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Sensorische Analyse

Wasseranalyse mit den menschlichen Sinnesorganen

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Ergebnisse aus den Sensorikschulungen

Schulungen im Bereich der sensorischen Untersuchungen werden bisher noch nicht regelmäßig in den Wasserlaboratorien durchgeführt. Aber nur durch wiederholtes Einüben können die richtigen Prüftechniken erlernt und trainiert werden. Darüber hinaus fördert der Lernprozess die Sensibilität der Sinne. Eine standardisierte Vorgehensweise führt obendrein zu objektiveren Beurteilungen von sensorischen Parametern. Die Vergleichbarkeit von Ergebnissen wird dadurch verbessert und eine eindeutige Bewertung der Anforderungen der Trinkwasserverordnung erleichtert. Das generelle Problem der Sensorik, nämlich unsere menschlichen Sinneseindrücke in objektive Messgrößen zu verwandeln, lässt sich nur annähernd realisieren. Trotzdem zeigen die Ergebnisse der Sensorikübungen aus mehr als 80 Schulungen, dass Personen, die häufiger an sensorischen Tests teilnehmen, hervorragende Ergebnisse erzielen können.

Bei den Geschmacksproben gab es bei fast allen Teilnehmern keine Probleme, die Anforderungen der DIN 10961 zu erfüllen. Nur wenn die Konzentrationen deutlich niedriger waren bzw. Gemische aus zwei oder mehr Geschmacksarten in einer Probe gemischt wurden, konnten die einzelnen Arten nicht immer klar erkannt werden. Im Trinkwasser, das mit 6 g/l Zucker und 0,5 g/l Zitronensäure dotiert wurde, konnten die meisten nur den Geschmack sauer eindeutig zuordnen. Die Geschmacksart süß wurde nicht wahrgenommen. Ähnlich war es auch bei einem Gemisch aus 1 g/l Zitronensäure und 0,5 g/l Coffein. Hier war es wiederum die saure Geschmackskomponente, die erkannt wurde. Dass die Trinkwasserprobe auch einen bitteren Geschmack hat, wird nur von wenigen sofort registriert.

Im Falle der Geruchsprüfung sieht die Situation doch deutlich anders aus. Die Nase ist mit ihren 350 Geruchsrezeptoren in der Lage, mehrere tausend Gerüche zu erkennen und zu unterscheiden. Eine verbale Beschreibung fällt aber selbst geübten Personen schwer. In den Schulungen war erkennbar, dass es den Teilnehmern bei den echten Geruchstoffen relativ leicht fiel, die verbale Umschreibung korrekt durchzuführen. Trinkwasser, das mit Vanillin dotiert wurde, wurde von allen sofort erkannt und eindeutig beschreiben. Ein ähnliches Ergebnis wird mit dem Geruchsstoff Eugenol erzielt. Es ist festzustellen, dass Personen, die bereits mehrfach an Geruchsprüfungen teilgenommen haben, deutlich bessere Ergebnisse erzielten.

Tabelle 4 zeigt die Ergebnisse eines Geruchstest mit 13 Testpersonen, die bereits mehrfach an sensorischen Prüfungen teilgenommen hatten. Die Geruchserkennung (Ja/Nein-Entscheidung) funktionierte bei allen Teilnehmern zu 100 %, obwohl die Geruchsstoffkonzentrationen deutlich unter den in der DIN 10961 angegebenen Vorgaben lagen. Beim Isoamylacetat, Eugenol, 1-Octen-3-ol, Geosmin und auch 2-Methylisoborneol sind auch die verbalen Geruchsschreibungen der Teilnehmer als sehr gut zu bezeichnen. Das 3-Cis-Hexenol, das den Geruch von geschnittenem Gras besitzt, macht da schon mehr Probleme. Noch dramatischer sieht es beim Beta-Ionon aus. Beta-Ionon ist ein Geruchsstoff, der in unterschiedlichen Konzentrationen eine andere Geruchsempfindung hervorruft. In sehr niedrigen Konzentrationen (< 1 µg/l) empfindet man den Geruch als veilchenartig, liegt die Konzentration 100-fach höher, so trifft die Beschreibung holzig zu. Anhand der Beschreibungen der Kandidaten würde man hier nur sehr schwer eine objektive Beurteilung durchführen können. Eindeutige Angaben in der Geruchsbeschreibung kann man nur mit ausgewählten Substanzen erhalten. Es sollten nur Geruchsstoffe verwendet werden, deren Geruchsempfindung unabhängig von der Konzentration ist. Mischungen aus mehreren Geruchsstoffen machen ebenfalls Probleme, da eine Differenzierung der Einzelkomponenten zu schwierig ist.

Schulungen und Training bringen die Sache aber grundsätzlich voran. Eine weitere Möglichkeit, diese Parameter (Geruch und Geschmack) im Bereich der Trinkwasseranalytik aus ihrem Schattendasein herauszuholen, könnte durch Ringversuche erreicht werden.

Beim Geschmack dürfte dies aber problematisch sein, da die Gefahr von Verkeimungen beim Ansetzen der Proben bzw. auf dem Transportweg nicht ausgeschlossen werden kann. Ganz anders stellt sich die Situation bei den Geruchsproben dar. Hier ist es durchaus vorstellbar, Ringversuche durchzuführen. Bedenken hinsichtlich der Stabilität von Geruchsproben sind sicherlich zu vernachlässigen. Ringversuche würden letztendlich dazu beitragen, dass diese Parameter den Stellenwert bekommen, der ihnen als Indikatoren im Bereich der Trinkwasserüberwachung auch gebührt.

Literatur:

[1] TrinkwV 2001, Bekanntmachung zur Änderung der Trinkwasserverordnung vom 02. August 2013, Bundesgesetzblatt, Teil I, ausgegeben zu Bonn am 07.08.2013, (Heft 46): S. 2977-3004.

[2] DIN 2000: 2000-10, Leitsätze für Anforderungen an Trinkwasser, Planung, Bau, Betrieb und Instandhaltung der Versorgungsanlagen, technische Regel des DVGW.

[3] DIN EN 1622 : 2006-10; Wasserbeschaffenheit - Bestimmung des Geruchsschwellen-werts (TON) und des Geschmacksschwellenwerts (TFN); Deutsche Fassung EN 1622:1997.

[4] Schlett, C.: Die sensorische Untersuchung und Bewertung von Wasserproben, DVGW-Sensorik-Seminar, 9. November 2005, Langenau.

[5] Bestimmung leichtflüchtiger organischer Verbindungen in Wasser; Verfahren mittels Gaschromatographie und Massenspektrometrie (GC-MS) nach Headspace-Festphasenmikroextraktion (HS-SPME) (F41).

[6] DIN 10961 : 1996-08; Schulung von Prüfpersonen für sensorische Prüfungen.

[7] DVGW Wasser Information Nr. 65, August 2006, Anforderungen und Durchführung von sensorischen Prüfungen in Wasserlaboratorien.

[8] DIN 10964 . 1996-02; Sensorische Prüfverfahren: Einfach beschreibende Prüfung.

[9] DEV B1/2 : 1971; Prüfung auf Geruch und Geschmack.

[10] DIN EN ISO 7887 : 1994-12; Wasserbeschaffenheit: Untersuchung und Bestimmung der Färbung, Deutsche Fassung EN ISO 7887 : 1994.

* Dr. Peter Balsaa: IWW Rheinisch-Westfälisches Institut für Wasser Beratungs- und Entwicklungsgesellschaft mbH, 45476 Mülheim an der Ruhr

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