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Software für mittelfristige Klimaprognosen Wettervorhersage für die nächsten zehn Jahre

| Autor/ Redakteur: Sven Lebort* / Christian Lüttmann

Morgen überwiegend sonnig bei 20 bis 26 °C – solche Aussagen sind aus dem täglichen Wetterbericht bekannt. Doch welche Wettertrends sind im Zeitraum von zehn Jahren zu erwarten? Diesen ungewöhnlichen Vorhersagezeitraum wollen Forscher der Freien Universität Berlin mit ihrem neuen Wettermodell bedienen.

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Wetterbericht für die kommenden 10 Jahre? Eine neue Software soll mittelfristige Wettertrends berechnen (Symbolbild).
Wetterbericht für die kommenden 10 Jahre? Eine neue Software soll mittelfristige Wettertrends berechnen (Symbolbild).
(Bild: Pixabay/Pixaline (Collage))

Berlin – Kann ich morgen den Wintermantel gegen die Übergangsjacke tauschen? Brauche ich einen Regenschirm für den Spaziergang? Und ist es eine gute Idee, diese Woche mit dem Rad zur Arbeit zu fahren, oder sollte ich besser die Bahn nutzen? Solche Fragen beantworten uns die Wetterberichte bereits hinreichend und – je kurzfristiger, desto besser – auch mit großer Sicherheit.

Doch es sind nicht die einzigen Fragen, die von Belang sind. Viel geforscht wird auch zu dem Aspekt, wie sich das Klima in den nächsten Jahrhunderten insgesamt verändern wird: wo es wärmer wird, wie sehr der Meeresspiegel steigen und in welchen Regionen die Anzahl von Wetterextremen zunehmen könnte.

Lücke in der Wettervorhersage

Zwischen den Kurz- und Langzeitprognosen klafft allerdings derzeit eine große Lücke: Mittelfristige Vorhersagen – in der Größenordnung von zehn Jahren – sind bisher kaum möglich. Gerade sie sind aber für Wirtschaft, Medizin und Politik sehr wichtig. „Denken Sie nur an den Energiesektor: Brauchen wir mehr oder weniger Windkraft- und Solaranlagen, und wenn wir mehr brauchen, dann wo? Wie viel Energie wird wann an welchen Orten erzeugt?“, sagt Ulrich Cubasch, Professor für Meteorologie an der Freien Universität Berlin.

Antworten auf diese Fragen möchten Cubasch und seine Kollegen im Projekt „Mittelfristige Klimaprognosen“ kurz Miklip, finden. Darin soll geklärt werden, ob verlässliche Vorhersagen für die nächsten zehn Jahre möglich sind.

Vorhersagen für Landwirte und Versicherungen relevant

In der 2015 abgeschlossenen ersten Projektphase hat sich bereits gezeigt, dass es mit den heute verfügbaren Daten durchaus möglich ist, mittelfristige Klimaprognosen zu erstellen. Ziel der jetzt endenden zweiten Phase war es, einen Software-Prototyp für solche Vorhersagen zu entwickeln und ihn dem Deutschen Wetterdienst zur Verfügung zu stellen.

„Natürlich werden wir nie sagen können, wie warm es an einem bestimmten Tag im Jahr 2025 sein wird und ob dann die Sonne scheint oder es regnet“, sagt Cubasch. „Aber wir können sagen, um wie viel Grad es im Durchschnitt wärmer wird, wie sich die Niederschlagsgebiete verschieben, und wir können die Veränderungen des Golfstroms vorhersagen.“

Die Nachfrage nach solchen Prognosen sei groß, versichert Cubasch, der auch Mitglied im Weltklimarat der Vereinten Nationen ist: Versicherungen etwa passten ihre Prämien an die Wahrscheinlichkeit von großen Stürmen oder starken Regenfällen an. Landwirte wollten wissen, ob sie künftig besser Pflanzen anbauen, bei denen es mehr auf Dürreresistenz ankommt als auf Winterhärte. Reedereien wüssten gern, wann die Arktis wo schiffbar ist, Krankenhäuser müssten sich möglicherweise auf Hitzeperioden und die damit verbundenen Kreislaufprobleme einstellen.

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