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Auflösung von Röntgenbildern verbessern Röntgenblitze so schnell, dass sie verursachte Schäden teils heilen

Quelle: Pressemitteilung Universität Hamburg 4 min Lesedauer

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Mittels Röntgenbildgebung lassen sich einzelne Moleküle analysieren. Doch die Strahlung schädigt die Probenmoleküle und damit die Bildauflösung. Um den Schaden klein zu halten verringert man bislang die Strahlungsdosis. Doch eine neue Technik erreicht höhere Auflösung stattdessen durch ultrakurze Röntgenpulse, die entstandene Schäden teils sogar revidieren.

Wenn intensive Röntgenstrahlen auf eine Probe treffen, reißen sie die Elektronen normalerweise aus ihrem ursprünglichen Zustand heraus. Attosekundenpulse durchbrechen diesen Zyklus, indem sie der üblichen Schadenskaskade davonlaufen. Die stimulierte Emission führt dazu, dass die Elektronen durch die Röntgenstrahlen teilweise zurück in ihren ursprünglichen Zustand gedrückt werden.(Bild:  Stacy Huang)
Wenn intensive Röntgenstrahlen auf eine Probe treffen, reißen sie die Elektronen normalerweise aus ihrem ursprünglichen Zustand heraus. Attosekundenpulse durchbrechen diesen Zyklus, indem sie der üblichen Schadenskaskade davonlaufen. Die stimulierte Emission führt dazu, dass die Elektronen durch die Röntgenstrahlen teilweise zurück in ihren ursprünglichen Zustand gedrückt werden.
(Bild: Stacy Huang)

Röntgenstrahlen sind ionisierende Strahlung und können praktisch jegliche Materie schädigen. Deshalb versuchen Radiologen, die Röntgendosis bei Röntgenaufnahmen so niedrig wie möglich zu halten, um Gewebeschäden zu vermeiden. Die Dosis muss aber so hoch wie nötig sein, damit das Bild hell genug ist, um ausreichend Details für eine Diagnose abbildet. Dieses Kompromissprinzip prägt die Röntgenbildgebung seit Jahrzehnten.

Forschende, die chemische Reaktionen in einzelnen Molekülen und Nanopartikeln abbilden wollen, stehen vor einer weitaus extremeren Version desselben Problems. Um etwas so Kleines und Flüchtiges wie eine Reaktion in einem Cluster von Atomen einzufangen, müssen sie das Probenmaterial mit einer großen Anzahl von Röntgenphotonen in einem extrem kurzen Stoß bestrahlen. Die fortschrittlichsten Geräte dafür – Röntgenstrahlung-Freie-Elektronen-Laser (XFELs) – erzeugen Blitze, die kurz genug sind, um der physikalischen Zerstörung der Probe „davonzulaufen“. Doch selbst diese kurzen Pulse reißen Elektronen aus den Atomen und verwandeln eine feste Struktur in eine Wolke aus Ionen und Elektronen, noch bevor ein nutzbares Bild aufgenommen werden kann. Dieses so genannte „elektronische Bleichen“ gilt als unvermeidliche Grenze für hochauflösende Röntgenbildgebung. Die gebleichte Probe wird für Röntgenstrahlen durchlässig, und dadurch verschlechtern sich die Bildqualität und Auflösung.

In einer aktuellen Studie berichtet ein internationales Forschungsteam unter Leitung der Universität Hamburg und des SLAC National Accelerator Laboratory über einen Weg, dieses Bleichen zu mindern, selbst wenn die Röntgendosis in extreme Bereiche getrieben wird.

Blitze, schneller als die Ionisierung

Für die neue Methode der Röntgenbildgebung beleuchteten die Forschenden Neon-Nanopartikel mit neu verfügbaren Röntgenpulsen, die nur wenige hundert Attosekunden dauerten. Diese Pulse waren damit etwa hundert bis tausendmal kürzer als die bei früheren FEL-Bildgebungsexperimenten verwendeten. Durch das Abstimmen dieser ultraschnellen Blitze nahe der Neon-K Kante (einer Energie, bei der Neon-Atome besonders stark auf Röntgenstrahlung reagieren) machten die Forschenden eine unerwartete Beobachtung: Die extrem kurzen Pulse überholten nicht nur den Schaden der Probe effektiver, sondern kehrten sogar einen Teil davon aktiv um, während die Bestrahlung noch lief.

