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Schiefergas

Wer profitiert vom Schiefergas-Boom in den USA?

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Dem Shale Gas-Boom geschuldet ist auch die im letzten Jahr zwischen Linde und Bechtle geschlossene Partnerschaft, mit der beide an den in den USA geplanten Petrochemieprojekten partizipieren wollen. Bislang profitiert hauptsächlich Lindes-LNG-Geschäft vom Shale Gas, denn hier kommt das Know-how des Konzerns bei der Förderung, Verflüssigung und Lagerung von Erdgas zum Tragen. Im Geschäftsbericht des ersten Quartals 2012 weist Lindechef Dr.-Ing. Aldo Belloni einen Auftrag zur Erschließung von Schiefergasvorkommen in Nordamerika aus, der 95 Millionen US-Dollar in die Kassen der Engineering Division spülte.

Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs, insgesamt, so schätzt der Chemieverband American Chemistry Council laut einem Bericht der Wirtschaftwoche, hat der Schiefergas-Boom in der Petrochemie mittlerweile Investitionen im Gesamtvolumen von 25 Milliarden Dollar ausgelöst.

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Ethancracker stehen hoch im Kurs

Getrieben sind diese Zahlenspiele durch die weltweite Ethylenproduktion von rund 160 Millionen Tonnen im Jahr 2012. Denn ohne Ethylen geht nichts in der Chemie und in der Kunststoffindustrie schon gar nicht: Verpackungen, Autositze, Kabelmäntel, Eimer und vieles mehr basieren auf der massenhaft produzierte Chemikalie. Der weltweite Bedarf wächst vor allem in den Emerging Markets ungebremst.

Und da die Rohstoffpreise zu 80 Prozent auf die Produktionskosten durchschlagen, ist leicht auszurechnen, dass selbst geringe Preisunterschiede große Wirkung entfalten. Und tatsächlich liegt die Preisdifferenz zwischen Rohöl und Ethan, die Chevron Phillips Chemical-Chef Peter L. Cella im letzten Jahr auf dem GPCA-Forum (Gulf Petrochemicals & Chemicals Association) in Dubai vorstellte, bei 40 zu 1.

Der Chemieriese steht stellvertretend für noch zehn andere Unternehmen, die laut Ratingagentur Fitch, Geld in die Hand nehmen, um Ethancracker zu bauen und damit die von Uhde-Chef Thieman vorhergesagte zweite Welle einläuten. Das Joint Venture zwischen Chevron und Conoco Phillips ist eigenen Angaben zufolge der weltweit zweitgrößte Hersteller von High-Density-Polyethylen (HDPE) und Alphaolefinen sowie der neuntgrößte Ethylenhersteller. Mit der Amerikanern eigenen Euphorie malte Vorstandsschef Cella in Dubai ein Szenario aus, das die anwesenden Ölscheichs nicht erfreut haben dürfte.

Er leitete nämlich seinen Vortrag, der sich mit der Entwicklung der Ethylenkapazitäten befasste, mit der Frage ein, wo denn die Crackerkapazitäten, die bis 2020 benötigt würden, entstünden, und welchen Rohstoff sie nutzen würden. Seine Prognose: In den USA würde sich bis 2016 das Ethylenangebot auf 12 000 MBB (Membrane Beta-Barrel) pro Tag verdoppeln, ausgehend von 600 MBB pro Tag im Jahr 2005, und Rohstoff sei nicht etwa Rohbenzin, sondern Ethan.

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Über den Autor

Anke Geipel-Kern

Anke Geipel-Kern

Leitende Redakteurin PROCESS/Stellvertretende Chefredakteurin PharmaTEC, PROCESS - Chemie | Pharma | Verfahrenstechnik