English China

Tödliche Substanzen

Das kleine ABC der Gifte

Seite: 2/3

Firmen zum Thema

Natürlich muss dennoch versucht werden, greifbare Zahlen für die Giftwirkung zu finden. Deshalb wird die Toxizität als letale, also tödliche Dosis einer Substanz dargestellt, die je kg Körpergewicht des beispielhaften Opfers benötigt wird, um 50 Prozent seiner Kohorte zu töten. Die Abkürzung wird als LD50 verschriftlich. Damit verfügt man über einen statistisch gut erfassbaren Wert. Er ist aussagekräftiger als der LD100-Wert, der die Dosis angibt, die auch den stärksten Probanden schafft. Damit wird das Problem entschärft, dass die Giftwirkung eines Stoffs von der Konstitution des Opfers und den Umständen der Verabreichung abhängt.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 9 Bildern

LD-Werte und ihre Auswirkungen

Es versteht sich von selbst, dass die LD-Werte nicht in wissenschaftlicher Ausführlichkeit am Menschen getestet werden können. Daher behilft man sich, wo noch keine Werte für Menschen bekannt sind, mit den dem Menschen in vielen Faktoren ähnlichen Nagern Maus und Ratte. Am giftigsten – nämlich akut toxisch – ist ein Gift demzufolge, wenn davon beispielsweise 50 Milligramm je Kilogramm Körpergewicht ausreichen, um bei der oralen Verabreichung an eine Kohorte Durchschnittsratten den Faktor LD50 zu erreichen. Bei nur toxischen Giften müssen es schon mehr als 200 mg/kg eines Gifts sein.

Die folgende Auflistung sammelt einige wichtige und bekannte Gifte, erhebt aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Batrachotoxin (2 Mikrogramm je Kilogramm Körpergewicht bei der Maus bei oraler Gabe)

Manches Tier wie die Blattsteigerfrösche machen sich ihren biologischen Vorteil der Unempfindlichkeit gegen Gifte zunutze und fressen allerlei für sie selbst ungiftige Krabbeltiere. Das Gift sammeln sie in einem Sequestrierungsprozess in ihrem Gewebe und geben es über die Haut ab, die potentielle Fressfeinde mit grellen Farben vor dem Verzehr warnt. Bei Kontakt mit verletzter Haut des Opfers gelangt das Alkaloid Batrachotoxin in dessen Körper, wo es die Ionenkanäle der Nervenzellen öffnet, sodass sie unkontrolliert feuern und es zu Krämpfen – auch des Herzens – kommt. Den weiteren Namen Pfeilgiftfrösche erhielten sie, weil die Ureinwohner Amerikas ihr Gift für die Benetzung ihrer Blasrohr-Pfeile nutzen.

Botulinumtoxin (0,000004 mg/kg unter die Haut der Maus)

Ein Gramm davon könnte 14.000 Menschen umbringen, wenn es verschluckt, oder gar 8,3 Millionen Menschen, wenn es injiziert wird. Daher wird es tatsächlich oft als der absolut giftigste Stoff auf Erden bezeichnet. Das Bakterium Clostridium Botulinum ist ein Neurotoxin, das die Vergiftung Botulismus auslöst. Es wird von Bakterien ausgeschieden, die sich am liebsten über verdorbene Dosenlebensmittel hermachen. Das Gift hemmt die Reizübertragung von den Nerven an die Muskeln – daher auch manches ausdrucksloses Promi-Gesicht. Es vermag korrekt dosiert aber auch Muskelspasmen zu lösen. Bei einer Überdosis hingegen werden die Muskeln gelähmt und die Atmung unterbunden.

Cyanide (0,3 Promille Sättigung der Luft sind für Menschen unmittelbar tödlich)

Die inzwischen korrekt als Nitrile zu bezeichnenden Gifte sind Blausäure-Verbindungen und die Raser unter den Giften. Als Feststoff oder Lösung verschluckt oder als Gas inhaliert, führen sie sofort zum inneren Erstickungstod durch Behinderung der Zellatmung. Sie kommen natürlich in Steinobst vor, was den Verzehr von rohen Bittermandeln gefährlich macht. Zwar verraten sie ihr unheilvolles Wesen schon mit dem Geruch nach Blausäure, aber nur ein Drittel der Menschheit verfügt über die olfaktorischen Sensoren, ihn wahrzunehmen. Neben der Verwendung im Bergbau und als Pestizid erlangten Zyanide vor allem durch die Nazis traurige Berühmtheit, die Zyklon B für ihre Genozid-Pläne und Zyanid-Kapseln für ihren Suizid verwendeten.

Digitalis (LD50 von 0,45/0,25 für Digitoxin bzw. Digoxin bei Katzen und intravenöser Verabreichung)

Der bunt blühende Fingerhut enthält die Glykoside Digitoxin und Digoxin. In geeigneter Dosis beeinflussen sie den Herzmuskel positiv und regulierend. Ein Zuviel davon – ob als Medikament oder durch den Verzehr von Pflanzenteilen – führt jedoch schlimmstenfalls zum Herzstillstand, falls die natürliche Ausstoßungsreaktion per Vomitation nicht ausreicht. Ähnliche Gifte finden sich auch in Maiglöckchen, Oleander und anderen Zierpflanzen.

(ID:44116953)

Über den Autor