An der Uhr drehen oder nicht? Auch Experten sind uneins. Zwei Forscher aus Spanien haben sich in einer aktuellen Publikation für den Erhalt von Sommer- und Winterzeit ausgesprochen – empfehlen aber zumindest eine kleine Änderung.
Zweimal im Jahr drehen Menschen an der Uhr – und so mancher fragt sich, warum eigentlich. Zwei Forscher aus Spanien haben sich in einer Publikation nun für die Zeitumstellung ausgesprochen.
(Bild: by-studio - stock.adobe.com)
(dpa) – Sommerzeit, Winterzeit, Diskussionszeit. Um die halbjährliche Zeitumstellung wird seit Jahren intensiv gerungen. Nun gibt es eine neue Idee: Die Zeitumstellung selbst verschieben. Das erste April-Wochenende sei für die Umstellung im Frühjahr besser geeignet als der letzte Sonntag im März, sagen zwei spanische Forscher. Dann würden günstigere morgendliche Lichtverhältnisse für einen guten Start in den Tag erwischt.
Aus physiologischer Sicht wäre es zudem sinnvoll, die Sommerzeit in der EU schon Anfang Oktober statt Ende Oktober enden zu lassen. Starte die Sommerzeit zu früh, werde ein größerer Anteil der menschlichen Aktivitäten in die dunklen Morgenstunden verlegt, argumentieren die Forscher. Die Rückkehr zur Winterzeit sollte entsprechend erfolgen, bevor der Haupt-Aktivitätsbeginn vor Sonnenaufgang liege. 2025 werden die Uhren am 30. März um eine Stunde vor- und am 26. Oktober wieder zurückgestellt.
Diskussion am biologischen Kern vorbei?
Über die Zeitumstellung werde derzeit falsch diskutiert, sind Jorge Mira von der spanischen Universität von Santiago de Compostela und José María Martín-Olalla von der Universität von Sevilla überzeugt: Der Lebensrhythmus der Menschen werde dadurch in Bezug auf die Sonne nicht verschoben, sondern im Gegenteil: Durch die Zeitumstellung werde der morgendliche Beginn aller Aktivitäten wieder an den Sonnenaufgang angepasst.
Die spanische Nationalversammlung habe diese Art saisonaler Anpassung bereits im Jahr 1810 vorgenommen. „Das soziale Leben wird einfach umorganisiert, weil die Länge des Tages im Sommer es ermöglicht, die Dinge am Morgen früher zu erledigen als im Winter“, erklärt Martín-Olalla. „Das Problem ist, dass sie (die Zeitumstellung) in den letzten Jahren nur noch mit Energieeinsparung in Verbindung gebracht wurde, obwohl es sich in Wirklichkeit um einen natürlichen Anpassungsmechanismus handelt“, führt der Forscher aus.
Als Argument für die Sinnhaftigkeit der Zeitumstellung ziehen die spanischen Experten aktuelle und historische Beispiele von Gesellschaften mit späterer Aktivität im Winter und früherer Aktivität im Sommer heran – eine Lebensweise, die der synchronisierenden Rolle des Morgenlichts für unseren Körper Rechnung trage. Eine Analyse von schwedischen Daten aus dem Jahr 1746 zum Beispiel zeige, dass die Menschen im Sommer dreieinhalb Stunden eher aufstanden als im Winter.
Auch in tropischen Gesellschaften ohne Zugang zu künstlichem Licht lägen die Aufstehzeiten in der Regel in der Morgendämmerung, die Schlafenszeit in der Regel etwa drei Stunden nach Sonnenuntergang, erklären Mira und Martín-Olalla. Der physiologische Tageszyklus des Menschen orientiere sich stets am Sonnenaufgang.
Tipp: Wecker stufenweise umstellen
Für Menschen, die halbjährlich sehr unter der Zeitumstellung leiden, hat das spanische Forscher-Duo einen Rat: voranpassen. Der Wecker könne, jeweils drei Wochen vor dem Termin beginnend, wöchentlich um eine Viertelstunde verstellt werden, und sich so Stück für Stück der „neuen“ Zeit annähern.
