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Laborsicherheit Wie werden Ebola-kontaminierte Abfälle richtig transportiert und entsorgt?

| Autor / Redakteur: Heinrich Maidhof, Julia Sasse und Roland Grunow* / Dr. Ilka Ottleben

Bei der Behandlung von Ebola-Patienten auf Sonderisolierstationen fällt in erheblichem Maße (potenziell) kontaminiertes Material an. Wie ist dieses sicher zu entsorgen und worauf muss geachtet werden, wenn es zur Entsorgung zunächst noch transportiert werden muss?

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Abb. 1: Mit Ebolaviren kontaminierte Proben und Abfälle stellen besondere Anforderungen an ihren Transport und ihre Entsorgung.
Abb. 1: Mit Ebolaviren kontaminierte Proben und Abfälle stellen besondere Anforderungen an ihren Transport und ihre Entsorgung.
(Bild: © Aycatcher - Fotolia)

In den letzten Wochen ist der Ebola-Ausbruch in den westafrikanischen Ländern Guinea, Liberia und Sierra Leone aus den Schlagzeilen der Zeitungen verschwunden. Gleichwohl ist der Ausbruch noch immer nicht beendet. Die Zahl der Neuerkrankten ist zwar deutlich zurückgegangen und in Liberia wurden im März 2015 zeitweilig gar keine Neuerkrankungen an hämorrhagischem Ebolafieber mehr registriert, aber in den beiden anderen betroffenen Ländern vermeldete die Weltgesundheitsorganisation (WHO) immer noch 116 Neuerkrankungen für die erste Märzwoche 2015 [1]. Gerade diese Zeit ist besonders kritisch, da die Vorsichtsmaßnahmen nachlassen und sich so neue Infektionsquellen ergeben. Zudem könnte sich ein solches Ereignis zukünftig auch wieder ereignen, da das für die Krankheit verantwortliche Ebolavirus aus dem Tierreich auf den Menschen übertragen werden kann. Als Reservoir wurden bisher vor allem Flughunde vermutet, neueste Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass auch Fledermäuse in Betracht kommen [2]. Anfällig für eine Infektion sind unter anderem besonders nicht-humane Primaten und kleine Antilopenarten.

Das Ebolavirus ist aus verschiedenen Gründen für den Menschen sehr gefährlich. Die Krankheit zeigt die vielfältige Symptomatik eines hämorrhagischen Fiebers und verläuft zumindest unter den eingeschränkten medizinischen Versorgungsmöglichkeiten in Afrika in vielen Fällen tödlich, beim aktuellen Ausbruch werden Letalitätsraten zwischen 50 % für Liberia, 57 % für Guinea und 66 % für Sierra Leone angegeben (Quelle: WHO). Es gibt bislang keine zugelassene und erprobte Impfung und auch keine spezifischen Therapien, jedoch sind einige potenzielle Medikamente in der Erprobung [3]. Auch wenn die Viren nicht aerogen übertragen werden, ist die Krankheit hochansteckend, da Erkrankte hohe Viruskonzentrationen in Blut, Schweiß, Urin, Fäzes, Erbrochenem und anderen Körpersekreten aufweisen. Jeder ungeschützte Kontakt mit virushaltigem Material birgt die Gefahr einer Ansteckung. Das Tragen von geeigneter persönlicher Schutzausrüstung (PSA) ist daher eine zwingende Notwendigkeit für alle Personen, die mit Patienten in Kontakt kommen, die an Ebolafieber erkrankt sind.

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Für Deutschland bestand und besteht nur eine sehr geringe Gefahr der Einschleppung von Ebola (Quelle: RKI). Nur sehr wenige Reisende aus Westafrika haben Deutschland als Ziel. Während der Inkubationszeit (Zeit von der Ansteckung bis zum Auftreten der Krankheitssymptome) sind Patienten nicht ansteckend. Das entscheidende Kriterium ist aber, dass in Deutschland sehr gut funktionierende infektionsepidemiologische Überwachungssysteme etabliert sind und eine Reihe von spezialisierten Behandlungszentren besteht (Stakob, www.stakob.rki.de), in denen Erkrankte unter strikten Isolationsbedingungen von spezialisiertem und gut trainiertem medizinischen Personal behandelt werden können.

Ansteckungsgefährliches Material sicher transportieren

Diese Verfügbarkeit von Sonderisolierstationen führte auf Anfrage der WHO auch zur Aufnahme von internationalem Hilfspersonal, das sich bei der Krankenbehandlung in Afrika infiziert hatte. Bei der Behandlung der Patienten in diesen Einrichtungen zeigte sich ein erheblicher Anfall von potenziell kontaminiertem Material. Neben Schutzanzügen und Handschuhen der Ärzte und Pfleger musste eine Vielzahl von weiteren Abfällen sicher entsorgt werden. Idealerweise verfügt die Sonderisolierstation über einen geeigneten entsprechend dimensionierten Durchreiche-Autoklaven, in dem alle Abfälle vor Ort sicher inaktiviert werden können. Dies entspricht der Vorgabe der TRBA 250 des Ausschusses für Biologische Arbeitsstoffe. Aktuell verfügen jedoch nicht alle Einrichtungen über einen entsprechenden Autoklaven. Daher bestand die Notwendigkeit eines regelkonformen Transports des ansteckungsgefährlichen Materials zur Entsorgung in einer Sondermüllverbrennungsanlage.

Hämorrhagische Fieber als mögliche Ursache der Entstehung von Abfällen, an deren Sammlung und Entsorgung aus infektionspräventiver Sicht besondere Anforderungen gestellt werden, werden in der Mitteilung der Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Abfall (LAGA) 18 „Vollzugshilfe zur Entsorgung von Abfällen aus Einrichtungen des Gesundheitsdienstes“ [4] explizit genannt. Abfallrechtlich gehören Ebolavirus-belastete Abfälle somit zum Abfallschlüssel 18 01 03*.

Trotzdem haben sich in der Praxis im Zusammenhang mit diesen besonderen Abfällen eine Reihe von Fragen ergeben, deren Beantwortung und weitere Informationen ein Arbeitskreis mit Sachverständigen aus RKI, Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), Umweltbundesamt (UBA), Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), DFV, Verband der Chemischen Industrie (VCI) und weiteren Experten erarbeitet hat.

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