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Integrative Grundwasserbewertung
Wasseranalytische Dreifaltigkeit: Ökologie, Toxikologie, Chemie

Ein Gastbeitrag von Henner Hollert, Professor am Institut für Ökologie, Evolution und Diversität, Goethe-Universität Frankfurt; Gerhard Schertzinger, Geschäftsfeldleiter Toxikologie und Stoffbewertung, Rheinisch-Westfälischen Institut für Wasserforschung; Sabrina Schiwy, Ökotoxikologin, Goethe-Universität Frankfurt 6 min Lesedauer

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Wasser bedeutet Leben. Und wie das Leben sind auch Grundwassersysteme komplex. Um dem Rechnung zu tragen, zielt ein Forschungsprojekt auf einen dreigliedrigen Ansatz, der ökologische, ökotoxikologische und chemische Erkenntnisse mit einer sozial-ökologischen Bewertung verknüpft.

Abb.1: Integrierte Bewertung von Grundwasser durch chemische und effektbasierte Analysen mit paralleler Bewertung der Grundwasser-Biozönose(Bild:  MWAS)
Abb.1: Integrierte Bewertung von Grundwasser durch chemische und effektbasierte Analysen mit paralleler Bewertung der Grundwasser-Biozönose
(Bild: MWAS)

Sauberes Trinkwasser ist ein Menschenrecht. Um das auch in Zukunft zu erfüllen, ist es entscheidend, das Grundwasser nachhaltig zu nutzen, Kontaminationen zu vermeiden und eine langfristige Strategie zu entwickeln, um die begrenzten Ressourcen nicht zu verschwenden. Immerhin: Die Berichte zum zweiten Bewirtschaftungsplan der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) zeigen, dass 74 Prozent der Grundwasserkörper einen guten chemischen Zustand aufweisen. Umgekehrt bedeutet dies aber, dass über ein Viertel des Wassers diesen Zustand verfehlt. Hauptgrund dafür ist nach wie vor die Belastung mit Nitrat. Darüber hinaus finden sich anthropogene Spurenstoffe wie Antibiotika, Arzneimittel und perfluorierte Substanzen (PFAS) flächendeckend im Grundwasser.

Eintragsquellen, die zu einer Belastung der Grundwasserökosysteme führen, sind insbesondere Oberflächenversickerung, einschließlich lokaler Verschmutzung durch Altlasten, Unfälle und Abwassereinleitungen sowie diffuse Quellen wie Verkehr, Landwirtschaft und Industrie. Zudem gefährdet der Klimawandel die Grundwasserqualität: Einerseits senken Dürreperioden den Grundwasserspiegel, was zu Schadstoffeinträgen über das Oberflächenwasser führen kann. Andererseits können extreme Niederschlagsereignisse zusätzliche Einträge in den Untergrund verursachen. Aufgrund der spezifischen Eigenschaften des Grundwassers und des Fehlens biologischer und photolytischer Abbauprozesse sind anthropogene Spurenstoffe im Grundwasser persistenter.