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Gefahren durch Tattoo-Entfernung

Tattoo-Farbstoffe – Analytik, die in die Haut blickt

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Für die Bestimmung der Laserfragmente in der GCxGC-ToF-MS wurden vom MPS 196 µL Probe in einem 2-mL-Vial mit den internen Standards versetzt, gefolgt von der Flüssig-Flüssigextraktion mit Ethylacetat unter Schütteln für die Dauer von einer Stunde. Zur Analyse aufgegeben wurden vom MPS schließlich 1,5 µL des gewonnenen Extrakts. Die Trennung erfolgte zweidimensional: Für die erste Dimension verwendet wurde eine Restek-Rxi-5Sil MS (20 m, 0,25 mm, 0,25 µm ID), eine Restek-Rxi-17Sil MS (1 m, 0,18 mm, 0,18 µm ID) für die zweite Dimension. Die Starttemperatur des GC-Ofens lag bei 70 °C (1 min). Die Temperatur wurde mit 15 °C/min auf 120 °C gesteigert, von dort ging es mit 8 °C/min auf 150 °C und dann mit 25 °C/min auf 330 °C (4 min). Zur Überführung in die zweite Dimension wurden die Substanzen bei -80 °C cryofokussiert und anschließend in Sekundenschnelle auf die zweite Säule überführt. Für die Trennung der Analyten wurde ein um wenige Grad höheres Temperaturprogramm, wie es in der ersten Dimension angelegt war, verwendet. Die Temperatur der Ionenquelle betrug 250 °C, die des Transferinterface 295 °C. Die Aufzeichnung der Massenspektren erfolgte mit 200 Hz im Bereich von 35 bis 500 m/z. BCN und BDCN ließen sich eindeutig qualifizieren und quantifizieren.

Schritte zur Einschätzung des toxischen Potenzials

Für Ines Schreiver vom BfR und ihre Kollegen stellte sich die Frage, ob bei der Laserbehandlung von Phthalocyanin-Blau tatsächlich gesundheitsbedenkliche Mengen der Spaltprodukte entstehen, ungeachtet dessen, dass Blausäure und Benzol für den Menschen generell als toxisch beziehungsweise karzinogen eingestuft sind. Um eine Antwort zu finden, nutzen die Wissenschaftler ein spezielles Versuchsdesign unter Einsatz menschlicher Zellen, die unterschiedlich konzentrierten Natriumcyanid-Lösungen (NaCN) ausgesetzt wurden. Mittels DHS-GC/MS wurde im Anschluss gemessen, wie viel HCN die Zellen ausgesetzt waren, um die gleichen Mengen wie nach einer Laserbehandlung zu simulieren. Die tödliche Dosis von HCN liege für die meisten Tierarten bei 2 mg/kg Körpergewicht und 50 ppm in der Luft, zitieren die Wissenschaftler aus einer Quelle der US-amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention (CDC). Es habe sich gezeigt, schreiben Schreiver et al., dass bei der Laserbehandlung des Tätowierungspigments Phthalocyanin-Blau toxikologisch relevante Mengen an HCN auftreten, die einen erheblichen Einfluss nehmen auf die Lebensfähigkeit der Zellen.

„In ihrer Gesamtheit legen unsere Ergebnisse nahe“, schlussfolgern Schreiver et al., „dass im Verlauf von Laserbehandlungen lichtechter Pigmente wie B15:3 in toxische Fragmente in Mengen aufgespalten werden, die sehr wahrscheinlich in der Lage sind, die Haut lokal zu beeinflussen und potenziell auch systemisch anderes Gewebe im Organismus.“ Weitere Studien unter Verwendung menschlicher Haut ex vivo seien notwendig, um die Entstehung von HCN und Benzol sowie deren Folgen im Zuge der Laserbestrahlung von blau gefärbten Pigmentablagerungen in menschlicher Haut näher zu untersuchen. Darüber hinaus mache ihre Studie deutlich, schreiben Schreiver et al., dass die Bildung gesundheitsschädlicher Spaltprodukte im Zuge einer Laserbehandlung ein notwendiges Kriterium seien bei der Bewertung der Qualität und der Zulassung von Tätowierungstinten.

Analytica 2016: Halle A1, Stand 323

Literatur

[1] Ines Schreiver, Christoph Hutzler, Peter Laux, Hans-Peter Berlien & Andreas Luch, Formation of highly toxic hydrogen cyanide upon ruby laser irradiation of the tattoo pigment phthalocyanine blue; Scientific Reports 5, Article number: 12915 (2015) (www.nature.com/articles/srep12915, 29.03.2016)

[2] www.laborpraxis.vogel.de/wissenschaft-forschung/articles/501412/

* G. DEUßING: Redaktionsbüro Guido Deußing, 41464 Neuss

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