Anbieter zum Thema
Diese Beobachtung dient nicht der Kontrolle der Mitarbeiter sondern dem schnellen Erkennen von Ausnahmesituationen in die die Mitarbeiter im Vollschutzbereich geraten sein könnten. Um auf solche Situationen vorbereitet zu sein, sind immer vier Personen vor Ort, wenn eine Person arbeitet. Dieser Personenkreis ist ausgebildet in der Rettung von Mitarbeitern aus dem Vollschutzbereich und übt die Vorgehensweisen in regelmäßigen Abständen.
Im Vollschutzbereich vergeht die Zeit wie im Fluge
Etwa 1,5 Stunden sollte für die Infektion einer Zellkultur mit einem Virus im klassischen S2-Labor kalkuliert werden. Im Hochsicherheitslabor kann gleich von drei Stunden ausgegangen werden. Die Arbeit im Containment ist aufwändiger. Zuerst wird die Bekleidung in der ersten Schleuse durch Bereichskleidung ersetzt, die zweite Schleuse wird durchschritten und in der dritten Schleuse wird der Vollschutzanzug erst kontrolliert und dann angezogen. Das „Headset“ und das Funkgerät werden durch Kontaktieren der Mitarbeiter, die die Absicherung übernehmen, überprüft.
Nachdem der Anzug nun im Überdruck zum umgebenden Raum nochmals kontrolliert wurde, kann dann das Labor über die Desinfektionsdusche betreten werden. Für die Arbeiten im Labor muss etwas mehr Zeit einkalkuliert werden, da alle Arbeitsschritte unter Sicherheitswerkbänken mit einem recht aufwändigen Desinfektionsplan durchgeführt werden. Bereits im Labor werden alle Abfälle chemisch inaktiviert, bevor diese über die Durchreiche-Autoklaven ausgeschleust werden. Während der Laborarbeit entfallen fast alle externen Zeitgeber. Es gibt kein Telefon, die Kollegen reden nur wenn unbedingt nötig miteinander und der Informationsfluss bezieht sich rein auf das Experiment und die Arbeitsumgebung. Einige empfinden diese „Auszeit“ vom Laboralltag als sehr angenehm.
Nach Beendigung der Arbeiten müssen alle Arbeitsgeräte desinfiziert, alle Materialien verstaut und die Abfälle in den Autoklaven verbracht sein. Erst dann kann der Mitarbeiter die Desinfektionsdusche betreten und der Anzug wird innerhalb von sechs Minuten desinfiziert. Anschließend werden der Vollschutzanzug und die Bereichskleidung abgelegt und im Anschluss an eine Hygienedusche kann der Bereich wieder verlassen werden. Diese aufwändige Vorgehensweise ist wirklich sehr zeitaufwändig.
Automatisierung als Zukunftsperspektive
Wie oben beschrieben gehört die Arbeitsumgebung im Hochsicherheitslabor nicht zu den Arbeitnehmer-freundlichsten und die Arbeitsabläufe sind häufig stereotyp. Hier bietet sich die Automatisierung von Arbeitsprozessen an. Im Hochsicherheitslabor wird derzeit ein Pipettierroboter erprobt, der besonders häufige, gleichbleibende Abläufe übernimmt. Das Gerät hat eine hohe Akzeptanz bei den Mitarbeitern und konnte sauber in das Sicherheitskonzept des Labors eingebunden werden. Für komplexere Prozesse wird gerade eine Fernsteuerung eines Lebendzellmikroskops erprobt. Auch diese konnte gut implementiert werden und erspart den Wissenschaftlern einige Stunden im Vollschutzanzug.
Von Wissenschaflter-Seite liegt die Zukunft dieser Labore in einer weiter und weiter automatisierten und ferngesteuerten Bedienbarkeit, die derzeit noch recht kostenintensiv ist, aber in Zukunft vielleicht auch für institutionelle Betreiber von Hochsicherheitslaboren erschwinglich sein könnte.
* *Dr. M. Eickmannn: Institut für Virologie der Philipps-Universität, 35043 Marburg
(ID:32337770)

