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Software für mittelfristige Klimaprognosen

Wettervorhersage für die nächsten zehn Jahre

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Bojen auf Daten-Tauchgang

Um eine verlässliche Zehn-Jahres-Prognose, auch „dekadische Vorhersage“ genannt, erstellen zu können, entwickelten die Forscher ein mathematisches Modell, das mit sehr vielen Daten gefüttert wird. Die Daten stammen von Wetterballons, Satelliten und unzähligen Sensoren, vor allem in den Ozeanen. Dort schwimmen mittlerweile zahlreiche solcher Mess-Bojen.

Auch solche, die tauchen, unter Wasser Strömungen und Temperaturen messen, dann in regelmäßigen Abständen emporkommen und ihre Ergebnisse an Satelliten senden. Viele Handelsschiffe erstellen ebenfalls Messungen, die zu dem riesigen Datensatz beitragen, auf den die Klimaforscher zugreifen können. Jetzt, zum Ende des Projekts, ist nicht nur das Modell erstellt, sondern auch der Software-Prototyp.

„Wir haben testweise zurückliegende Jahre durchgerechnet, etwa die Zeit von 1961 bis 2013 – und die Ergebnisse stimmten mit der Realität sehr gut überein“, sagt Cubasch. „Dabei haben wir viel gelernt, wie wichtig die Ozeane für eine zutreffende Prognose sind.“ Erst seit etwa zehn Jahren seien genügend Daten und eine ausreichende Rechenleistung verfügbar, um die Ozeane einbeziehen zu können. Seither habe die Entwicklung von Prognosemodellen einen Sprung gemacht, betont der Klimaexperte.

Erste Testvorhersage online

Der im Miklip-Projekt neu entwickelte Prototyp soll nun vom Deutschen Wetterdienst für mittelfristige Prognosen genutzt werden. Die Forschungsergebnisse würden veröffentlicht, aber wegen des immensen Rechenaufwandes werde wohl nur der Wetterdienst die Programme einsetzen, sagt Cubasch. „Eine Versicherung oder ein Landwirtschaftsbetrieb werden sich diesen Aufwand nicht leisten wollen oder können; sie nutzen lieber die Prognosen der Dienste.“

Miklip ist demnach auf der Zielgeraden. Eine erste Testvorhersage für den Zeitraum 2018 bis 2027 wird unter www.fona-miklip.de bereits angeboten. Ende Mai findet die abschließende Konferenz im Harnack-Haus der Max-Planck-Gesellschaft in Berlin-Dahlem statt. Zu diesem Zeitpunkt werde der Deutsche Wetterdienst die Software möglicherweise schon in einer Pilotphase im Einsatz haben, rechnet Cubasch.

Rentable Technologie?

Die entscheidenden Fragen seien nun, ob das Interesse aus der Wirtschaft für die dekadische Prognose wirklich existiere und ob es groß genug sei, dass der Wetterdienst mit diesen Prognosen Geld verdiene. Dass sich ein einzelnes Unternehmen die nötige Rechenkraft und die Software selbst installiere, hält er für unwahrscheinlich; deshalb war der Wetterdienst auch von Anfang an am Forschungsprojekt beteiligt. Nur dort sitzen auch Klimaspezialisten, die solche Modellierungen überhaupt seriös betreiben können. „Es wäre wirklich bedauerlich, wenn das Ergebnis von so viel Arbeit in der Schublade endete“, sagt der Meteorologe. Der wissenschaftliche Gewinn sei aber bereits jetzt immens und unverzichtbar.

* Sven Lebort, Freie Universität Berlin, 14195 Berlin

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