Verzerrte Risiko-Nutzen-Bilanz
In den vergangenen Jahren hatte es eine Reihe von Studien zu Folgen der halbjährlichen Zeitumstellung gegeben, etwa zu mehr Verkehrsunfällen in den Tagen danach und Gesundheitsproblemen wie zeitweisen Schlafstörungen und kurz erhöhten Herzinfarkt-Raten. Der größte Nachteil der Zeitumstellung seien solche mit den Übergangszeiten verbundenen Probleme, sagen auch die spanischen Forscher. Eine wirklich relevante Gefahr sei aber nicht zu erkennen. Der kurzfristige leichte Anstieg des Risikos für Unfälle oder Herzinfarkte zum Beispiel sei gering verglichen mit dem Einfluss zahlreicher anderer Faktoren.
Vielfach sei zudem die Methodik solcher Studien fraglich, schreibt das Forscher-Duo. Stellungnahmen und Analysen etwa von Chronobiologen oder Schlafmedizinern seien häufig auf Nachteile fixiert und ignorierten die heute oft vergessenen positiven Aspekte eines näher am Sonnenaufgang liegenden Arbeitsbeginns. Die Risiko-Nutzen-Bilanz werde verzerrt dargestellt.
Zeitumstellung – Belastungsprobe für die innere Uhr
Bei der Forderung nach einem Ende der Zeitumstellung sei zudem zu bedenken, dass die Abschaffung weit schlimmere Folgen haben könnte als die Umstellung selbst: Mit der Umstellung auf die Sommerzeit gewönnen die Menschen mehr Tageslichtstunden für Freizeitaktivitäten, für Spaziergänge, Sport draußen oder ein paar Stunden am Strand – was Wohlbefinden und Gesundheit fördert. „Wenn der Tag gleichmäßig in Schlaf, Arbeit und Freizeit aufgeteilt ist, macht eine Stunde 12,5 Prozent der verfügbaren Freizeit aus“, führen die Forscher vor Augen.
Stand: 08.12.2025
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In ursprünglichen medizinischen Stellungnahmen zur saisonalen Sommerzeit sei das dringende Bedürfnis der Menschen nach mehr Licht, Luft und Sonnenschein betont worden, heißt es in der Studie. Eine Verbesserung der Lebensbedingungen habe vielfach im Vordergrund gestanden – und nicht etwa wirtschaftliche Fragen. Die Sommerzeit in Italien zum Beispiel sei 1964 begleitet von Bemerkungen über die psychologischen Verbesserungen eingeführt worden.
Ende von Sommer- und Winterzeit? Nicht in Sicht
Schlafmediziner plädierten zwar für eine Abschaffung der Sommerzeit, wie die Forscher ausführen – in der Bevölkerung sei die gängige Vorliebe aber eine andere: Viele Menschen liebten die jetzige Situation im Sommer und genössen ihre längere Freizeit bei Tageslicht. In Umfragen vor die Wahl zwischen dauerhafter Sommer- oder Winterzeit gestellt, setzen sie überwiegend auf erstere. Womöglich spielt aber bei derartigen Umfragen auch die Tatsache mit, dass allein die Bezeichnung „Sommerzeit“ deutlich positiver konnotiert ist und eben an die Jahreszeit Sommer denken lässt.
Dass die halbjährliche Zeitumstellung die Gemüter erregt, scheint ein typisch Deutsches Phänomen zu sein. Dies legt zumindest eine EU-weiten Erhebung aus dem Jahr 2018 nahe, die eine potenzielle Abschaffung von Sommer- und Winterzeit erfragte. 69 Prozent der rund 4,6 Millionen Rückmeldungen aller EU-Staaten kamen aus Deutschland. Und obwohl in der Umfrage insgesamt 84 % für die Abschaffung der Zeitumstellung stimmten, hat sich seitdem nichts getan und der Wechsel von Sommer- und Winterzeit wird vermutlich noch lange erhalten bleiben..