Sie wirkt gegen Diabetes Typ 2, ist als Mittel gegen Übergewicht zu einem Trend geworden, und kann offenbar noch sehr viel mehr: die Abnehmspritze Wegovy sowie Ozempic, genauer gesagt deren Wirkstoff Semaglutid. Ihre zahlreichen positiven medizinischen Effekte sowie Risiken und Nebenwirkungen hat eine aktuelle Studie untersucht.
Der Wirkstoff Semaglutid aus der „Abnehmspritze“ von Ozempic hat noch zahlreiche weitere Effekte auf die menschliche Gesundheit – positive wie negative.
St. Louis (dpa) – Viel Nutzen, aber auch einige Risiken: In einer systematischen Analyse haben Forscher anhand riesiger Datensätze die medizinischen Vor- und Nachteile von GLP-1-Rezeptor-Agonisten (GLP-1-RA) ermittelt, wie sie etwa in der Abnehmspritze Wegovy sowie Ozempic enthalten sind. Sie sind hierzulande gegen Diabetes Typ 2 und viele Fälle von Übergewicht zugelassen.
Die Medikamente aus der noch recht neuen Wirkstoffklasse sind ungemein populär. Erst im Sommer wies das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) angesichts der großen Nachfrage auf zeitweilige Versorgungsengpässe hin.
Systematisch verstehen, was die Wirkstoffe leisten
Die Wirkstoffe, die überwiegend einmal pro Woche injiziert werden, verlängern vor allem die Verweildauer der Nahrung im Verdauungstrakt und erhöhen so das Sättigungsgefühl. Dass sie sowohl gegen Diabetes Typ 2 als auch beim deutlichen Abnehmen helfen, ist unstrittig. Zudem prüfen Studien derzeit ihren möglichen Nutzen gegen etliche weitere Erkrankungen, darunter Parkinson und Alzheimer.
„Angesichts der Neuheit der Medikamente und ihrer in die Höhe schießenden Popularität ist es wichtig, die Auswirkungen auf alle Körpersysteme systematisch zu analysieren, um zu verstehen, was sie tun und was nicht“, wird Hauptautor Dr. Ziyad Al-Aly von der Washington University in St. Louis in einer Mitteilung seiner Universität zitiert. Ziel sei eine umfassende Kartierung der Verbindungen dieser Wirkstoffe zu sämtlichen Organsystemen.
Über eine Million Menschen in medizinischer Studie erfasst
Dazu wertete das Autorentrio eine Datenbank des US-Kriegsveteranenministeriums aus. Daraus verglich es rund 216.000 Menschen, die GLP1-Rezeptor-Agonisten gegen Diabetes 2 nahmen, mit gut 1,2 Millionen Veteranen, die andere Therapien gegen die Stoffwechselerkrankung nutzten.
Insgesamt nahm das Team 175 mögliche medizinische Auswirkungen des Wegovy-Wirkstoffs in den Fokus. Die mittlere Beobachtungsdauer betrug 3,7 Jahre. Ergebnis: Für 42 gesundheitliche Probleme sank unter der GLP-1-RA-Therapie das Risiko, dagegen stieg es für 19 andere.
Günstige Effekte fand das Team bei über 40 der untersuchten Erkrankungen. So stellten die Forscher positive Effekte auf folgende Symptomatiken fest:
Suchtprobleme – etwa mit Alkohol, Opiaten, Tabak oder Cannabis
psychotische Störungen
Demenz wie Alzheimer
Blutgerinnungsstörungen
Herz-Kreislauf-Beschwerden
Infektionskrankheiten
diverse Atemwegsprobleme – von Bronchitis über Lungenentzündung bis zu chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD)
Mit einer Risikominderung von jeweils meist 10 bis 20 Prozent fällt die Effektstärke jedoch eher mäßig aus.
„GLP-1-RA-Präparate wirken auf Rezeptoren in Gehirnarealen, die an Impulskontrolle, Belohnung und Sucht beteiligt sind“, erläutert Hauptautor Al-Aly. „Das erklärt möglicherweise ihre Wirksamkeit beim Drosseln von Appetit und Suchterkrankungen.“ Die möglicherweise verringerte Demenzgefahr erklärt er mit der entzündungshemmenden Wirkung im Gehirn.
Die Studie gibt auch Hinweise drauf, dass GLP-1-RA-Präparate die Gefahr von suizidalen Gedanken und Selbstverletzungsgedanken reduzieren können, schreibt die Gruppe und verweist auf mögliche antidepressive Eigenschaften der Medikamente.
Risiken von Wegovy, Ozempic und ähnlichen Semaglutid-Präparaten
Neben den zahlreichen positiven Effekten nennt die Forschergruppe auch einige Risiken, die mit der Abnehmspritze einhergehen können, unter anderem:
Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit und Erbrechen
Sodbrennen
Gelenkentzündungen
Schlafstörungen oder Hypotonie, also zu niedriger Blutdruck
Zudem könnte die Einnahme in seltenen Fällen entzündliche Prozesse in den Nieren und der Bauchspeicheldrüse fördern.
Fazit zu GLP-1-RA-Präparaten
Das Autorentrio betont, die Erkenntnisse der Studie könnten generell dazu führen, neue medizinische Zusammenhänge systematisch zu erforschen. Gleichzeitig hätten sie schon jetzt Bedeutung für die medizinische Praxis. So sollte beim Einsatz der Präparate etwa der Blutdruck gut kontrolliert und bei Bedarf die Einnahme von Blutdrucksenkern angepasst werden. Auch auf andere mögliche negative Auswirkungen der Therapie sollte künftig verstärkt geachtet werden.
Stand: 08.12.2025
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„GLP-1-RA-Präparate können einen breiten gesundheitlichen Nutzen bieten“, sagt Al-Aly. „Aber risikofrei sind sie nicht.“