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Schiefergas

Wer profitiert vom Schiefergas-Boom in den USA?

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In die amerikanische Begeisterung mischen sich jedoch auch mahnende Stimmen, und die gehören deutschen Chemievorständen. BASF, Bayer, Evonik und Co. befürchten ins Hintertreffen zu geraten, da das billige Erdgas den amerikanischen Markt überschwemmt, und Energie dort so günstig wie nie ist.

Schiefergas bedeutet Wettbewerbsnachteil für die deutsche Chemie

Eine dieser Stimmen gehört Dr. Thomas Haeberle, Mitglied des Evonik Industrie-Vorstandes. In seinem Eröffnungsvortrag anlässlich der Processnet- und Dechema-Jahrestagung der Biotechnologen dieses Jahres, verwies er auf einen klaren Wettbewerbsnachteil für die deutsche Chemie und prognostizierte: „Shale Gas wird die Chemieindustrie nachhaltig verändern.“

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„Die USA haben ihre Fördermengen in den letzten fünf Jahren so drastisch hochgeschraubt, dass der Erdgaspreis dort in der Spitze um bis zu 80 Prozent gesunken ist. Wir müssen den Tatsachen ins Auge sehen: Derzeit bezahlen wir in Europa für Erdgas etwa vier- bis fünfmal so viel wie in den USA. Das bedeutet deshalb auch verschärfte Konkurrenz für die europäischen Standorte,“ präzisiert Dr. Harald Schwager, das für Energie und Petrochemie zuständige Vorstandsmitglied der BASF.

Wie alle europäischen Chemievorstände, die Produktionsstätten in Nordamerika betreiben, dürfte er die Entwicklung mit einem lachenden und einem weinenden Auge betrachten, denn von einem wirtschaftlichen Boom, und von dem gehen alle Prognosen derzeit aus, profitiert natürlich auch das Nordamerikageschäft der BASF. Zum Beispiel sei die Butandiol-Produktion am Verbundstandort in Geismar, Louisiana, dank des niedrigen Gaspreises derzeit sehr wettbewerbsfähig, freut sich Schwager.

Und der Konzern profitiert auch ganz direkt von der Schiefergasförderung, nämlich durch den Verkauf von Technologie zur Wasseraufbereitung und Fracking-Chemikalien. Performance Chemicals beispielsweise hat Ameisensäure im Portfolio, die dabei hilft den Gasdurchfluss im Schiefer zu verbessern. Wohl auch um den erwarteten Bedarf zu bedienen, hat die Konzernspitze jetzt in Luisiana den Bau einer Ameisensäureanlage angekündigt. Und den Cracker, den BASF gemeinsam mit Total am Standort Port Arthur in Texas betreibt, haben die Verfahrenstechniker so modifiziert, dass er mehr Gas als Rohstoff verarbeiten kann.

Warum ein Ende des Shale Gas-Booms noch lange nicht in Sicht ist, erfahren Sie auf der nächsten Seite.

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