mehr als drei Viertel der lebenswichtigen Erdsystem-Funktionen befinden sich nicht mehr im sicheren Bereich.
Johan Rockström, PIK-Direktor
Das Planetary Boundaries Science Lab am PIK hat festgestellt, dass sieben von neun kritischen Grenzen des Erdsystems überschritten wurden, sodass nur noch der Ozonabbau und die Aerosolbelastung innerhalb sicherer Grenzen liegen.
(Bild: PIK, 2025)
Die Folgen sind bereits spürbar: Kaltwasserkorallen, tropische Riffe und arktische Ökosysteme geraten unter Druck. Seit Beginn der Industrialisierung ist der pH-Wert der Ozeanoberfläche um rund 0,1 pH-Werteinheiten gesunken: Das bedeutet eine Zunahme der Versauerung um 30 bis 40 Prozent. Winzige Meeresschnecken, so genannte Flügelschnecken, zeigen bereits Schädigungen an ihren Schalen. Als wichtige Nahrungsquelle für Fische und Wale hat ihr Rückgang Auswirkungen auf ganze Nahrungsketten, mit Folgen auch für die Fischerei und letztlich für den Menschen.
„Die Entwicklung geht eindeutig in die falsche Richtung. Die Ozeane versauern, Sauerstoffwerte sinken, und marine Hitzewellen nehmen zu. Damit wächst der Druck auf ein System, das für stabile Lebensbedingungen auf unserem Planeten unverzichtbar ist“, erklärt Levke Caesar, Co-Leiterin des Planetary Boundaries Science Lab und Leitautorin des Berichts.
In 90 Sekunden gibt PIK-Direktor Johan Rockström einen ersten Einblick in den aktuellen Planetary Health Check und fasst die Kernaussage zusammen (Youtube-Kanal von Planetary Boundaries Science):
Gesundheitscheck des Planeten offenbart dringenden Handlungsbedarf
Die neun planetaren Grenzen bilden die Funktionsweise des Erdsystems ab. Es ist ein Netzwerk miteinander verbundener lebenswichtiger Prozesse, das innerhalb sicherer Limits bleiben muss, damit die Menschheit sicher leben kann und die Natur widerstandsfähig bleibt. Wissenschaftler beobachten diese Grenzen anhand zentraler Indikatoren, ähnlich den Vitalzeichen in einem Gesundheitscheck, um die Lage des Planeten zu erfassen. Die Ergebnisse zeigen, dass sich der Zustand der Erde weiter verschlechtert und das Risiko für irreversible Veränderungen steigt, einschließlich einer höheren Gefahr, Kipppunkte zu überschreiten.
Wenn Feinstaub der Silberstreifen am Horizont ist
Nur zwei Grenzen liegen noch im sicheren Bereich: die Belastung durch Aerosole, also Luftverschmutzung, und die Ozonschicht. Jahrzehntelanges internationales Handeln – etwa das Montreal-Protokoll oder strengere Regeln im Schiffsverkehr – zeigt, dass politische Maßnahmen Veränderungen erwirken können. Die globale Luftverschmutzung geht den Forschenden zufolge zurück, auch wenn Süd- und Ostasien sowie Teile Afrikas und Lateinamerikas nach wie vor in sehr großem Umfang von Feinstaubbelastung betroffen sind. Die Ozonschicht hingegen hat sich weitgehend erholt.
„Der neue planetare Gesundheitscheck zeigt: Der Zustand unseres Planeten verschlechtert sich massiv. Doch diese Entwicklung ist nicht unausweichlich“, resümiert PIK-Direktor Rockström. „Beispiele wie der Rückgang der Luftverschmutzung durch Aerosole und die Erholung der Ozonschicht zeigen, dass wir die globale Entwicklung umsteuern können. Auch wenn die Diagnose ernst ist, besteht weiterhin die Chance diese Entwicklung umzukehren. Scheitern ist kein zwangsläufiger Ausgang, es liegt an uns, es zu verhindern.“
Stand: 08.12.2025
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Originalpublikation: Planetary Boundaries Science (PBScience): Planetary Health Check 2025, Potsdam Institute for Climate Impact Research (PIK)