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Tödliche Substanzen

Das kleine ABC der Gifte

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Kohlenstoffmonoxid (0,16/1,3 Prozent Sättigung der Atemluft tötet innerhalb von 2 Stunden bzw. weniger Atemzüge)

Das Gas entsteht bei der unvollständigen Verbrennung organischer Stoffe und behindert den Sauerstofftransport im Blut durch Bindung des Hämoglobins, führt also zur inneren Erstickung, einem sehr unerfreulichen Ende. Besonders weil es überraschend kommt, denn das Gas selbst ist nicht zu riechen oder zu sehen. Alle Jahre wieder ist in den Nachrichten von traurigen CO-Vergiftungsfällen zu lesen, bei denen der noch warme Holzkohlengrill mit in die Wohnung oder Garage genommen wurde. Die weitere wichtige Gefahrenquelle sind schlecht gewartete und gereinigte Öfen in Wohngebäuden.

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Rizin (0,3 mg/kg in die Blutbahn der Maus)

Rizin kommt natürlich in den Samen der Rizinusstaude vor, die auch als Wunderbaum bezeichnet wird. Ihre verheerende Wirkung richtet sich gegen Zell-Ribosome, die in ihrer Proteinbiosynthese gestört werden. Das Blut verklumpt und Organe versagen. Schon ein Milligramm Rizin inhaliert oder verschluckt befördert einen erwachsenen Menschen innerhalb von zwei Tagen ins Jenseits, weshalb von einigen Staaten die Möglichkeit der Verwendung als B-Waffe untersucht wird. Das in den berüchtigten Wehencocktails von Hebammen enthaltene Rizinusöl, das aus den Samen gewonnen wird, ist übrigens nicht giftig, da das Rizin nicht fettlöslich ist und beim Ölpressen in den Samenschalen zurückbleibt.

Sarin (LD50 = 28 Milligramm je kg Körpergewicht eines Menschen)

Das Nervengift Sarin hat der Mensch selbst geschaffen. Der Reichsdeutsche Gerhard Schrader entwickelte es 1938 als Pestizid. Es beeinflusst die Reizleitung in den Nerven und führt zu einer Übererregung der Nerven und schließlich Krämpfen und dem Herztod. Es ist flüchtig und geruch- sowie farblos und daher besonders heimtückisch, auch weil es nicht nur über die Lungen, sondern auch durch die Haut und Augen in den Körper gelangt. Seine Herstellung und Verwendung sind daher streng eingeschränkt und kontrolliert. Dennoch starben in vielen Krisenregionen seit seiner Erfindung zu allen Zeiten überall auf der Welt viele Menschen einen elenden Tod.

Tetrachlordibenzodioxin (0,1 mg/Kg unter die menschliche Haut)

TCDD ist die Bezeichnung für das giftigste unter den Dioxinen. Die Kohlenwasserstoffderivate sammeln sich im Fettgewebe an und schädigen über lange Zeit das Immunsystem sowie die Fortpflanzungsfähigkeit. Außerdem gelten sie als diabetogen und karzinogen, wobei die Wirkung noch nicht vollständig ergründet ist. In hohen Konzentrationen wurde TCDD im Entlaubungsmittel „Agent Orange“ eingesetzt, mit denen die Amerikaner in Vietnam Land gewinnen wollten. Der ehemalige Präsident der Ukraine Wiktor Juschtschenko wurde 2004 während des Wahlkampfs wohl über eine Mahlzeit mit etwa zwei bis fünf Milligramm Dioxin vergiftet, überlebte aber entstellt.

Tetrodotoxin (10 Milligramm je Kilogramm Körpergewicht des menschlichen Essers)

Das berüchtigte im Kugelfisch vorkommende Gift gilt es in der japanischen Mahlzeit „Fugu“ gekonnt zu umgehen. Der lizensierte Koch muss die Organe, in denen der Fisch sein Tetrodotoxin bereithält – Haut, Darm, Rogen und Leber – entfernen, ohne das Nervengift freizusetzen. Andernfalls drohen dem risikofreudigen Esser Lähmungen, die auch die Atmung betreffen und schließlich zum Erstickungstod führen können. Die Alternative für Fischliebhaber mit Vergiftungsängsten: Da die Tiere das Gift nicht selbst herstellen, sondern mit der Nahrung aufnehmen, sind Zuchtfische mit Normalfütterung ungefährlich.

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