Nachhaltigkeit ist seit einigen Jahren nahezu in aller Munde. Doch was beinhaltet dieser viel bemühte Begriff tatsächlich und wie lässt er sich mit Leben füllen? Ansatzpunkte für nachhaltigeres Arbeiten gibt es genug – auch im Labor – man muss sie nur kennen und erkennen. 12 Prinzipen ermöglichen Ihnen die „grüne Arbeit“ im Labor. Wir stellen Sie vor.
Abb. 1: Nachhaltigkeitsaspekte im Laborbetrieb
(Bild: Niub)
Auf dem Gipfel von Rio 1992 wurde das Prinzip der nachhaltigen Entwicklung als Leitbild formuliert – ökologische, ökonomische und soziale Aspekte müssen gleichberechtigt berücksichtigt werden, um ein nachhaltiges, und damit langfristiges Wirtschaften zu ermöglichen. Laut Definition der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung (Brundtland-Kommission,1987) ist nachhaltige Entwicklung eine „Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können“.
Nachhaltigkeitsthemen im Kontext „Forschung und Labor“
Überträgt man das Prinzip auf Forschung und Labor, so sind Aspekte wie Ressourcenverbrauch, steigende Betriebskosten und Umweltschutz damit verknüpft (s. Abb. 1). Dazu kommen die Arbeitssicherheit, die von jeher Teil der Laborarbeit und Regularien ist, Arbeitsbedingungen und sichere Prozesse im Labor. Diese Aspekte müssen immer mit bedacht werden und oberste Priorität erhalten – die Leistung eines Laborabzugs kann nicht beliebig im Rahmen der Energieeffizienz verringert werden, wenn dadurch die Sicherheit des Forschers gefährdet ist.
Weiter gehört dazu die Frage, wie Forschung und Entwicklung zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen können und wie nachhaltige Forschung selber aussehen kann? Die Auseinandersetzung mit ethischen Fragen, die Verantwortung (in) der Forschung sowie die sich daraus ergebende Verantwortung gegenüber der Gesellschaft greifen umfassendere soziale Aspekte auf – ein transparenter Dialog, auch mit kritischen Stakeholdern, hilft dabei, frühzeitig heikle Themen zu erkennen und anzugehen.
Als Querschnittsthema berührt Nachhaltigkeit viele Bereiche, die oftmals bereits einzeln bearbeitet werden. Nachhaltigkeit hilft aber als integrierendes Element dabei, alle Themenfelder „auf dem Radar“ zu haben, mitzudenken und durch aktiven Austausch mit Stakeholdern immer wieder die Sicht von außen und innen dazu zu holen. In diesem Beitrag wird der Fokus vor allem auf die ökologisch-ökonomischen Aspekte gelegt und aufgezeigt, wie ein nachhaltiges Labor aussehen kann.
Aktuelle Trends im Bereich Nachhaltigkeit
Ökologische Aspekte und ein energiesparendes Gebäudekonzept wurden bereits bei dem im Jahr 2006 fertiggestellten Laborneubau des Instituts für Umweltmedizin in Freiburg mit berücksichtigt. Seit 2013 bietet das Bewertungssystem nachhaltiges Bauen (BNB) einen umfassenden Bewertungsansatz für nachhaltige Laborgebäude, bei dem neben ökonomischen und Umweltaspekten auch sozio-kulturelle Aspekte, wie Nutzerbedürfnisse und der gesamte Lebenszyklus berücksichtigt werden [1]. Zudem gibt es mit Egnaton (European Association for sustainable laboratories) einen europäischen Verein, der sich für nachhaltige Prozesse und Technologien im Laborbetrieb einsetzt [2].
An Universitäten gibt es eigene Forschungsinstitute, wie das „Institut für Nachhaltige Chemie und Umweltchemie“ an der Leuphana Universität und Zusammenschlüsse, wie das 2015 in Freiburg gegründete „Leistungszentrum Nachhaltigkeit“. Dieses fördert die Bearbeitung von Themenfeldern wie Energy Systems oder Resilience Engineering, die für die Bewältigung der Herausforderungen einer nachhaltigen Entwicklung von zentraler Bedeutung sind [3]. An vielen US-amerikanischen Universitäten bieten „Green-your-lab-Programme“ praktische Unterstützung und sensibilisieren für dieses Thema.
In Deutschland ist es der 2013 vom BMBF gestartete Agendaprozess „Sustainability in Science“ (SISI), der die Wissenschaft dazu ermutigen und befähigen soll, mehr Nachhaltigkeit in ihrer Arbeit zu verwirklichen [4].
Eine wachsende Zahl an Unternehmen hat neben einem zertifizierten Umweltmanagementsystem (EMAS; ISO 14001) ein umfassenderes Nachhaltigkeitsmanagement etabliert und nimmt, wie z.B. Henkel, Nachhaltigkeitskriterien in seine R&D auf [5]. Andere schließen sich branchenweit zusammen, um nachhaltige Lieferketten zu etablieren (Together for Sustainability, TfS) oder sich als gesamte Branche nachhaltiger aufzustellen (Initiative Chemie3), [6, 7] Ab 2017 schließlich wird das Nachhaltigkeitsreporting über die ökologischen, sozialen und ökonomischen Auswirkungen des Kerngeschäfts für bestimmte Unternehmen zur Pflicht [8]. Einen ersten Gesetzesentwurf dazu soll es im Herbst 2015 geben.
Stand: 08.12.2025
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