„Wenn intensive Röntgenstrahlen auf eine Probe treffen, reißen sie die Elektronen normalerweise aus ihrem ursprünglichen Zustand heraus. Laut Lehrmeinung lässt sich dieser Schaden, sobald er ausgelöst wurde, während der Bestrahlung nicht rückgängig machen“, sagt Anatoli Ulmer, der Erstautor der Studie. „Attosekunden-Skalen-Pulse durchbrechen diesen Zyklus, indem sie der üblichen Schadenskaskade davonlaufen. Außerdem beobachteten wir einen konkurrierenden Prozess der stimulierten Emission. Dabei werden die Elektronen durch die Röntgenstrahlen teilweise zurück in ihren ursprünglichen Zustand gedrückt. Die stimulierte Emission verringert also das elektronische Bleichen aktiv.“

Angeregte Elektronen wieder einfangen

Um den Effekt der stimulierten Emission einzugrenzen, hat das Team die Wirkung von 300 Attosekunden kurzen Pulsen mit Pulsen verglichen, die bei ähnlicher Helligkeit 50-mal länger dauerten. Wenn die Pulse sehr kurz sind, können viele Mechanismen, die für das Bleichen verantwortlich sind, gar nicht erst beginnen. Die längeren Pulse erzeugten eine heiße, dichte Wolke freier Elektronen. Obwohl sich die Ionen selbst kaum bewegen, verwischt dieses Nanoplasma letztlich die strukturellen Informationen der Probe.

Im Gegensatz dazu spiegeln die ultraschnellen Pulse eher Elektronen, welche noch an ihre Ursprungsionen gekoppelt waren. Dadurch entstand ein Bild, das die Probe wesentlich genauer widerspiegelt – so wie sie existierte, bevor die Röntgenstrahlen eintrafen.

Zusätzlich war das Röntgensignal von den Attosekundenpulsen wesentlich stärker, obwohl die Probe weniger ionisiert wurde. „Wir waren sehr überrascht zu sehen, dass hellere Bilder mit weniger Schaden einhergehen“, sagt Tais Gorkhover, Professorin an der Universität Hamburg und Forscherin im Exzellenzcluster „CUI: Advanced Imaging of Matter“. Es sei ein bisschen so, als würde man immer mehr Sonnenlicht von einem Metalldach reflektieren, ohne dass das Dach dabei wärmer wird, vergleicht sie. Dieser Effekt lässt sich aber über stimulierte Emission theoretisch nachvollziehen. Elektronen können von Röntgenlicht wieder näher zu ihren ursprünglichen Ionen gebracht werden, wenn das Bleichen noch nicht weit fortgeschritten ist.

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Strahlungsschäden aktiv reduzieren

Das Ergebnis stellt den bisherigen, eher passiven Ansatz zur Verbesserung der Röntgenbildgebung neu in den Fokus. Anstatt den Schaden als eine Art Wettlauf zu betrachten, den man allein durch kürzere Belichtungszeiten oder begrenzte Röntgendosen gewinnt, legen die Befunde nahe, dass die Wechselwirkung zwischen Röntgenstrahlen und Materie aktiv gesteuert werden kann: Dasselbe intensive Licht, das den Schaden verursacht, wirkt diesem auch teilweise entgegen.

„Diese Arbeit weist auf eine Zukunft hin, in der wir die Röntgenantwort von Materie maßschneidern können, indem wir die ultraschnelle Elektronendynamik kontrollieren und letztlich beeinflussen, wie Röntgenstrahlen in Materialien absorbiert, gestreut und weitergeleitet werden“, sagt Phay Ho, einer der leitenden Wissenschaftler der Studie.

Originalpublikation: A. Ulmer, P. J. Ho, B. Langbehn et al.: Nonlinear reversal of photoexcitation on the attosecond time scale improves ultrafast X-ray diffraction images, Nat Commun 17, 7556 (2026); DOI: 10.1038/s41467-026-75969-8