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Tagung „Zeitzeugen-Berichte XII“ in Wittenberg Rückblick auf 100 Jahre Chemiegeschichte

| Redakteur: Tobias Hüser

Hier wird Chemie-Geschichte lebendig: Die Tagung „Zeitzeugen-Berichte XII“ des Industriekreises der Fachgruppe Geschichte der Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) findet vom 18. bis 20. September in Lutherstadt Wittenberg statt. Wie im Zeitraffer lassen 18 Redner hundert Jahre Geschichte der industriellen Chemie in Deutschland Revue passieren.

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1913 wurde das Haber-Bosch-Verfahren zum ersten Mal bei BASF zur Ammoniaksynthese eingesetzt. Mittlerweile kann die Chemieindustrie auf 100 Jahre Geschichte zurückblicken.
1913 wurde das Haber-Bosch-Verfahren zum ersten Mal bei BASF zur Ammoniaksynthese eingesetzt. Mittlerweile kann die Chemieindustrie auf 100 Jahre Geschichte zurückblicken.
(Bild: BASF/B. Kunz)

Wittenberg – Die Redner berichten aus persönlicher Sicht von historischen Ereignissen, wissenschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen, deren Einfluss auf die Chemiegeschichte und deren Auswirkungen bis in die heutige Zeit. Tagungsort ist die Leucorea, der Wittenberger Standort der Universität Halle-Wittenberg.

Hier gehts zurOnline Anmeldung,hier zumProgramm.

Es ist ein weiter Bogen, der sich vom historischen Tagungsort, bis zu den Agrochemikalien spannt, die heute bei SKW Stickstoffwerke im Wittenberger Stadtteil Piesteritz hergestellt werden. Kriegsbedingt als „Reichsstickstoffwerke“ auf Calciumcarbid-/Kalkstickstoff-Basis im Jahre 1915 gegründet und einer wechselvollen Geschichte unterworfen, wurden dort bedeutende Beiträge zur Entwicklung der anorganischen Großchemie (Salpetersäure, Phosphor) geleistet.

Piesteritz ist heute einer der größten deutschen Düngemittelhersteller. Kreativ war man in Piesteritz auch während der Zeit des Stickstoffwerkes als Volkseigener Betrieb, als man in den 1970er Jahren ein neuartiges Verfahren zur Aufarbeitung von Phosphorschlamm entwickelte, der bei der elektrothermischen Phosphorgewinnung anfiel.

Bedeutung des Carbids

Ebenso zur Sprache kommt die einstmals große Bedeutung des Carbids als Grundstoff der Kohlechemie, die nach 1945 besonders in der DDR und auch am Standort Piesteritz intensiv weiterbetrieben wurde. Piesteritz spielte im Übrigen auch innerhalb eines Netzwerks von Forschungs- und Produktionsstätten Seltener Erden in der DDR eine Rolle als Produktionsstandort.

Wie das Stickstoffwerk Piesteritz wurde auch das Leunawerk kriegsbedingt gegründet, über dessen Geschichte von 1916 bis 1945 auf der Tagung informiert wird. Ausgehend von der Ammoniaksynthese nach dem Haber-Bosch-Verfahren, das schon seit 1913 im BASF-Werk Ludwigshafen-Oppau betrieben und im Leunawerk während des Ersten Weltkrieges in einer zweiten Großanlage verwirklicht wurde, entwickelten Chemiker und Ingenieure in der Zwischenkriegszeit in Leuna zahlreiche weitere, für die chemische Industrie weltweit wegweisende Hochdruckverfahren wie die Methanolsynthese sowie die katalytische Hydrierung von (Braun-)Kohle zur Gewinnung von Treibstoffen für Kraftfahrzeuge und Flugbenzin.

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