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Luftschadstoff Ozon

Rekordsommer 2018: Wo bleiben eigentlich die Ozon-Warnungen?

| Autor: Dr. Ilka Ottleben

In diesem Jahr scheint der Sommer in vielen Teilen Deutschlands kein Ende zu nehmen. Gerade rollt wieder eine Hitzewelle über das Land hinweg. Doch eigentlich gehörten zu solchen Hitzesommern doch regelmäßige Ozon-Warnungen in Funk, Fernsehen und Zeitungen? Wo bleiben die in diesem Jahr? Kann ich trotz Hitze draußen Sport treiben oder nicht? Haben Diesel-Skandal und Feinstaub-Diskussion das Thema Ozon etwa verdrängt? Keinesfalls...

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Das farblose und giftige Gas Ozon gehört zu den wichtigsten Spurengase in der Atmosphäre. Bodennahes Ozon kann die Gesundheit von Menschen beeinträchtigen (Symbolbild).
Das farblose und giftige Gas Ozon gehört zu den wichtigsten Spurengase in der Atmosphäre. Bodennahes Ozon kann die Gesundheit von Menschen beeinträchtigen (Symbolbild).
(Bild: gemeinfrei)

Würzburg – „In Stadt XY werden heute wieder hohe Ozonkonzentrationen erreicht. Es wird empfohlen, anstrengende Tätigkeiten oder Sport auf die frühen Morgen- und Abendstunden zu verlegen“. So oder so ähnlich warnten uns die Behörden in den Sommern der letzten Jahre regelmäßig vor der Gesundheitsgefahr durch Ozon in der Luft. Gefühlt spätestens ab drei Tagen Sommerhitze, waren diese Ozon-Warnungen im Radio, in der Zeitung und im Fernsehen allgegenwärtig. Selbst die noch so kleine Kleinstadt installierte elektronische Anzeigen, die neben Temperatur und Luftfeuchte auch den aktuellen Ozon-Wert für Jeden sichtbar machten. Und jetzt? Deutschland ächzt gerade unter einer erneuten Hitzewelle, aber im Radio, in der Zeitung – lange Zeit vielerorts nichts. Werden wir womöglich nicht mehr informiert, weil Feinstaub & Co. in der aktuellen Diskussion allen Raum einnehmen und als die bedeutenderen Gefahren für die Luftqualität angesehen werden? Mitnichten.

300 Messstationen überwachen die Ozonkonzentration der Luft

Bodennahes Ozon wird nicht direkt freigesetzt, sondern bei intensiver Sonneneinstrahlung durch photochemische Prozesse aus Vorläuferstoffen gebildet. Diese können aus natürlichen Quellen stammen oder menschengemacht sein. Wichtige Vorläuferstoffe für bodennahes Ozon sind z.B. Stickstoffoxide und flüchtige organischen Verbindungen.

In Deutschland wird an rund 300 Messstationen täglich die Ozonkonzentration in der Luft gemessen und von den zuständigen Behörden der Länder zeitnah im Internet veröffentlicht. Das Umweltbundesamt (UBA) veröffentlicht aktuelle Ozondaten für ganz Deutschland, übersichtlich in Kartenform und als Tabellen. Zudem veröffentlicht das Amt deutschlandweite Ozonvorhersagen für den aktuellen Tag und die beiden Folgetage. Bei zu erwartenden erhöhten Ozonkonzentrationen über 180 µg/m3 wird die Öffentlichkeit auch über die besagten Ozon-Warnmeldungen informiert

Weniger Überschreitungen bei den Ozon-Spitzenwerten

Der Blick in diese Daten zeigt: Wir werden nicht nicht mehr informiert, sondern tatsächlich gab es weniger Überschreitungen der alarmierenden Spitzenwerte. Und das schon seit einigen Jahren: Nach Angaben des Umweltbundesamtes haben „die Höhe der Ozon-Spitzenkonzentrationen und die Häufigkeit sehr hoher Ozonwerte seit 1990 deutlich abgenommen.“ Das liege z.T daran, dass „verglichen mit dem Jahr 1990 die Emissionen der Ozonvorläuferstoffe (Stickstoffoxide und flüchtige organische Verbindungen ohne Methan) in Deutschland bis 2015 um 59% bzw. 70% zurückgegangen“ sind, so das UBA.

Ozon-Zielwert wird weiterhin überschritten

Alles gut also? Das kann man so nicht sagen. Der Zielwert für 2010 für den Schutz der menschlichen Gesundheit werde weiterhin überschritten. Seit 2010 gibt es zum Schutz der menschlichen Gesundheit für Ozon einen europaweit einheitlichen Zielwert von 120 Mikrogramm pro Kubikmeter als Acht-Stunden-Mittel. Dieser Wert sollte nicht öfter als 25-mal pro Kalenderjahr, gemittelt über drei Jahre, überschritten werden. Und das ist bei uns in Deutschland offenbar nach wie vor der Fall. Auch nahmen im Unterschied zu der Entwicklung der Spitzenwerte die Ozon-Jahresmittelwerte seit 1990 zu, so das UBA. Diese Jahresmittelwerte spielten aber „bei der Bewertung der Belastung [durch Ozon] eine nachgeordnete Rolle.“

Viele Menschen leiden bei hohen Ozonkonzentration unter gereizten, tränenden Augen und Schleimhäuten bzw. Atemwegen, Husten und Kopfschmerzen. Die Empfindlichkeit gegenüber Ozon ist dabei individuell sehr unterschiedlich ausgeprägt.

Übrigens: In den Ozon-Warnmeldungen wird häufig vor körperlicher Aktivität und Sport im Freien gewarnt. Laut UBA ist die erwähnte Augen- und Schleimhaut-reizende Wirkung von Ozon jedoch von der körperlichen Aktivität weitgehend unabhängig. Ihr Ausmaß werde hingegen primär durch die Aufenthaltsdauer in der ozonbelasteten Luft bestimmt.

Über das UBA finden Sie detaillierte Informationen zu Ozon mit allen jährlichen Auswertungen für die Jahre 1995 bis 2017 und zur Entwicklung der Ozon-Belastung und der gesundheitsschädlichen Wirkung von Ozon sowie natürlich zu anderen Luftschadstoffen.

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Dr. Ilka Ottleben

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