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Tagung „Zeitzeugen-Berichte XII“ in Wittenberg

Rückblick auf 100 Jahre Chemiegeschichte

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Diese Technologien bildeten die Grundlage für die Entwicklung des Leunawerks zum größten Chemiestandort der DDR, worüber ein weiterer Vortrag aus Zeitzeugen-Sicht zu einem späteren Zeitpunkt geplant ist. Von der Bedeutung elektrochemischer Analysenverfahren in den Betrieben der DDR-Großchemie zeugt ein Bericht über die Polarographie mit der Quecksilbertropfelektrode, deren vielseitiger Einsatz im Leunawerk und im Hydrierwerk Zeitz belegt wird.

Deutschlands Chemieparks genießen einen ausgezeichneten Ruf aufgrund ihrer Zukunftsfähigkeit und der zahlreichen Standortvorteile. Der Erfolg der Chemieproduzenten wirkt sich auch positiv auf die umgebende Wirtschaft und Gesellschaft aus. So wird über den langen Weg der Umwandlung der ehemaligen, in der DDR bedeutenden Kombinatsbetriebe Bitterfeld und Wolfen nach der Wende 1989/90 zum heutigen einheitlichen und seit 2013 nachhaltig bewirtschafteten Chemiepark berichtet. Am Beispiel des Fotochemischen Kombinats Wolfen werden die Organisationsstrukturen der Qualitätssicherung in der DDR und insbesondere die staatliche Einflussnahme aufgezeigt.

Strukturwandel der Großchemie

Vor dem Hintergrund des Strukturwandels der Großchemie in Mitteldeutschland wird ausführlich über Entstehung, Aufgaben und Ziele der Mitteldeutschen Sanierungs- und Entsorgungsgesellschaft mbH (MDSE) berichtet, die am 1. August 1997 aus diversen, nach der Wende gebildeten Vorgängergesellschaften gegründet und am 1. Januar 2002 durch das Land Sachsen-Anhalt übernommen wurde. Sie bündelt seither die Sanierung sowie den umweltgerechten Betrieb von Deponien und ist verantwortlicher Projektträger für Altlastensanierung in den sogenannten Ökologischen Großprojekten Bitterfeld-Wolfen, Leuna, Zeitz und Buna-Schkopau.

Als Dokumentation zeitgenössischer Auseinandersetzung mit der sozialen Wirklichkeit auch in der DDR wird der wenig bekannte DEFA-Film „Bankett für Achilles“ vorgestellt, der als Rahmenhandlung die Abschiedsfeier von Meister Achilles vor dem Eintritt in den Ruhestand schildert. Der Film wurde 1975 an Original-Schauplätzen gedreht und bietet vor dem düsteren zeitgenössischen Hintergrund des Chemischen Kombinats Bitterfeld eine unerwartet kritische „Innen“-Sicht der DDR.

Dass in der DDR erfolgreiche Innovationen möglich waren, zeigt das Beispiel des Wachstumsregulators „Camposan“, der in den 1970er Jahren durch die effiziente Kooperation der Akademie der Wissenschaften der DDR, des Chemischen Kombinats Bitterfeld und der Akademie der Landwirtschaftswissenschaften der DDR äußerst zügig realisiert wurde. Mit Camposan wurden schließlich 80 Prozent der Roggen- und Gerstenfläche der DDR behandelt.

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