Stress wirkt sich bereits im Mutterleib auf die Entwicklung unseres Gehirns aus und könnte im späteren Leben die Entstehung von psychischen und verhaltensauffälligen Erkrankungen begünstigen. Das haben Forscher anhand des nach ihren Angaben ersten humanen Modellsystems auf der Grundlage menschlicher Gehirnorganoide untersucht.
Menschliches Gehirnorganoid mit Ventrikeln, die aus neuralen Vorläuferzellen (grün) und neugeborenen Neuronen (grau) bestehen
(Bild: MPI/Anthi Krontira)
München – Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie konnten erstmals zeigen, dass Gehirnorganoide ein geeignetes Modellsystem sind, um zu erforschen, wie sich Stress auf die menschliche Gehirnentwicklung auswirkt. Die Simulation einer stressigen Umwelt beeinträchtigt die neuronale Entwicklung in den Gehirnorganoiden und führt zu einer Aktivierung von Genen, die mit verschiedenen psychischen Erkrankungen wie Depression in Verbindung stehen.
Einblicke in die Entwicklung des Gehirns
Zu viele Stresshormone während der Schwangerschaft, hervorgerufen durch Umweltfaktoren wie Stress der Mutter im Rahmen einer psychiatrischen Erkrankung oder durch die Gabe synthetischer Stresshormone zur Beschleunigung der Lungenreifung, können Auswirkungen auf die Gehirnentwicklung des Kindes vor der Geburt haben. Dies kann im späteren Leben zu einem erhöhten Risiko für psychische Erkrankungen führen.
Wissenschaftler unter der Leitung von Elisabeth Binder, Direktorin des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie, zeigten in ihrer Studie, dass menschliche Gehirnorganoide ein geeignetes Modellsystem sind, um die Auswirkungen von Stresshormonen auf die Gehirnentwicklung zu untersuchen. Zusätzlich zu Tiermodellen können menschliche Gehirnorganoide weitere Einblicke in die Entwicklung des Gehirns und das molekulare Stresssystem des menschlichen Fötus geben.
Interaktion von Genen und Umweltbedingungen
Die Wissenschaftler behandelten die Gehirnorganoide mit einem synthetischen Stresshormon, um negative Umwelteinflüsse in der Zellkulturschale zu simulieren. Sie stellten fest, dass das Stresshormon das Ablesen neuronenspezifischer Gene verändert und dadurch die neuronale Reifung in den Gehirnorganoiden beeinträchtigt. „Gehirnorganoide ermöglichen es uns, die Interaktionen zwischen den Genen und den Umweltbedingungen in einem 3D-Modell zu untersuchen“, erklärt Cristiana Cruceanu, Erstautorin der Studie. „Bisher hat uns dieses System geholfen, die Mechanismen zu verstehen, die mit dieser Stressbelastung zusammenhängen. Zukünftig können wir dieses Modellsystem nutzen, um nach Substanzen zu suchen, die den negativen Effekten einer schädlichen Umwelt entgegenwirken.“
Stress als Auslöser psychischer Erkrankungen?
Das Forscherteam fand zudem heraus, dass sich die Aktivierung des Stresssystems auf Gene auswirkt, die mit psychischen und verhaltensauffälligen Erkrankungen in Verbindung stehen. Das molekulare Stresssystem verschiebt also das natürliche Entwicklungsgleichgewicht im Gehirn, indem es Gene reguliert, die für die neuronale Entwicklung wichtig sind und die an Erkrankungen des Gehirns beteiligt sind. „Mit den Gehirnorganoiden können wir die Effekte von Stresshormonen auf die frühe Gehirnentwicklung untersuchen und biologische Prozesse identifizieren, die bei der Entstehung von psychischen Erkrankungen eine Rolle spielen“, resümiert Cruceanu.
Gehirnorganoide werden aus erwachsenen Zellen hergestellt: Menschliche Zellen aus der Haut oder dem Blut werden zu pluripotenten Stammzellen umprogrammiert; diese werden so angeregt, dass sie zu Zellen reifen – oder in diesem Fall 3D-Gewebestrukturen – die bei der Gehirnentwicklung eine Rolle spielen.
Gehirnorganoide bestehen aus Neuronen, neuronalen Vorläuferzellen und nicht-neuronalen Vorläuferzellen, die die dreidimensionale Struktur unterstützen. Das hier beschriebene molekulare Stresssystem bezeichnet ein Stresshormon (entweder Cortisol oder das synthetische Glucocorticoid Dexamethasone), seinen Rezeptor (den Glucocorticoid-Rezeptor) und die molekulare Maschinerie, die zur Ablesung von Zielgenen führt. Die Aktivierung des Glucocortocoidsystems stellt einen wichtigen Umwelteinfluss dar.
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel Communications Group GmbH & Co. KG, Max-Planckstr. 7-9, 97082 Würzburg einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.
* A. Schlee: Max-Planck-Institut für Psychiatrie, 80804 München