English China

Quantentechnologie Quantenkommunikation mit auf links gedrehten Photonenpulsen

Quelle: Pressemitteilung TU Wien 3 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Mit der Quantenmechanik könnten sichere Kommunikationskanäle entwickelt werden. Doch die Informationsübertragung per Photonen ist fehleranfällig. Abhilfe könnte eine neue Übertragungstechnik schaffen, bei der die Pulsform des Photons angepasst ist – für eine zuverlässige Quantenkommunikation.

Besonderheit bei der Informationsübertragung per Quantentechnik: Das Photon verändert während der Propagation seine Form(Bild:  Oliver Diekmann / TU Wien)
Besonderheit bei der Informationsübertragung per Quantentechnik: Das Photon verändert während der Propagation seine Form
(Bild: Oliver Diekmann / TU Wien)

Die allermeisten modernen Quantentechnologien – von der Quantenkryptographie über das Quanteninternet bis hin zum Quantencomputer – beruhen auf einem unverzichtbaren Grundelement: der Übertragung von Photonen. Zwei Qubits (etwa zwei Atome) tauschen dabei Information aus. Ein Qubit sendet ein Photon, das andere Qubit absorbiert es.

Dieser Prozess funktioniert allerdings nicht perfekt. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Photon tatsächlich absorbiert wird, liegt deutlich unter hundert Prozent. Mit herkömmlichen Methoden lässt sich höchstens eine Erfolgsrate von rund 54 Prozent erreichen – in fast der Hälfte aller Fälle geht das Photon verloren. Ein Team der TU Wien unter Leitung von Prof. Stefan Rotter hat nun einen Vorschlag entwickelt, wie sich dieses Problem lösen lässt: Die Form des Photons muss umgekehrt werden – und das gelingt mit einem recht einfachen Trick.

Quantenteilchen und Glockenschläge

„Wenn ein Qubit ein Photon aussendet, darf man sich das Photon nicht als winziges Teilchen vorstellen, das einfach herausgeschossen wird“, sagt Dr. Zeyu Kuang vom Institut für Theoretische Physik der TU Wien. „Das Photon ist eine Welle, und eine Welle hat eine bestimmte Form und eine bestimmte Ausdehnung.“

Bei Schallwellen ist das genauso: Wenn man mit einem Hammer auf eine Glocke schlägt, dann wird die Schallwelle nicht nur zu diesem einen ganz bestimmten Zeitpunkt erzeugt, sondern der Klang hält eine Weile an. Beim Hammerschlag ist die Schallwelle am kräftigsten, danach klingt sie sanft ab.

Die Welle, die entsteht, wenn ein Photon von einem Qubit emittiert wird, hat eine ähnliche Form: Am Anfang ist sie stark ausgeprägt, danach klingt sie exponentiell ab. Man könnte sagen, die Welle des Photons sieht „zackenförmig“ aus (vgl. Bild oben).

Photonenpuls geschickt anpassen

Diese „Photonenzacke“ bewegt sich nun vom ersten Qubit weg und kann gezielt durch einen Wellenleiter zum zweiten Qubit geführt werden, wo sie absorbiert werden soll. Die Absorptionswahrscheinlichkeit hängt allerdings von der Wellenform des Photons ab. Und genau diese „Zackenform“ – anfangs kräftig, danach abklingend – passt schlecht zu jener Wellenform, die das zweite Qubit am effizientesten absorbieren kann. Ein zeitumgekehrter Puls wäre wesentlich besser geeignet: Er steigt allmählich an und erreicht sein Maximum erst am Ende.

„Das folgt aus der Zeitumkehrsymmetrie in der Quantenmechanik“, erklärt Oliver Diekmann, Projektassistent in Rotters Team. „Unter idealen Bedingungen ist die Quantendynamik umkehrbar. Wenn ein Qubit ein Photon mit einer bestimmten Wellenform perfekt emittiert, dann sagt uns der zeitumgekehrte Prozess, welche Wellenform dieses Qubit perfekt absorbieren kann.“

Umgekehrter Puls für bis zu 100% Übertragungsquote

Für das Team der TU Wien stellte sich daher die Frage: Wie lässt sich die zeitliche Wellenform des Photons umkehren? „Im Vakuum breitet sich Licht immer mit exakt derselben Geschwindigkeit aus, nämlich mit Lichtgeschwindigkeit“, sagt Studienleiter Rotter. „In einem optischen Wellenleiter ist das aber nicht zwangsläufig der Fall. Unterschiedliche Frequenzkomponenten der Welle breiten sich schneller aus als andere – mathematisch wird das durch die so genannte Dispersionsrelation beschrieben.“ Auf dieser Idee aufbauend schlagen die Forschenden vor, die beiden Qubits in einem Wellenleiter zu platzieren und dessen Dispersionsrelation so zu gestalten, dass sich die Wellenform eines emittierten Photonenpulses exakt umkehrt – wodurch theoretisch eine Absorptionswahrscheinlichkeit von hundert Prozent möglich wird.

„Wir haben berechnet, wie sich dieses Ziel erreichen lässt, und den Prozess am Computer simuliert“, sagt Prof. Carlos Gonzalez-Ballestero. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass der erforderliche Aufbau technisch umsetzbar sein sollte. Dieser passive Ansatz könnte die Absorption von Photonen durch Qubits deutlich verbessern und damit die Effizienz vieler Quantentechnologien steigern.“

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Originalpublikation: Zeyu Kuang, Oliver Diekmann, Lorenz Fischer, Stefan Rotter, and Carlos Gonzalez-Ballestero: Passive Quantum State Transfer in a Dispersion-Engineered Waveguide, Phys. Rev. Lett. 137, 103605 (2026); DOI: 10.1103/m2md-rxkv