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Forschungsprojekt mit 1,8 Mio. Euro gefördert

Projekt: Bierbraurückstände sinnvoll nutzen

| Redakteur: Marc Platthaus

Rückstände des Brauprozess können nicht nur als Tierfutter eingesetzt werden.
Rückstände des Brauprozess können nicht nur als Tierfutter eingesetzt werden. (Bild: gemeinfrei / CC0)

Mehr als 400.000 Tonnen Rückstände fallen im Jahr europaweit durch das Brauen von Bier an. Ein Teil davon wird als Tierfutter wiederverwertet. Wie der Rest des Abfalls nachhaltig genutzt werden kann, etwa als Rohstoff für die Chemie-Industrie oder als Quelle für pharmakologische Wirkstoffe, damit beschäftigt sich ein Projekt an der TU Kaiserslautern, der Saar-Uni gemeinsam mit weiteren internationalen Partnern.

Kaiserslautern – Beim Bierbrauen setzen Hefen die im Malz enthaltenen Zucker während der Gärung zu Alkohol und Kohlendioxid um. Weitere Bestandteile aus dem Getreidemalz benötigen die Mikroorganismen, um zu wachsen und sich zu vermehren. Trotzdem fällt beim Brauen viel Abfall an. „In diesen Rückständen, in Fachkreisen auch Treber genannt, stecken noch viele wertvolle Inhaltstoffe“, sagt Professorin Dr. Elke Richling, die an der Technischen Universität Kaiserslautern zur Lebensmittelchemie und Toxikologie forscht. Gemeinsam mit ihren Kaiserslauterer Kollegen Professor Dr. Werner Thiel und Professor Dr. Roland Ulber wird sie untersuchen, wie diese Abfälle künftig nachhaltig und ressourcenschonend genutzt werden können.

Prof. Roland Ulber (li.), Prof. Elke Richling und Prof. Werner Thiel erforschen, wie Braurückstände sinnvoll genutzt werden können.
Prof. Roland Ulber (li.), Prof. Elke Richling und Prof. Werner Thiel erforschen, wie Braurückstände sinnvoll genutzt werden können. (Bild: Thomas Koziel)

Wie können die Fette im Treber genutzt werden?

Professor Thiel beschäftigt sich mit den Fetten, die im Treber enthalten sind und die letztendlich aus den Gerstenkeimen stammen. „In ihnen sind zum Beispiel viele ungesättigte Fettsäuren enthalten, die die Hefen bei der Gärung nicht brauchen“, sagt Thiel, der den Lehrstuhl für Anorganische Chemie innehat. Diese Stoffe möchte das Team um den Chemiker zunächst genauer identifizieren. In einem nächsten Schritt möchte es daraus Produkte für die Industrie aufbereiten. „Zum Beispiel lässt sich daraus Glyzerin gewinnen, das in der chemischen Industrie vielseitig einsetzbar ist; aus den ungesättigten Fettsäuren kann man Vorprodukte für die Kunststoffherstellung erhalten“, fährt der Professor fort. „Für diese Fragestellungen werden wir die nötigen Katalysatoren entwickeln.“

Was passiert, wenn die Rückstände weiter fermentiert werden?

Professor Ulber vom Lehrgebiet Bioverfahrenstechnik wird beispielsweise untersuchen, welche Substanzen anfallen, wenn die Rückstände weiter fermentiert werden. „Wir nutzen dazu verschiedene Mikroorganismen wie Pilze und Bakterien“, sagt der Professor, der sich an der TU Kaiserslautern auch in der Brau AG engagiert. „Die dabei anfallenden Stoffe wird im Anschluss Professorin Richling genauer unter die Lupe nehmen.“

Zunächst wird die Professorin für Lebensmittelchemie und Toxikologie alle Substanzen oder Extrakte, die ihre Kollegen aus den Rückständen gewinnen, toxikologisch untersuchen. „Wir müssen uns rückversichern, dass von den Stoffen keinerlei Gefahr für die Gesundheit ausgeht“, sagt sie. Außerdem wird sich die Forscherin näher damit beschäftigen, wie die Substanzen den Zuckerstoffwechsel des Menschen beeinflussen. „Es gibt einige Hinweise darauf, dass verschiedene Stoffe aus dem Treber die Aufnahme von Zucker ins Blut unterbinden“, so Richling weiter. „Das werden wir überprüfen und uns anschauen, welchen Einfluss sie haben.“

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Am Forschungsvorhaben sind auch Professor Claus Jacob von der Universität des Saarlandes sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Luxemburg, Lothringen und Lüttich beteiligt.

Das Projekt wird von Lüttich aus koordiniert. EFRE fördert das Vorhaben im Rahmen seiner Interreg-Initiative. Wichtig hierbei ist, dass es für kleine und mittlere Unternehmen der Region, wie etwa für viele kleine Brauereien in Belgien, einen wirtschaftlichen Nutzen liefern kann. Aber auch lokale Brauereien aus der Region können davon profitieren. So bekundeten die Brauereien Karlsberg aus dem saarländischen Homburg sowie die beiden pfälzischen Brauereien Bischoff aus Winnweiler und Park&Bellheimer aus Bellheim bereits ihr Interesse an dem Projekt.

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Das Projekt „Bioval“ geht im April an den Start und hat insgesamt ein Budget von über drei Millionen Euro, EFRE fördert es mit rund 1,84 Millionen Euro, davon gehen über 817.000 Euro an die TU. Derzeit gibt es an der TU Kaiserslautern fünf Projekte, die durch EFRE mit insgesamt über 2,6 Millionen Euro gefördert werden.

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