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Sepsis Blockadestrategie gegen gefährliche Pilzinfektionen entdeckt

Redakteur: Dipl.-Chem. Marc Platthaus

Pathogene Pilze verursachen bei Patienten mit geschwächten Immunsystem Infektionen mit hoher Sterblichkeit. In Karl Kuchlers CD-Labor der Medizinischen Universität Wien wurden nun die molekularen Entstehungsursachen von lebensbedrohlichen Entzündungsreaktionen, die durch Pilzinfektionen hervorgerufen werden, entschlüsselt.

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Forscher der Medizinschen Universität Wien haben eine Blockadestrategie gegen Pilzinfektionen entdeckt.
Forscher der Medizinschen Universität Wien haben eine Blockadestrategie gegen Pilzinfektionen entdeckt.
(Bild: fotolia.com/Med Uni Wien)

Wien/Österrreich – Bei Infektionskrankheiten ist häufig nicht der Erreger selbst, sondern eine Sepsis für die fatalen Folgen, wie zum Beispiel Organschäden im Organismus, verantwortlich. Auf Intensivstationen ist Sepsis weltweit die zweithäufigste Todesursache. Insbesondere bei stark immungeschwächten Patienten stellen lebensbedrohliche Candida-Pilzinfektionen ein hohes Risiko für Sepsis dar.

Kosten für antifugale Medikamente: über sechs Mrd. Euro pro Jahr

Weltweit werden alljährlich mehr als sechs Milliarden Euro für antifungale Medikamente ausgegeben, und die Gesamtkosten für die medizinische Behandlung von Infektionserkrankungen durch pathogene Pilze übersteigen dreistellige Milliardenbeträge. Die Arbeitsgruppe von Karl Kuchler im Christian Doppler Labor für Infektionsbiologie, Max F. Perutz Laboratories am Campus Vienna Biocenter, eine gemeinsame Einrichtung von MedUni Wien und Universität Wien, hat nun die molekularen Entstehungsursachen von lebensbedrohlichen Entzündungsreaktionen, die durch Pilzinfektionen hervorgerufen werden, entschlüsselt: Zwei hochaggressive Typen von Fresszellen des Immunsystems (Neutrophile und inflammatorische Monozyten), die allerdings auch hohes kollaterales Zerstörungspotenzial besitzen, vermitteln die entzündliche Reaktion bei der Candida-Infektion. Bestimmte Interferone, Botenstoffe des Immunsystems, die bei Pilzinfektionen ausgeschüttet werden, stimulieren die Einwanderung dieser Immunzelltypen in infizierte Organen und führen zur Sepsis.

Strategie: Immunantwort blockieren

„Wir konnten erstmals zeigen, dass die gezielte Blockade dieser Immunantwort mit entzündungshemmenden Medikamenten eine Candida-Sepsis und somit die Sterblichkeit deutlich reduziert“ sagt Karl Kuchler, der in der Studie eine entzündungshemmende Substanz verwendete, die auch als Wirkstoff zur Behandlung von Typ II Diabetes eingesetzt wird, nämlich Pioglitazon.

Durch die Gabe des Medikaments konnte im Mausmodell die Zahl und Aktivität von Neutrophilen und inflammatorischen Monozyten gezielt vermindert und die Überlebensrate bei invasiven Candida Infektionen erhöht werden. „Die gezielte Blockade überschießender Immunreaktionen könnte daher neue therapeutische Ansätze ergeben, um die Heilungschancen bei einer lebensbedrohlichen Pilzsepsis zu erhöhen“, meint Kuchler.

Originalpublikation: PLoS Pathog, “Type I Interferons Promote Fatal Immunopathology by Regulating Inflammatory Monocytes and Neutrophils during Candida Infections”, Olivia Majer, Christelle Bourgeois, Florian Zwolanek, Caroline Lassnig, Dontscho Kerjaschki, Matthias Mack, Mathias Müller & Karl Kuchler. PLoS Pathog. 2012 June. xx

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