English China
Suchen

Zertifizierung Analysensiebe richtig zertifizieren und kalibrieren

Autor / Redakteur: Josef Robben* / Dipl.-Chem. Marc Platthaus

Pulver, Granulate oder Gemische – ein wichtiger Parameter, um diese zu klassifizieren, ist die Korngröße. Die Charakterisierung mithilfe von Analysensieben ist hier eine oft genutzte Methode. Wie lassen sich solche Siebe zertifizieren und kalibrieren?

Firmen zum Thema

Abb.1: Mobile Messanlage für die Zertifizierung von gebrauchten Analysensieben vor Ort.
Abb.1: Mobile Messanlage für die Zertifizierung von gebrauchten Analysensieben vor Ort.
(Bild: Haver & Boecker)

Die Korngrößenbestimmung mithilfe der Siebanalyse ist ein seit Jahrzehnten anerkanntes Prüfverfahren. Es dient in allen Bereichen, wo es auf eine genaue Bestimmung der Korngrößen ankommt, als Basis für die Beurteilung von Schüttgütern, Pulvern und Mahlprodukten.

Die Prüfsiebung dient der Eigenkontrolle der erzeugten Produkte oder zur Fremdkontrolle von Zulieferprodukten oder auch nur zur Klassifizierung von Materialen. Analysensiebe, oft auch als Prüfsiebe bezeichnet, dienen hier als Messmittel und unterliegen somit der Prüfmittelkontrolle. Es gibt verschiedene Verfahren, um Analysensiebe zu überprüfen.

Optische Überprüfung der Maschenweite

Ein gängiges Verfahren ist die Überprüfung mit Prüfsanden oder speziellen Materialproben, wie Glaskugeln (beispielsweise nach dem amerikanischen NIST-Standard). Der Massenanteil des Referenzmaterials als Rückstand auf dem zu prüfenden Analysensieb dient zur
Beurteilung der Maschenweitenverteilung.

Der Vorteil dieses Verfahrens ist die Bestimmung des Absiebungsverhaltens unterschiedlicher Analysensiebe mit nominell gleicher Maschenweite. Der Nachteil ist allerdings auch offensichtlich: Es ist keine Rückführbarkeit auf ein nationales Massnormal gegeben. Die Qualität der Überprüfung hängt von der Materialgüte des Referenzmaterials ab.

Um die Rückführbarkeit auf die nationale Normale zu gewährleisten, hat sich daher die optische Überprüfung der Maschenweite mithilfe kalibrierter Bildschirmmessanlagen als zuverlässige Prüfmethode für Prüfsiebe etabliert. Haver & Boecker hat hierfür eine Messanlage entwickelt, bei der das Analysensieb auf einen zweidimensional verfahrbaren Messtisch gelegt und im Durchlichtverfahren optisch vermessen wird. Die Messanlage wird unter Verwendung eines kalibrierten Planglassstabes kalibriert. Damit ist eine Rückführbarkeit auf die nationale Normale gewährleistet.

In der ISO 3310 und ASTM E 11 wird zwischen Zertifizierung und Kalibrierung unterschieden. Bei der Zertifizierung wird je nach Maschenweite eine unterschiedliche Anzahl an Maschen vorgegeben, die sowohl in Kett- und Schussrichtung vermessen werden müssen. Diese Messergebnisse werden statistisch ausgewertet.

Die Normen geben hier Toleranzwerte vor, die eingehalten werden müssen. Sollte ein Kriterium nicht erfüllt werden, wird das Analysensieb verworfen. Bei der Kalibrierung werden bis zu dreimal so viele Maschen gemessen wie bei der Zertifizierung. Hierdurch wird das statistische Vertrauensniveau gegenüber der Zertifizierung erhöht.

Mit Prüfzeugnis dokumentiert

Die Ergebnisse der Zertifizierung oder Kalibrierung werden in einem Prüfzeugnis dokumentiert. Mithilfe dieser Prüfzeugnisse können unterschiedliche Absiebungsergebnisse bei zwei verschiedenen Analysensieben mit gleicher Maschenweite leicht erklärt werden. Durch regelmäßige Re-Zertifizierungen kann ermittelt werden, ob ein Prüfsiebgewebe sich z.B. durch Materialanlagerungen am Draht verändert und das Analysensieb ausgetauscht werden sollte. Durch unsachgemäßes Reinigen der Analysensiebe können Drähte verschoben und die Maschenweiten verändert werden. Auch hier stellt der Nachweis durch eine Re-Zertifizierung eine solide Prüfmethode dar. Haver & Boecker bietet seinen Kunden sowohl mit seiner stationären Anlage im Werk Oelde, als auch mit der mobilen Messanlage direkt „vor Ort“ beim Kunden die Möglichkeit, ihre Siebe regelmäßig überprüfen zu lassen.

Ist der Nachweis der Güte eines Prüfsiebes durch eine akkreditierte Prüfanstalt nach DIN EN ISO/IEC 17025 vorgeschrieben, ist neben den Vorgaben der internationalen Prüfsiebnormen auch die Messunsicherheit in den Protokollen anzuführen, die unter speziellen Messbedingungen, z.B. konstanter Umgebungstemperatur, eingehalten werden müssen. Haver & Boecker verfügt seit einigen Jahren über ein von der Dakks akkreditiertes Prüflabor, das diese besonders hohen Anforderungen erfüllt.

Durch die regelmäßige Überprüfung der Analysensiebe wird sicher gestellt, dass die Normvorgaben eingehalten werden. Abweichungen bei den Absiebungsergebnissen sollten dadurch minimiert und reproduzierbare Siebergebnisse ermöglicht werden. Hier spielen aber noch weitere Parameter eine gewichtige Rolle, wie die Probennahme oder Siebmaschinenart. Auch hierfür bietet Haver & Boecker verschiedene Lösungsmöglichkeiten an.

* J. Robben: Haver & Boecker Geschäftsbereich Partikelanalyse, 59302 Oelde, Tel. +49-2522-30-0

(ID:44224626)