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Flexible Ernährung als Erfolgsfaktor

Wie sich der Asiatische Elefant in der Evolution durchsetzte

| Autor / Redakteur: Judith Jördens* / Christian Lüttmann

Die beiden untersuchten Rüsseltiere: Asiatischer Elefant (links) und Stegodon (rechts)
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Die beiden untersuchten Rüsseltiere: Asiatischer Elefant (links) und Stegodon (rechts) (Bild: Nicola Heath)

Er hat es nicht geschafft: Stegodon orientalis aus Familie der Rüsseltiere. Warum er ausgestorben ist, sein naher Verwandter der Asiatische Elefant, jedoch nicht, haben nun Forscher der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung untersucht. Flexibilität in der Ernährung spielte vermutlich eine wichtige Rolle.

Frankfurt am Main – Elefanten wie der Afrikanische Elefant und der Asiatische Elefant gehören zu den Rüsseltieren. Weitere bekannte Vertreter sind vor allem die Mammuts. Doch auch Stegodon orientalis gehört zur Familie der Rüsseltiere und ist – trotz seines relativ langen, niedrigen Körpers – ein naher Verwandter des heutigen Asiatischen Elefanten (Elephas maximus).

Während der Asiatische Elefant heute weit verbreitet ist, starben die letzten Vertreter von Stegodon orientalis vor etwa 12.000 Jahren aus. „Zur Zeit des Pleistozäns, vor etwa 700.000 Jahren, lebten in Südostasien aber Stegodon- und Elefantenherden in überraschender Koexistenz“, sagt Prof. Dr. Hervé Bocherens vom Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen. Er hat gemeinsam mit Wissenschaftlern aus China ergründet, wieso der Asiatische Elefant bis heute überlebt hat, Stegodon hingegen nicht.

Zähne verraten Futtervorliebe

Die Forscher haben fossile, etwa 80.000 Jahre alte Zähne der beiden Rüsselträger aus der südchinesischen Höhle Quzai untersucht. „Wir konnten anhand von Kohlen- und Sauerstoffisotopie im Zahnschmelz der Tiere zeigen, dass sich die Asiatischen Elefanten flexibler ernährten, als Stegodonten“, sagt Jiao Ma, Erstautorin der Studie von der Chinese Academy of Sciences.

So genannte C4-Pflanzen, wie krautige Gewächse in der Savanne, hinterlassen im Gewebe von Pflanzenfressern eine andere Signatur, als Gehölz- oder C3-Pflanzen aus bewaldeten Gebieten. Diese über Jahrmillionen erhaltenen Signale zeigen, dass Stegodon die Nahrungsaufnahme in dichten Wäldern bevorzugte, während die Asiatischen Elefanten sich sowohl in der Savanne, als auch in den bewaldeten Gebieten ernährten.

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Flexible Ernährung als Erfolgsmodell

Die verschiedenen bevorzugten Nahrungsgründe könnten den Forschern zufolge ein Faktor für den Überlebenserfolg des Asiatischen Elefanten gewesen sein. „Diese unterschiedliche Ernährungsmethode könnte sowohl eine Erklärung für die parallele Existenz der beiden Rüsseltiere im Pleistozän, als auch einer der Gründe für das Aussterben von Stegodon sein“, meint Bocherens. „Während ihres gemeinsamen Auftretens besetzten die Tiere unterschiedliche Nischen und der Konkurrenzdruck war nicht so hoch. Der Asiatische Elefant konnte sich aber aufgrund seiner flexiblen Ernährung besser auf veränderte Umweltbedingungen einstellen – dies war dann wahrscheinlich der ausschlaggebende Faktor für sein Überleben“, schließt der Forscher.

Originalpublikation: Jiao Ma, Yuan Wang, Changzhu Jin, Yaowu Hu, Hervé Bocherens: Ecological flexibility and differential survival of Pleistocene Stegodon orientalis and Elephas maximus in mainland southeast Asia revealed by stable isotope (C, O) analysis. Quaternary Science Reviews, Volume 212, 2019, Pages 33-44; DOI: 0.1016/j.quascirev.2019.03.021.

* J. Jördens, Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, 60325 Frankfurt am Main

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