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Auszeichnung Otto-Hahn-Medaille für Nachwuchswissenschaftler

Redakteur: Doris Neukirchen

Die Nachwuchswissenschaftler Patrick Müller und Alexander Stein vom Göttinger Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie erhielten die Otto-Hahn-Medaille für das Jahr 2007.

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Göttingen – Mit der Auszeichnung würdigt die Max-Planck-Gesellschaft jährlich bis zu 40 herausragende wissenschaftliche Leistungen junger Forscher. Die Otto-Hahn-Medaille ist mit 5000 Euro dotiert und bietet den Preisträgern auch die Möglichkeit, für ein Jahr ins Ausland zu wechseln.

Signalsystem der Zelle

Dr. Patrick Müller wurde für seine Forschung über ein Signalsystem der Zelle geehrt, das unter anderem bei frühen Entwicklungsprozessen eine wichtige Rolle spielt. Das von Müller untersuchte Signalsystem wird nicht nur während der Embryonalentwicklung benötigt. Es ist auch lebenswichtig, damit Blutzellen sich richtig ausbilden und das Immunsystem funktioniert. Ist das Signalsystem gestört, kann dies beim Menschen zu Leukämien oder Lymphomen führen.

Kombinantion verschiedener Untersuchungsmethoden

Durch geschicktes Kombinieren genetischer und molekularer Untersuchungsmethoden führte Müller erstmals im gesamten Erbgut der Taufliege Rasterfahndungen nach Genen durch, die für diesen Signalweg bedeutsam sind. Er konnte rund 100 Gene identifizieren, die dieses Signalübertragungssystem regulieren. Rund 60 dieser Gene übernehmen beim Menschen ganz ähnliche Funktionen wie bei der Taufliege. Die Fehlfunktion eines bestimmten Gens könnten sowohl bei der Fliege als auch beim Menschen die Ursache von Blutzelltumoren sein. Müllers Ergebnisse könnten so zukünftig dazu beitragen, Erkrankungen, die auf Störungen dieses Signalsystems beruhen, besser zu diagnostizieren und zu behandeln.

Signalübertragung zwischen Nervenzellen

Dr. Alexander Stein erhielt die Auszeichnung für seine Arbeiten auf dem Gebiet der Signalübertragung zwischen Nervenzellen. Signale werden zwischen Nervenzellen durch Botenstoffe übertragen, die von der Senderzelle abgegeben und von der Empfängerzelle erkannt werden. Im Zellinneren werden die Botenstoffe in winzigen membranumschlossenen Bläschen (Vesikel) gespeichert. Soll ein Signal weitergegeben werden, verschmelzen die Vesikel mit der Zellmembran. Bei dieser Fusion werden die Botenstoffe freigesetzt und lösen in der empfangenden Zelle ein Signal aus. Der gesamte Vorgang dauert nur wenige 10 000stel Sekunden. Gesteuert wird dieser Prozess durch eine Erhöhung von Kalzium in der Nervenzelle.

Rekonstruktion der Membranfusion

Dem Nachwuchswissenschaftler gelang es, einzelne Reaktionsschritte der Membranfusion im Reagenzglas zu rekonstruieren. Er erhielt daraus wichtige neue Erkenntnisse, wie dieser Vorgang mit Hilfe bestimmter Proteine reguliert wird. Darüber hinaus gelang es Stein, die Rolle des Synaptotagmins bei der Membranfusion genauer aufzuklären. Die neuen Ergebnisse des jungen Forschers sind nicht nur für die Neurobiologie, sondern für die gesamte Zellbiologie von Bedeutung: Die Membranverschmelzung ist ein elementarer Vorgang, der bei vielen biologischen Vorgängen wiederkehrt, z.B. bei der Verschmelzung von Eizelle und Spermium oder beim Eindringen eines Virus in seine Wirtszelle.

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