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Bundesamt-Befragung zu Genmodifizierung Vorbehalte der Bevölkerung gegen das Genome Editing

| Redakteur: Dipl.-Chem. Marc Platthaus

Bereits in diesem Jahr galt die Genome-Editing-Methode CRISPR/Cas9 als heißer Anwärter auf einen Nobelpreis, zeigte sie doch in der Vergangeheit ihr enormes wissenschaftliches Potenzial. Doch wie reagieren deutsche Bürger auf solche Arten der Genmodifizerung? Obwohl vielen Menschen das Genome Editing nicht kannten, sind die Vorbehalte groß, wie eine Fokusgruppen-Befragung des Bundesamtes für Risikoforschung ergab.

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Die deutsche Bevölkerung steht Genmodifizierungstechniken wie der „Genschere“ Crispr/Cas skeptisch gegenüber.
Die deutsche Bevölkerung steht Genmodifizierungstechniken wie der „Genschere“ Crispr/Cas skeptisch gegenüber.
(Bild: NATALIMIS)

Berlin – Veränderungen an der Erbinformation sind Teil des Lebens. In der herkömmlichen Pflanzen- und Tierzüchtung nutzt der Mensch Verfahren, um die natürliche Mutationsrate zu erhöhen und aus den Mutanten neue Sorten oder Rassen mit nützlichen Eigenschaften auszuwählen. Bestimmte neuere molekularbiologische Methoden, die unter dem Sammelbegriff Genome Editing bekannt geworden sind, unterscheiden sich in diesem Punkt nicht von der herkömmlichen Züchtung. Ein entscheidender Unterschied ist: Mit den Verfahren des Genome Editing können sehr gezielte Veränderungen im Genom des Zielorganismus eingeführt werden. Besonders Erfolg versprechend ist derzeit die Methode CRISPR/Cas9, mit deren Hilfe das Genom gezielt modifiziert werden kann. Sie eröffnet eine Vielzahl von neuen Anwendungsmöglichkeiten. Beispielsweise wird der Einsatz in der Landwirtschaft, wie etwa bei der Entwicklung von krankheitsresistenten Pflanzensorten, oder in der Medizin diskutiert. Derzeit hat der Gesetzgeber noch nicht entschieden, wie Genome Editing rechtlich einzustufen ist.

Was sagen die Verbraucher zum Thema Genome Editing?

Das Bundesamt für Risikoforschung (BfR) befasst sich unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten mit der Thematik Genome Editing. Darüber hinaus erarbeitet das BfR Empfehlungen und Maßnahmen für die Risikokommunikation. Dafür ist jedoch das Wissen um die Einstellung Verbraucher zur Thematik grundlegend. Moderierte Gruppendiskussionen, so genannte Fokusgruppen-Interviews, ermöglichen einen Einblick in konkrete Sichtweisen, Einstellungen und gegebenenfalls Sorgen von Bürgern.

Vor diesem Hintergrund hat das BfR Fokusgruppen mit insgesamt 39 Teilnehmern gebildet und befragt. Die Interviews gaben einen Einblick, was Verbraucherinnen und Verbraucher derzeit über Genome Editing wissen und welche Faktoren bei ihnen die Risiko-Nutzen-Abwägung prägen. Außerdem wurde ermittelt, wie die Teilnehmenden Genome Editing im Verhältnis zur konventionellen Gentechnik einordnen und welches Informations- sowie Regulationsbedürfnis sie haben.

Gerade bei Lebensmitteln wird Genome Editing abgelehnt

Die wesentlichen Ergebnisse sind: Unabhängig von der noch nicht erfolgten gesetzlichen Einstufung sind Verfahren des Genome Editing für die Teilnehmenden der Interviews eine Form der Gentechnik. Daher haben sie den Verfahren gegenüber auch ähnliche Vorbehalte. Im Lebensmittelbereich überwiegen nach Ansicht der Teilnehmenden die Nachteile der Verfahren; der Einsatz von Genome Editing wird daher mehrheitlich abgelehnt. Eindeutig fordern die Teilnehmenden eine Kennzeichnungspflicht für Lebensmittel, die mithilfe des Genome Editings produziert wurden. Außerdem erwarten sie eine strenge Regulation von Genome Editing durch die zuständigen Behörden. Anders sieht es im medizinischen Bereich aus: Hier ist der Einsatz für viele akzeptabel, da die Notwendigkeit und ein therapeutischer Nutzen ersichtlich seien. Bei der Bewertung von Genome Editing spielt auch das Alter der Befragten eine Rolle: Jüngere Personen zeigten sich positiver und offener gegenüber den neuen Methoden als ältere Personen.

Deutlich wurde auch, dass die Teilnehmenden wenig über die Verfahren des Genome Editing wissen. Gleichzeitig wünschen sie sich eine öffentliche Aufklärung über die Methoden, um einen sachkundigen gesellschaftlichen Diskurs zu eröffnen. Für zukünftige Risikokommunikationsstrategien ist es essenziell, diesem Informationsbedürfnis der Verbraucher entgegen zu kommen.

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