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Trinkwasserversorgung in Wüstenländern Warka – Wasser fürs Leben

Redakteur: Dana Hoffmann

Unter dem Stichwort Bionik nimmt sich die Wissenschaft erstaunliche Mechanismen aus der Natur vor und bildet sie in eigenen Anwendungen nach. So stand ein unscheinbarer Wüstenkäfer Modell für eine kleine Revolution, die vielen Menschen das Leben erleichtern könnte: Der Warka-Turm bringt Trinkwasser in Gebiete, in denen es am nötigsten gebraucht wird.

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Hoffnung für die Zukunft: Warka Water
Hoffnung für die Zukunft: Warka Water
(Foto: Flickr-User Debris2008)

Das italienische Design-Büro Architecture und Vision hat sich einen Nebeltrinker-Käfer zum Vorbild genommen, der unter widrigsten Lebensbedingungen seinen Wasserbedarf decken kann. Die Oberfläche seiner Deckflügel ist uneben und abwechselnd wasserabweisend und wasserbindend beschichtet. Stellt er bei hoher Luftfeuchtigkeit sein Hinterteil im Wind auf, kondensiert Wasser daran und kleine Tropfen laufen ihm direkt in den Mund.

Dieses geniale Prinzip setzten Arturo Vittori und der Schweizer Andreas Vogler bei ihrem Warka Wasserturm im großen Maßstab um. Ihr ästhetisch durchaus ansprechender Turm wurde 2012 in Venedig gezeigt. Er ist neun Metern hoch und dient in erster Linie der Trinkwassergewinnung, indem der Luft durch Kondensation an einem Netz aus Polyamid oder Polypropylen Wasser entzogen wird. Das Netz in der Mitte wird in einer modularen Konstruktion aus Bambus und Binsen oder ähnlichen Materialien aufgespannt, die im jeweiligen Zielland reichlich vorhanden sind.

Wasser in der Wüste

Außerdem kann der imposante Turm einer Dorfgemeinschaft als Versammlungspunkt dienen, wie es einst der namensgebende Feigenbaum war. Mit einer integrierten Photovoltaik-Anlage kann er nachts beleuchtet werden. Vor allem aber kann er den Kindern, die gewöhnlich viele Stunden am Tag mit dem Wasserholen beschäftigt sind, Zeit verschaffen, in der sie idealerweise zur Schule gehen. Damit bringt das System die größten Vorteile, wenn die Wasserquelle einer Siedlung weit entfernt liegt. z. B. in der Trockenzeit, die den Menschen den Alltag sonst wesentlich erschwert.

Gerade Wüstenregionen, die am meisten mit dem Wassermangel zu kämpfen haben, sind jedoch das ideale Einsatzgebiet für Warka Water. Ausgerechnet der wüstentypische starke Temperatursturz am Abend verspricht die größte Wasserausbeute. Wenn mit der Sonne auch die Temperatur sinkt, verliert die Luft einen großen Teil ihrer Fähigkeit, das Wasser zu binden, sodass sich vor allem in der Nacht viel Wasser am aufgespannten Kunststoffnetz sammelt und in den unteren Auffang-Behälter rinnt. Das stabilisierende Gitter ermöglicht eine ideale Luftzirkulation und erhöht die Ausbeute.

Viel Selbstständigkeit mit wenig Aufwand

Der Turm wiegt ungefähr 60 Kilogramm und kann nach Angaben seiner Erschaffer von sechs Personen innerhalb von drei Tagen ohne Kran praktisch überall auf der Welt aufgebaut werden. Unter idealen Bedingungen sammelt er dann bis zu 100 Liter in 24 Stunden. Eine Testphase in Äthiopien, einem der niederschlagärmsten Länder der Welt, verlief erfolgreich. Wie oft bei Projekten dieser Art hoffen die Erfinder, dass die Kosten, die derzeit bei geschätzten 500 Dollar pro Stück liegen, bei einer industriellen Herstellung noch sinken.

Doch schon jetzt liegen die Kosten weit unter denen für Wasseraufbereitungsanlagen mit ähnlicher Leistung. Anders als bei diesen sind im Warka-Wasser allerdings keine Keime und Umweltgifte oder Kontaminationen von Tieren enthalten. Darüber hinaus kommt Warka Water mit wenig Wartung und Reinigung aus. Eventuelle Reparaturen an der Konstruktion können die Einheimischen vor Ort selbst durchführen. Idealerweise reichen sie ihr Wissen auch an ihre Nachbarn weiter. Denn obwohl das System am Computer geplant wurde, ist es mit wenigen Materialien leicht reproduzierbar. Es ist ein Schritt in die richtige Richtung, zu nichts Geringerem als der so wichtigen Versorgung mit Trinkwasser.

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