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Tödliche Substanzen

Das kleine ABC der Gifte

| Autor / Redakteur: Dana Hoffmann / Matthias Back

Cyanide, Digitalis, Rizin oder auch Sarin: Unsere Autorin Dana Hoffmann hat einige ausgewählte Gifte genauer unter die Lupe genommen.
Cyanide, Digitalis, Rizin oder auch Sarin: Unsere Autorin Dana Hoffmann hat einige ausgewählte Gifte genauer unter die Lupe genommen. (Bild: gemeinfrei/Petelinforth/Pixabay / CC0)

Haben Sie sich schon einmal in einer zwischenmenschlichen Situation wiedergefunden, in der die Atmosphäre vergiftet war? Oder haben Sie selbst schon einmal einen giftigen Brief geschrieben? Was bedeutet „giftig“ eigentlich genau und in welchen Dimensionen bewegen sich die Substanzen, die man gemeinhin als giftig betrachtet?

Die Frage danach, was nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten giftig ist, ist nicht so leicht zu beantworten. Wie viele Dinge im Leben, ist auch dies eine Frage der Definition und hier sogar eine Frage der Dosis, denn die macht ja bekanntlich das Gift. Schließlich kann sogar übermäßiger Wasserkonsum durch den im Körper verursachten Mangel an Natrium tödlich sein. Eine ebenfalls indirekt schädigende Wirkung hat der ansonsten reizlose Stickstoff, der in einem abgeschlossenen Raum den Sauerstoff verdrängt. Und die feinen Fasern des Asbests setzten sich im Lungengewebe fest und verursachen Krebsgeschwüre. Giftig sind die Substanzen für sich genommen aber nicht.

(Die folgende Bildergalerie enthält eine Auflistung einiger wichtiger und bekannter Gifte, erhebt aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit.)

Was ist ein Gift dann? Da gibt es beispielsweise die juristische Definition eines Gifts. Demnach handelt es sich um „Stoffe, die die Gesundheit schädigen können“. Vor allem Frauen greifen gern zum Gift, wenn sie die Mordlust oder Verzweiflung packt. Dafür gibt es Toxine, die von Lebewesen synthetisiert werden, um sich vor Fressfeinden zu schützen. Andere Gifte kommen in der Natur vor und wieder andere werden von Menschen erfunden und gemischt.

Wirkung des Gifts hängt vom Lebewesen ab

Es ist allerdings nicht möglich, universell gültig zu sagen, dass dieses oder jenes Gift am verheerendsten sei, denn einige Gifte sind in Kombination mit anderen wirksamer als allein. Wollte man herausfinden, welches global das gefährlichste Gift ist, müsste man erhobene Opferzahlen heranziehen. Aber es gibt noch mehr Variablen: Ist die verursachte Schädigung dauerhaft oder reversibel? Hängt die Giftwirkung signifikant von der Art der Verabreichung ab, also davon ob der Stoff inhaliert, verschluckt, injiziert oder über die Haut aufgenommen wurde? Stellen sich bei dauerhafter Gabe Gewöhnungseffekte wie bei Alkohol ein?

Vor allem hängt die Giftwirkung eines Stoffs aber vom Lebewesen ab, dem er zugeführt wird. So ist Haustierbesitzern bekannt, dass Hunde und Katzen wegen des darin enthaltenden Alkaloids Theobromin keine Schokolade fressen dürfen. Ihnen fehlt das Enzym zum Abbau der Substanz. Die Abhängigkeit vom metabolischen System des Opfers wird noch deutlicher beim Blick in den heimischen Nagerkäfig: Ein Meerschweinchen mit Dioxinen zu töten ist verhältnismäßig leicht. Um dasselbe dem wesentlich leichteren Hamster anzutun, bräuchte man schon die tausendfache Menge Dioxin.

Raucher sind diversen Giften ausgesetzt

Selbst innerhalb einer Art kann die Empfindlichkeit gegenüber Giften erheblich schwanken. Sie hängt vom Gesundheitsstatus des Opfers ab, seiner Größe und seinem Gewicht. Selbstverständlich kommt es neben der Dosis auch auf die Dauer der Exposition an. Und schließlich zeigen manche Gifte erst lange nach der Einnahme ihre verheerende Wirkung, was sich Kammerjäger bei der Rattenbekämpfung zunutze machen. Die schlauen Viecher schicken gern einen Vorkoster vor, um unbekannte Nahrung auf ihre Verträglichkeit zu testen. Fiele der erste Fresser sofort tot um, ließen die anderen das verdächtige Futter links liegen. Bei verzögerter Wirkung fressen sich alle satt und gehen später ein.

Weiterhin muss gefragt werden, worauf sich die Giftwirkung im Körper bezieht. Nicht immer ist ein Stoff gleich tödlich, er kann auch Nerven, die Nieren, das Blut oder die Reproduktionsfähigkeit schädigen wie etwa Radioaktivität. Die schädigende Wirkung wie die von Zigarettenrauch ist karzinogen und damit in jedem Fall unangenehm, ohne aber akut gravierende Vergiftungserscheinungen hervorzurufen. Raucher müssen außerdem zwischen den Giftwirkungsarten unterscheiden: Die Wirkungen des Konzentrationsgifts Nikotin nehmen mit der Dosis zu, lassen aber nach Verlöschen des Glimmstängels wieder nach. Das Summationsgift Benzo[a]pyren hingegen richtet einen Schaden an, der bleibt und sich mit jeder weiteren Dosis verschlimmert.

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