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Gefahren durch Tattoo-Entfernung

Tattoo-Farbstoffe – Analytik, die in die Haut blickt

| Autor/ Redakteur: GUIDO DEUßING* / Marc Platthaus

Was passiert, wenn Tätowierungen mithilfe von Laserbehandlungen entfernt werden? Mithilfe der Pyrolyse-GC/MS konnte nachgewiesen werden, dass sich das Tätowierungspigment Phthalocyanin-Blau (B15:3) in der Behandlung mit Laserlicht in Zellgifte fragmentieren kann. Was das für Tätowierungstinten bedeutet, lesen Sie in diesem Beitrag.

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Mitarbeiter der Bundesanstalt für Risikobewertung haben die gesundheitlichen Risiken durch die Laserentfernung von Tätowierungen untersucht.
Mitarbeiter der Bundesanstalt für Risikobewertung haben die gesundheitlichen Risiken durch die Laserentfernung von Tätowierungen untersucht.
( Bild: Gerstel/Fotolia - Africa Studio [M]_Scheer )

Es gibt gute Gründen, eine Tätowierung entfernen zu lassen: Eine Allergie gegen den oder die verwendeten Farbstoffe; der in die Haut gestochene Name passt nicht mehr zur neuen großen Liebe; die mit der Zeit verblassten Bilder sehen auf schlaffer Haut einfach nicht mehr schön aus; das Tattoo steht der Karriere im Weg. Wer sich zur Entfernung seiner dauerhaften Hautbilder entschlossen hatte, musste dafür einst noch unters Skalpell oder die betroffenen Hautpartien wurden einer unschönen Ätz- oder Schleifbehandlung unterzogen. Inzwischen ist es gelungen, Tätowierungen mittels Laserlicht vergleichsweise schonend und narbenfrei zu entfernen.

Lasern bevorzugt, ist aber nicht ohne Risiko

Allerdings darf dieser Sachverhalt nicht darüber hinwegtäuschen, eine Laserbehandlung birgt gewisse gesundheitliche Risiken. Hierauf deutet zumindest eine Untersuchung, die das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Zusammenarbeit mit der Laser-Abteilung des Evangelischen Elisabeth Krankenhauses in Berlin durchgeführt hat.

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In ihrer in „Science Reports“ veröffentlichten Studie [1, 2] berichten Ines Schreiver, Christoph Hutzler, Peter Laux, Hans-Peter Berlien und Andreas Luch, die zur Entfernung des zu Tätowierungszwecken eingesetzten kupferhaltigen Pigments Phthalocyanin-Blau vorgenommene Laserbestrahlung könne zu einer Fragmentierung und Ausbildung toxischer und krebserregender Bestandteile führen. Die Wissenschaftler simulierten den Zersetzungsprozess unter Einsatz der Pyrolyse-GC/MS und identifizierten mittels dynamischer Headspace-GC/MS sowie zweidimensionaler GC gekoppelt an die Time-of-Flight-Massenspektrometrie (TOF-MS) unter anderem 1,2-Benzendicarbonitril (BDCN), Benzonitril (BCN), 2-Butanon und Blausäure (HCN) als Hauptspaltprodukte.

Wenn Laserlicht auf Farbpigmente trifft

In der klinischen Dermatologie werden u.a. Rubinlaser zur Behandlung von Pigmentflecken und zur Entfernung von Tätowierungen eingesetzt. Die Bestrahlung der Haut mit einem Rubinlaser führe, schreiben die Wissenschaftler, zu lokalen Temperaturen von mehr als 1000 °C im Pigmentpartikel; um das vergleichsweise stabile Farbpigment Phthalocyanin-Blau (B15:3) aufzubrechen, brauche es Temperaturen größer als 800 °C. Das Ausbleichen des offenkundig einzigen blauen Tattoo-Pigments sei, so wird angenommen, die Folge einer chemischen Zersetzung (Photothermolyse), bis hin zur Atomisierung des Pigments, berichten Schreiver und Kollegen. Um eine Beschädigung der Haut während der Laserbehandlung auftretende hohe Temperaturen zu verhindern, darf das energiereiche Laserlicht nicht kontinuierlich emittieren, sondern nur in zeitlich begrenzten Portionen, in so genannten Pulsen. Rubinlaser verfügen über eine hohe Pulsenergie, was sie für medizinische Anwendungen im Bereich der Haut prädestiniert.

Über die Wirksamkeit der Laserbehandlung bei der Auflösung von Farbpigmenten in Tätowierungen besteht kein Zweifel, was sich an dem Bleicheffekt zeige. Unklarheit herrsche allerdings, urteilen die Wissenschaftler, über die Identität der resultierenden chemischen Abkömmlinge und deren Langzeitwirkung auf den menschlichen Organismus. Dies zu ändern, war erklärtes Ziel von Schreiver et al. Um die laserinduzierte und temperaturabhängige Zersetzung des blauen Pigments Kupferphthalocyanin zu imitieren, nutzen sie u.a. die Pyrolyse, gekoppelt an eine GC/MS-Analyse.

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